Niedersachsen & BremenWarum Felder weniger belastet sind – und Gewässer leiden

Weniger Tiere, gezieltere Düngung, bessere Bilanzen: Der neue Nährstoffbericht zeigt Fortschritte in der Landwirtschaft. Doch in Grundwasser und Flüssen kommt davon bislang wenig an. Woran liegt das?
Hannover (dpa/lni) - Zu viel Dünger auf Äckern kann Grundwasser, Bäche und Flüsse belasten. In Niedersachsen ist das seit Jahren ein Problem – besonders in Regionen mit viel Tierhaltung und vielen Biogasanlagen. Der neue Nährstoffbericht der Landwirtschaftskammer zeigt nun: Die Landwirtschaft düngt inzwischen vielerorts sparsamer und gezielter. Trotzdem bleiben viele Gewässer belastet. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Was ist der Nährstoffbericht?
Der Bericht ist eine Art jährliches Lagebild zur Düngung in Niedersachsen. Er wird seit 2013 von der Landwirtschaftskammer erstellt. Der Bericht zeigt, wie viele Nährstoffe aus Tierhaltung, Biogasanlagen und Mineraldünger anfallen, wie sie verteilt werden und was das für Grundwasser und Gewässer bedeutet.
Im Mittelpunkt stehen Stickstoff und Phosphor. Beide sind wichtig für das Pflanzenwachstum. Gelangt aber zu viel davon in die Umwelt, können Gewässer überdüngt werden. Dann wachsen etwa Algen und Wasserpflanzen übermäßig stark – was Ökosysteme und Wasserqualität belastet.
Was ist das wichtigste Ergebnis?
Die Lage ist zweigeteilt. Einerseits zeigen viele Daten eine positive Entwicklung: Der Nährstoffanfall aus der Tierhaltung ist leicht rückläufig, die Tierbestände sind gesunken, und die rechtlich zulässige Stickstoffdüngung wird auf Landesebene eingehalten.
Andererseits bleibt der Zustand vieler Gewässer problematisch. An vielen Grundwassermessstellen sind die Nitratwerte bislang nicht deutlich besser, an einigen steigen sie sogar. Auch Bäche, Flüsse und Seen sind weiterhin weit von den Zielen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie entfernt.
Warum ist Düngung überhaupt problematisch?
Pflanzen brauchen Nährstoffe. Deshalb werden Felder gedüngt – mit Gülle, Mist, Gärresten aus Biogasanlagen oder Mineraldünger. Problematisch wird es, wenn mehr Nährstoffe ausgebracht werden, als Pflanzen aufnehmen können.
Stickstoff kann dann als Nitrat ins Grundwasser gelangen. Stickstoff und Phosphor können außerdem Bäche, Flüsse und Seen belasten. Aus Wasserschutzsicht ist deshalb entscheidend, dass nur so viel gedüngt wird, wie die Pflanzen tatsächlich brauchen.
Was bedeutet die Stickstoff-Obergrenze?
Für organische und organisch-mineralische Düngemittel wie Gülle, Mist und Gärreste gilt in Deutschland eine Obergrenze. Betriebe dürfen im Durchschnitt nur eine begrenzte Menge Stickstoff pro Hektar und Jahr ausbringen. Diese Grenze soll verhindern, dass sich zu viel Stickstoff im Boden anreichert und später ins Wasser gelangt.
Dass diese Grenze nun rechnerisch auf Kreisebene eingehalten wird, ist ein Fortschritt. Auf einzelnen Betrieben und in bestimmten Regionen gibt es jedoch weiterhin Überschüsse.
Warum ist Niedersachsen besonders betroffen?
Niedersachsen ist ein großes Agrarland. In manchen Regionen werden sehr viele Tiere gehalten, zudem gibt es viele Biogasanlagen. Besonders in der Region Weser-Ems fällt traditionell viel Wirtschaftsdünger an.
Dort entsteht mehr Gülle, Mist und Gärrest, als die Flächen vor Ort sinnvoll aufnehmen können. Deshalb werden Nährstoffe in andere Regionen gebracht. Laut Bericht nehmen diese Transporte weiter zu.
Welche Rolle spielt die Tierhaltung?
Sie ist eine zentrale Quelle für Wirtschaftsdünger. Wo viele Tiere gehalten werden, fällt viel Gülle oder Mist an. Laut Bericht sind die Tierbestände zuletzt zurückgegangen, vor allem bei Rindern und Schweinen. Dadurch sinkt auch der Nährstoffanfall aus der Tierhaltung.
Für den Gewässerschutz ist das eine wichtige Entwicklung. Weniger Tiere bedeuten tendenziell weniger Dung und damit weniger Druck auf die Flächen. In viehstarken Regionen bleibt die Belastung aber weiterhin besonders hoch.
Warum verbessern sich Grundwasser und Flüsse nicht schneller?
Ein wichtiger Grund ist die Verzögerung. Was heute auf einem Feld passiert, zeigt sich nicht sofort im Grundwasser. Je nach Boden, Tiefe und Fließgeschwindigkeit kann es Jahre dauern, bis Nitrat aus früherer Bewirtschaftung an einer Messstelle ankommt.
Aktuelle Nitratwerte können daher noch die Düngung vergangener Jahre widerspiegeln. Verbesserungen beim Düngen könnten also erst später messbar werden.
Wie ist die Lage beim Grundwasser?
Viele Messstellen zeigen keine klare Veränderung der Nitratwerte. Bei einem Teil gehen die Werte zurück, bei einem anderen Teil steigen sie. Nach Einschätzung des Ministeriums werden die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie beim Grundwasser in Niedersachsen bislang nicht erreicht. Landwirtschaftliche Nährstoffeinträge gelten dabei als wesentlicher Grund.
Wie steht es um Bäche, Flüsse und Seen?
Auch bei den Oberflächengewässern ist die Lage schwierig. Nur ein kleiner Teil erreicht derzeit einen guten ökologischen Zustand oder ein gutes ökologisches Potenzial. Eine Ursache sind Nährstoffeinträge, daneben gibt es weitere Belastungen. Für den Gewässerschutz reicht es daher nicht, nur auf bessere Düngebilanzen zu schauen.
Was ist mit Phosphor?
Phosphor ist für Pflanzen wichtig, aber ebenfalls problematisch, wenn zu viel davon in Gewässer gelangt. Außerdem ist Phosphor ein endlicher Rohstoff. Eine bedarfsgerechte Düngung ist daher auch wichtig, um die Ressource zu schützen. Der Bericht zeigt: Manche Böden sind bereits hoch mit Phosphor versorgt. Dort muss besonders darauf geachtet werden, nicht weiter über Bedarf zu düngen.
Was folgt aus dem Bericht?
Agrarministerin Miriam Staudte (Grüne) sieht Fortschritte beim Düngungsverhalten, aber weiter Dringlichkeit beim Gewässerschutz. Sie will untersuchen lassen, warum sich bessere Düngebilanzen bisher kaum in Grundwasser und Oberflächengewässern zeigen.
Was bedeutet das für Verbraucher?
Es geht für sie vor allem um sauberes Trinkwasser, gesunde Gewässer und eine Landwirtschaft, die Lebensmittel erzeugt, ohne Böden und Wasser zu überlasten. Der Bericht zeigt: Niedersachsen düngt rechnerisch besser als früher. Noch reicht das aber nicht, um Grundwasser, Bäche und Flüsse dauerhaft zu entlasten.