Rheinland-Pfalz & SaarlandKommt Rheinland-Pfalz bei der Verbrechensbekämpfung voran?

Rheinland-Pfalz zähle bundesweit zu den sichersten Bundesländern, bilanziert der Innenminister. Michael Ebling setzt auf die Strategie mit mehr Sichtbarkeit der Ordnungshüter.
Mainz (dpa/lrs) - Rheinland-Pfalz verbessert sich bei der Vereitelung von Straftaten und der Jagd nach Kriminellen. Die Ermittler registrierten im vergangenen Jahr weniger Straftaten im Land und verbesserten die Aufklärungsquote. Diese Entwicklung belege, dass Rheinland-Pfalz bundesweit zu den sichersten Bundesländern zähle, sagte Innenminister Michael Ebling (SPD) in Mainz.
Straftaten und Aufklärungsquote
Die Polizei registrierte insgesamt 224.126 Straftaten im Land. Das entspricht einem Rückgang im Vergleich zum Jahr zuvor von 6,4 Prozent. Das sei der niedrigste Wert seit dem Jahr 1992, berichtete der Innenminister. Die Aufklärungsquote lag bei 64,8 Prozent nach 64,3 Prozent im Vorjahr.
Objektive Sicherheit
Auch die Häufigkeitszahl - die Zahl der erfassten Fälle gerechnet auf 100.000 Einwohner - entwickelte sich positiv. Mit einem Wert von 5.427 (2024: 5.803) sei mit Ausnahme des Pandemiejahres 2021 die niedrigste Zahl seit fast 40 Jahren verzeichnet worden, erklärte Ebling. "Die Häufigkeitszahl ist ein wichtiger Gradmesser für die objektive Sicherheitslage."
Subjektive Sicherheit
Obwohl sich die Sicherheitslage nach den Daten verbessert, beeinträchtigen die aktuell angespannte globale Sicherheitslage sowie gezielte Desinformation von Populisten das Sicherheitsgefühl der Menschen, sagte der Innenminister. Gegensteuern wollen die Sicherheitskräfte mit mehr Sichtbarkeit in der Fläche: "Wir wollen wieder diese Vertrauensebene stärken." Als Beispiel nannte Ebling Wohnungseinbrüche in einer Region: Beamte gingen dann gezielt dorthin, klingelten in der Nachbarschaft und zeigten sich.
Gravierende Verbrechen
Die Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit gingen leicht um 0,4 Prozent auf 47.052 Fälle zurück. Die darin enthaltene Zahl der Körperverletzungsdelikte sank um 749 Fälle auf 28.911. Mit 16 Morden wurden nach der Statistik zwei weniger als im Jahr zuvor in Rheinland-Pfalz registriert.
Leicht rückläufig ist den Angaben zufolge auch die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. 2025 wurden 6.177 Fälle registriert, 0,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Als Grund dafür nannten die Sicherheitsexperten unter anderem, dass die strafbare Verbreitung pornografischer Inhalte abgenommen habe.
Spürbare Veränderungen
Die Zahl der Geldautomatensprengungen im Land geht weiter deutlich zurück. Nachdem 23 Taten im Jahr 2024 für Aufsehen gesorgt hatten, seien im vergangenen Jahr nur noch 12 Geldautomatensprengungen registriert worden, sagte der Präsident des Landeskriminalamtes (LKA), Mario Germano.
Auch bei den Diebstahlsdelikten zeigte sich nach der Kriminalstatistik ein positiver Trend mit einem Rückgang um 3,1 Prozent auf 59.508 Fälle. Besonders deutlich sanken in Rheinland-Pfalz unter anderem die Zahlen beim Ladendiebstahl, beim Diebstahl an und aus Kraftfahrzeugen sowie beim Fahrraddiebstahl.
Negative Entwicklungen
Bei Fällen der häuslichen Gewalt gab es mit 13.504 Fällen einen kleinen Anstieg um sieben Straftaten. "Die Entwicklung zeigt, dass wir diesem Deliktfeld weiterhin besondere Aufmerksamkeit widmen müssen", betonte Ebling und kündigte ein eigenes Landeslagebild häusliche Gewalt an. Dabei soll vor allem auch ein vertiefter Blick auf die Opfer ermöglicht werden.
Die Zahl der Messerangriffe ist laut Kriminalstatistik leicht gestiegen. Waren es 2024 noch 553 solcher Taten, wurden 2025 insgesamt 561 Straftaten mit Messer gezählt. Insgesamt machten diese Taten jedoch weniger als 0,3 Prozent der Delikte aus, erklärte das Ministerium.
Bei den Wohnungseinbruchdiebstählen registrieren die Ermittler ebenfalls eine Zunahme der Straftaten: Mit 2.936 Fällen gab es landesweit einen Anstieg um 310 Fälle. Vor zehn Jahren wurden in Rheinland-Pfalz aber noch mehr als doppelt so viele Fälle registriert. Die Aufklärungsquote lag bei rund 14 Prozent und damit etwas unter dem Niveau der Vorjahre. Täter agierten häufig mobil und überregional, erklärte der LKA-Chef. Ermittlungen führten nicht selten über mehrere Bundesländer oder auch ins Ausland.
Welche Trends erkennen die Ermittler?
Während klassische Straftaten teilweise rückläufig seien, nähmen digitale Taten, ein internationales Vorgehen der Kriminellen sowie arbeitsteilige Täterstrukturen zu, berichtete LKA-Präsident Germano. Die Zahl der Fälle von Call-Center-Betrug, bei denen ein Teil der Straftaten aus dem Ausland heraus begangen wird, habe sich im Jahresvergleich auf rund 360 halbiert. Der entstandene Schaden sei aber von rund sechs auf etwa zehn Millionen Euro deutlich angestiegen.
Was sagt die Opposition?
Die nackte Statistik verberge, dass das subjektive Sicherheitsempfinden der Menschen im Land massiv gestört sei, moniert die CDU-Landtagsfraktion. "Wir müssen die Sicherheitsarchitektur grundlegend modernisieren", forderte der CDU-Innenexperte Dirk Herber. Nötig seien eine KI-gestützte Videoanalyse an Brennpunkten sowie eine echte, innovative Personaloffensive.