Rheinland-Pfalz & SaarlandBleibt sie schwarz? Wie die Porta Nigra saniert wird

Das römische Stadttor ist rund um den Globus bekannt. Jetzt wird es für die nächsten Jahrzehnte frisch gemacht. Was Laser damit zu tun haben.
Trier (dpa/lrs) - Es ist eine historische Reinigungsaktion: Die Porta Nigra wird saubergemacht. Über Jahrzehnte haben sich Verschmutzungen aus der Umwelt auf dem einst römischen Stadttor abgelagert. Und diese Verkrustungen müssen weg, um das weltweit bekannte Bauwerk vor weiteren Schäden zu bewahren. "Wir reduzieren die Schmutzkrusten, um den Steinen wieder die Möglichkeit zum Atmen zu geben", sagt Restaurator Walter Hartleitner.
Vorneweg: Das "Schwarze Tor" (Porta Nigra) bleibt schwarz. "Diese dunkle Verfärbung ist ein ganz wichtiges Charakteristikum der Porta Nigra. Daran ändert sich auch nichts", sagt Historiker und Archäologe Karl-Uwe Mahler, der als wissenschaftlicher Referent der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz und für Triers Römerbauten zuständig ist.
Wie wird gereinigt?
Im ersten Schritt steht die Sanierung der Südfassade des knapp 1.900 Jahre alten Bauwerks an. Hoch geht es mit einem Gerüstaufzug. In rund zehn Metern Höhe kommt Lasertechnik zum Einsatz, mit der die oberste Schicht der Krusten schonend abgetragen wird. Restaurator Ulrich Bauer-Bornemann sendet mit der Laserpistole einen starken Lichtstrahl auf die zu reinigende Stelle am Stein.
"Die Lichtenergie bewirkt eine schockartige Erwärmung", sagt er. Schlagartig zerfallen der Schmutz und Ruß: Es entsteht Dampf und ein feiner Staub, der in die Luft geht. Die vorher dunkelschwarze Fläche ist jetzt bräunlich schwarz.
"Der darunter liegende Sandstein bleibt bei den Arbeiten unberührt", sagt Bauer-Bornemann. Zuvor hat er die Fläche mit warmem Wasser von Moosen, Flechten, Algen und Staub befreit. Das dauert: Für einen Quadratmeter braucht er ein bis zwei Stunden. Die Fassade umfasst 2.000 Quadratmeter.
Allein die Sanierung der zur Fußgängerzone zugewandten Südfassade soll bis Ende 2027 dauern. "Es ist so, dass man das sehr vorsichtig und achtsam machen muss und nicht innerhalb kürzester Zeit Riesenflächen reduziert bekommt", sagt Mahler. Später soll auch die Nordfassade gereinigt werden - die Gelder dafür muss das Land aber noch bewilligen.
Wie ist der Zustand des Denkmals?
"Es gibt an der Fassade schon sehr viele Schäden. An vielen Stellen merkt man, dass sich die Oberschichten langsam lösen und in dem Moment ist wirklich Gefahr in Verzug", sagt die Leiterin der GDKE, Heike Otto. Man musste jetzt handeln, auch um das Denkmal zu schützen. "Wir wollen die Porta Nigra für die nächsten Generationen erhalten."
Die letzte Restaurierung gab es Anfang der 1970er Jahre. Damals habe es auch Arbeiten gegeben, die nun wieder rückgängig gemacht würden. So wurde an Hunderten Stellen Mörtel in Fugen und auf Flächen aufgebracht. "Das wird alles wieder entfernt", sagt Hartleitner, der die Schäden kartiert hat.
"Da besteht definitiv Handlungsbedarf." Es seien schon größere Stücke Mörtel heruntergefallen. Hinzu kommen Retuschen mit dunkler Farbe, die bei Sonne die Stellen besonders aufheizen und für Spannungen im Stein sorgen. Die damals aufgetragene Farbe wird jetzt mit Partikelstrahlern entfernt.
Warum ist die Porta Nigra so bedeutsam?
Die Porta Nigra, die um 170 nach Christus entstand, ist laut Mahler das besterhaltene römische Stadttor nördlich der Alpen. Und im Vergleich mit anderen römischen Stadttoren sei das Trierer Exemplar in seiner originalen Architektur noch sehr gut zu erkennen. Das Bauwerk sei nicht nur "das Gesicht der Stadt Trier", sondern auch international bekannt.
Das Wahrzeichen von Trier aus 7.200 Steinquadern ist eins von einst fünf Stadttoren der römischen Stadt, das zu einer 6,4 Kilometer langen Stadtmauer gehörte. Trier gilt als die älteste Stadt Deutschlands.
Wie genau sind die Krusten entstanden?
Den Namen "Schwarzes Tor" hat das Bauwerk erst im Mittelalter bekommen. Anfangs war es gar nicht schwarz. Gebaut wurde die Porta aus gelblich-grauen Sandsteinen, wie Experte Mahler erklärt. Durch natürliche Prozesse kam es mit der Zeit zur Verfärbung. Der Grund: Das Eisenoxid in dem Stein reagiert mit Wasser und führt zu "Verschwärzungen".
Darauf haben sich Staub- und Rußpartikel aus der Luft abgelagert. Teilweise gibt es auf den Steinen noch Bewuchs. Und dann kommt noch Vogel- und Fledermauskot dazu.
Die Porta Nigra gehört dem Land Rheinland-Pfalz und wird von der Generaldirektion Kulturelles Erbe fachlich betreut. Die Kosten der aktuellen Sanierung belaufen sich auf rund eine Million Euro, wie der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) Rheinland-Pfalz mitteilt.
Wie lange wird die Sanierung halten?
Die Vorbereitungszeit bis zur Sanierung hat ungefähr zehn Jahre gedauert. Grundlage war eine Untersuchung des Instituts für Steinkonservierung 2014. "Es war notwendig, ein Methodenspektrum zu entwickeln, um gegen die verschiedenen Schadensbilder vorzugehen", sagt Mahler.
Hält es nun wieder für gut 50 Jahre? "Ja, ich hoffe auch darüber hinaus", sagt er. Die aktuellen Arbeiten könnten noch dauerhafter sein.
Die Porta Nigra bleibt für Besucher geöffnet. Eine optische Beeinträchtigung des Unesco-Weltkulturerbes durch das Gerüst sei unvermeidbar, sagt der LBB. Sie werde gemildert durch Gerüstplanen mit Fotodruck, auf denen die dahinter verborgene vertraute Fassade zu sehen ist. "Mittlerweile ist die Teil-Einrüstung mit den Bannern zu einem beliebten Fotomotiv geworden", sagt Mahler.