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Rheinland-Pfalz & Saarland Weißer Ring: Prozess kann Leid von Angehörigen nicht lindern

Ein Justizbeamter steht in einem Gerichtssaal.

(Foto: Friso Gentsch/dpa/Symbolbild)

Mainz (dpa/lrs) - Ein Prozess wie im Fall der beiden nahe Kusel (Pfalz) erschossenen Polizisten kann nach Einschätzung des Weißen Rings das Leid der Hinterbliebenen nicht immer lindern. "Die Frage, was Opfern, ihren Angehörigen oder Kollegen hilft und was nicht, lässt sich nicht allgemeingültig beantworten", sagte Karsten Krogmann von der Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität der Deutschen Presse-Agentur. "Menschen reagieren verschieden auf Belastungen. Ebenso unterschiedlich sind ihre Bedürfnisse bei der Verarbeitung."

Eine juristische Aufarbeitung könne aber Angehörigen oder Kolleginnen und Kollegen von Opfern bei der Verarbeitung des Erlebten durchaus helfen. "Ein Strafprozess kann offene Fragen beantworten, weil Beweise, Zeugenaussagen, Dokumente öffentlich verhandelt werden", sagte Krogmann in Mainz. "Er kann verstehen helfen, was geschehen ist - und vielleicht sogar, warum es geschehen ist. Er kann mit einem Urteil die Möglichkeit für einen Abschluss bieten."

Allerdings könne ein Gerichtsverfahren auch sehr belastend und sogar retraumatisierend sein. "Es zwingt Angehörige, sich erneut mit dem Geschehen und ihrer Trauer auseinanderzusetzen. Es konfrontiert sie vielleicht mit Akteninhalten und Aussagen, die verstörend und traumatisierend sein können. Es kann Vertrauen zerstören, wenn Verfahren sehr lange dauern oder mit einem als ungerecht empfundenen Urteil enden", erklärte Krogmann. Deshalb sei es gut, wenn Betroffene nicht allein durch ein Verfahren gehen müssten. "Wer Unterstützung braucht, kann sich natürlich auch an den Weißen Ring wenden."

In dem Fall spricht das Landgericht Kaiserslautern an diesem Mittwoch das Urteil. Die Staatsanwaltschaft wirft einem 39-Jährigen vor, Ende Januar eine Polizistin und ihren Kollegen bei einer Fahrzeugkontrolle erschossen zu haben, um Jagdwilderei zu verdecken. Der Mann weist das zurück. Die Staatsanwaltschaft fordert eine lebenslange Haftstrafe und die Anerkennung der besonderen Schwere der Schuld.

Quelle: dpa

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