Regionalnachrichten

Rheinland-Pfalz & SaarlandGewerkschaft: Bodycams sind die wirksamste Prävention

09.02.2026, 16:28 Uhr
Die-EVG-fordert-ein-Sicherheitskonzept-fuer-das-Bahn-Personal

Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter sitzt ein 26-jähriger Tatverdächtiger in U-Haft. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft fordert Konsequenzen.

Mainz (dpa/lrs) - Für jeden Zugbegleiter eine Bodycam mit Ton, Doppelbesetzung in den Zügen zum Schutz vor Angriffen und ein im Landnahverkehrsplan verankertes Sicherheitskonzept - das sind wesentliche Forderungen der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in der vergangenen Woche. "Die Forderungen sind nichts Neues, es geht darum, es anzugehen", sagte EVG-Geschäftsstellenleiter Lars Kreer in Mainz. Das Thema dürfe jetzt nicht versanden.

Bereits Anfang 2024 hätten bei einer Sicherheitsbefragung des Personals 98 Prozent angegeben: "Eine Doppelbesetzung würde uns helfen", berichtete Kreer. Bis zur Erreichung dieses Ziel sei es aus EVG-Sicht eine kurzfristige Lösung, in einigen Züge eine Doppelbesetzung zu haben und in anderen ganz auf einen Zugbegleiter zu verzichten.

Bei den Bodycams kommt es auch auf den Ton an

SOS-Knöpfe, Selbstverteidigung und selbst Pfefferspray oder Elektroschockpistolen (Taser) kämen im Notfall zu spät, gab der für die Region Westpfalz/Saarland zuständige Gewerkschafter Christian Böttcher zu Bedenken. "Die einzige Präventionsmaßnahme ist die Bodycam." Sie wirke auf viele Angreifer deeskalierend, es müsse aber - anders als bei den bisherigen Geräten - möglich sein, den Ton aufzuzeichnen.

Fahrkarten im Zug verkaufen wirkt deeskalierend

Fahrkarten sollten wieder in den Zügen verkauft werden, forderten mehrere Gewerkschaftsvertreter. Das wirke bei einer Fahrkartenkontrolle von vornherein deeskalierend.

Die seit Jahren geforderte landesweite Datenbank für Übergriffe auf Personal in den Bahnen gebe es noch immer nicht, kritisierte Kreer. Gutes Daten- und Zahlenmaterial sei aber notwendig, wenn man die Sicherheit verbessern wolle. Derzeit sei von einer hohen Dunkelziffer bei Beleidigungen und Angriffen auszugehen. Die verschiedenen Erhebungen von Verkehrsunternehmen und Polizei "übereinanderzukriegen, ist nicht möglich". Die Datenbank sei bereits im vergangenen Frühjahr angekündigt worden, aber noch immer nicht da. "Das geht uns viel zu langsam."

Der Deutschen Bahn zufolge gab es 2025 mehr als 3.000 Angriffe, entsprechend ungefähr acht pro Tag. Die Hälfte der Attacken richtet sich laut Bahn gegen Beschäftigte im Regionalverkehr. Die EVG geht davon aus, dass es etwa ein Drittel mehr sind, also rund 4.000.

Quelle: dpa

Regionales