Rheinland-Pfalz & SaarlandMehr Kriminalitätsopfer wenden sich an den Weißen Ring

Zum Tag der Kriminalitätsopfer zieht der Landesverband des Weißen Rings in Rheinland-Pfalz Bilanz. Die Opferschutzorganisation hat es vor allem mit Körperverletzung und Sexualdelikten zu tun.
Mainz (dpa/lrs) - Immer mehr Opfer von Kriminalität melden sich in Rheinland-Pfalz beim Opferschutzbund Weißer Ring. Insbesondere bei Fällen von Körperverletzung und Sexualdelikten erhöhte sich die Anzahl der Beratungen 2025, wie die Landesvorsitzende und SPD-Landeschefin Sabine Bätzing-Lichtenthäler in Mainz berichtete. 2025 hatten die Beraterinnen und Berater es demnach mit 495 Fällen von Körperverletzung zu tun, mehr als die Hälfte davon betreffe häusliche Gewalt. Über alle Deliktfelder hinweg habe der Weiße Ring im vergangenen Jahr rund 100 Fälle mehr bearbeitet als im Vorjahr.
In etwa jedem vierten Beratungsfall ging es um Sexualdelikte (318 Fälle). Damit machten Körperverletzung (40 Prozent) und Sexualdelikte (26 Prozent) zusammen zwei Drittel der Fälle aus.
Auch anonyme Beratungen sind möglich
"Gerade im Bereich der häuslichen Gewalt wissen wir, dass Frauen erst ganz spät ausbrechen, um sich Hilfe zu suchen", sagte Bätzing-Lichtenthäler. Bei häuslicher Gewalt spiele Scham noch immer eine große Rolle. Beim Weißen Ring könnten sich Kriminalitätsopfer auch anonym melden. Und: "Man muss bei uns keine Anzeige bei der Polizei stellen, wenn man Opfer geworden ist, um Hilfe zu bekommen", betonte Bätzing-Lichtenthäler.
Im vergangenen Jahr seien Kriminalitätsopfer mit mehr als 265.000 Euro an Hilfen unterstützt worden, weniger als in den Vorjahren. 2024 wurden rund 365.000 Euro an Opferhilfen ausgezahlt, 2023 rund 277.000 Euro. Dazu gehören vor allem Gutscheine für Beratungen bei Rechtsanwälten und finanzielle Soforthilfen. "Beratungschecks sind eine wichtige Hilfestellung für Menschen, die keine Rechtsschutzversicherung haben", sagte Bätzing-Lichtenthäler. Zusätzlich gebe der Weiße Ring etwa auch Beratungsschecks für Psychologen aus, mit denen es schnell Termine bei Trauma-Ambulanzen gebe.
Der Weiße Ring wirbt um Mitglieder
Der Weiße Ring bekommt keine Zuschüsse vom Land oder dem Bund und ist daher auf Mitgliedsbeiträge, Spenden und vom Gericht zugewiesenen Geldauflagen angewiesen. In Rheinland-Pfalz beraten 138 Frauen und 89 Männer derzeit ehrenamtlich Opfer in 27 Außenstellen. Die Zahl der Mitglieder sei nach Corona deutlich gesunken, auf zuletzt rund 2.615.