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Rheinland-Pfalz & Saarland Experte: Corona-Inzidenz liegt zwischen 1000 und 2000

Einem Jugendlichen wird ein Nasenabstrich für einen Corona-Test entnommen.

(Foto: Philipp von Ditfurth/dpa/Symbolb)

Viele haben Corona, aber die Zahlen sind niedriger denn je. Wie passt das zusammen? Experte Lehr erklärt: Das Meldewesen hat keinen Aussagewert mehr. Und: Tatsächlich ist die Inzidenz vierstellig.

Saarbrücken (dpa/lrs) - Die aktuellen Zahlen über die Corona-Inzidenzen in Deutschland geben nach Aussage eines Experten das Infektionsgeschehen überhaupt nicht mehr wieder. "Das Meldewesen von Corona ist vorbei. Aber Corona selbst ist nicht vorbei", sagte der Saarbrücker Pharmazieprofessor Thorsten Lehr der Deutschen Presse-Agentur. Er geht davon aus, dass die tatsächliche Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland derzeit zwischen 1000 und 2000 liegt. Das Robert Koch-Institut (RKI) wies die Zahl der gemeldeten Covid-19-Fälle binnen sieben Tage pro 100.000 Einwohner zuletzt mit rund 40 aus.

Die tatsächlichen Zahlen erklärten, was man auch sehe: "Wir haben noch viele Infektionen. Sie sind harmloser, aber sie sind existent", sagte Lehr. Seiner Prognose nach werde die aktuelle Welle im April ihren Höhepunkt haben und sich dann abschwächen. "Nicht wegen irgendwelcher Saisonalitäten, daran glaube ich nicht mehr. Sondern weil wieder eine Durchseuchungsrunde vorüber ist."

Derzeit plagen sich in Deutschland viele Menschen mit Atemwegserkrankungen herum. Allerdings ist laut RKI bei nur sieben Prozent der Menschen, die deshalb zum Arzt gehen, der Auslöser Sars-CoV-2. Eine wesentlich größere Rolle spielen Influenza- und Rhinoviren.

Lehr sagt, was später komme, sei ungewiss. "Das wird immer davon abhängig sein, ob es eine neue Variante gibt und wie lange der Impfschutz anhält." Mit rund 40 Millionen gemeldeten Infektionen seit Pandemiebeginn vor gut drei Jahren plus Dunkelziffer gebe es bundesweit eine "relativ große" Immunität. "Mehr oder weniger die komplette Bevölkerung dürfte einmal Kontakt mit dem Virus gehabt haben", sagte der Professor für Klinische Pharmazie an der Universität des Saarlandes.

Die Folgen der Infektionen würden Forscher und Mediziner noch lange beschäftigen. "Es gibt kaum Long-Covid- und Post-Covid-Ambulanzen. Das ist eine Lücke, die wir haben", sagte der Wissenschaftler. Von Long-Covid spreche man, wenn Betroffene bis zu zwölf Wochen nach einer Infektion unter Folgen litten. Post-Covid bezeichneten Folgen, die zwölf Wochen oder länger anhielten. "Auch Forschung gibt es nicht genug. Da ist Aufholarbeit nötig."

So wisse man nicht, was für Langzeitfolgen ein paar Jahre nach einer Infektion ("Long-long-Covid") auftreten könnten: Etwa ob Viren, die im Körper blieben, auch Autoimmunkrankheiten auslösen könnten. "Ich glaube, dass wir da wachsam sein müssen. Folgeerkrankungen, die da auftreten, werden auch nicht einfach zu diagnostizieren sein." Zudem müsse man sich beschäftigen mit dem Post-Vac-Syndrom, den Impfschäden.

Lehr hatte mit seinem Forscherteam einen "Covid-Simulator" entwickelt, der in der Corona-Pandemie das Infektionsgeschehen in Deutschland berechnete und Prognosen lieferte. "Wegen fehlender Datenquellen kommt unser Simulator an seine Grenzen. Ich gehe davon aus, dass wir Ende des Monats erstmal pausieren müssen."

Quelle: dpa

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