Rheinland-Pfalz & SaarlandDie Welt in Flammen - Probenstart für Nibelungen-Festspiele

Das Nibelungen-Epos gilt als "Game of Thrones" des Mittelalters. Wie inszenieren die Veranstalter das Spektakel um Drachentöter Siegfried und seinen Mörder Hagen in diesem Jahr?
Worms (dpa/lrs) - Gut sechs Wochen vor der feierlichen Premiere der Nibelungen-Festspiele haben in Worms die Proben zum neuen Stück "Die Hunnenkönigin" offiziell begonnen. Das Ensemble, zu dem unter anderem Maria Dragus ("Das weiße Band") sowie Aram Tafreshian ("Das Kraftwerk") und Jeanette Hain ("Werk ohne Autor") gehören, traf sich zum gemeinsamen Textstudium. Dafür nahmen die zwei Dutzend Teilnehmer an Tischen Platz, die zu einem Viereck im Veranstaltungszentrum zusammengestellt waren.
Die Premiere unter Intendant Nico Hofmann findet am 17. Juli auf der Freilichtbühne vor dem Kaiserdom statt. Die längst überregional bekannten Festspiele laufen bis zum 2. August.
Was 2026 alles neu ist
Das Stück "Die Hunnenkönigin" stammt von Autor und Regisseur Oliver Lansley sowie Regisseur James Seager. Die beiden Künstler sind Mitglieder der Londoner Theatercompagnie Les Enfants Terribles, die für bildstarke Produktionen bekannt ist. Im Mittelpunkt steht die Burgunderprinzessin Kriemhild, die nach dem Tod von Drachentöter Siegfried ins Lager der Hunnen wechselt und damit zur mächtigsten Frau des Kontinents wird.
"Die Hunnenkönigin" sei ein Drama und Spektakel mit Musik und eine theatrale Achterbahnfahrt, betonten die Veranstalter. "In deren Verlauf zeigt eine Figur, wie weit sie zu gehen bereit ist, um Gerechtigkeit wiederherzustellen - selbst, wenn sie dafür die Welt in Flammen setzen muss."
Spirale aus Gewalt und Hass
Die Zusammenarbeit mit den Briten mache den Blick auf den Stoff "noch einmal internationaler", hatte Intendant Hofmann gesagt. Zudem neu: Die Sängerin und Komponistin Alice Merton übernimmt mit ihrem Kollegen Alexander Wolfe die musikalische Gestaltung, beide werden live auftreten. Die in Frankfurt/Main geborene Merton wurde 2017 mit dem Hit "No Roots" international bekannt.
Das Nibelungenlied, eine der Lieblingssagen der Deutschen, strotzt vor Gewalt und versinkt im Hass. Muss das intrigenreiche Heldenepos so enden? Diese Schicksalsfrage wird in der Stadt am Rhein jedes Jahr anders gestellt. Geboten wird seit 2002 stets eine Neuinszenierung auf Basis des Original-Nibelungenliedes und auf Augenhöhe mit drängenden Themen der Gegenwart.
Historischer Boden
Im vergangenen Jahr waren alle Abende der Festspiele bereits vor der Premiere ausverkauft. Die Tribüne bot bisher Platz für rund 1.400 Zuschauer. Diesmal hat das Publikum erstmals Gelegenheit, besonders nahe am Geschehen zu sitzen: "Ganz im Sinne einer Shakespeare’schen Bühnenanordnung" entstünden auf der Bühne zwei zusätzliche Tribünen links und rechts der Hauptspielfläche - "für ein besonders unmittelbares Theatererlebnis", teilten die Veranstalter mit.
Der Ort der Festspiele ist historischer Boden: Eine Schlüsselszene, der Streit der Königinnen, spielt auf der Nordseite des Doms.