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Sachsen-AnhaltAnschlag in Magdeburg - Linke sieht Staatsversagen

18.05.2026, 11:44 Uhr
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Die Linke kritisiert nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt fehlende Standards im Bedrohungsmanagement und sieht Versäumnisse bei Behörden und Veranstaltern.

Magdeburg (dpa/sa) - Staatliches Versagen hat aus Sicht der Linksfraktion in Sachsen-Anhalt den Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt mit begünstigt. Der Täter sei jahrelang etwa bei Polizei, Verfassungsschutz und Ausländerbehörde bekannt gewesen, "ohne dass die Vielzahl von Warnsignalen in ein konsistentes Lagebild und wirksame Maßnahmen übersetzt wurde", erklärte Fraktionschefin Eva von Angern.

Am 20. Dezember 2024 war der damals 50-jährige Taleb Al-Abdulmohsen mit einem mehr als zwei Tonnen schweren Wagen über den Weihnachtsmarkt gefahren. Fünf Frauen und ein neunjähriger Junge starben. Mehr als 300 Menschen wurden teils schwerst verletzt. Seit dem 10. November 2025 verhandelt das Landgericht Magdeburg in einem eigens errichteten Interimsgebäude gegen den Todesfahrer. Anfang Juni könnten die Plädoyers beginnen.

Verbindliche Standards für Großveranstaltungen

Die Linke beklagt, dass es im Bereich des Bedrohungsmanagements vor dem Anschlag kein professionelles, landesweit verbindliches System gegeben habe. Strukturierte Risikoanalysen, interdisziplinäre Fallkonferenzen und die systematische Nutzung offener Quellen seien nicht etabliert gewesen. "Wir sehen hier ein politisches Versagen des Innenministeriums, das kein einheitliches Bedrohungsmanagement geschaffen und Verantwortung faktisch nach unten auf Kommunen und einzelne Beschäftigte verlagert hat", so von Angern.

Zudem hätten die Landeshauptstadt Magdeburg und die Weihnachtsmarkt GmbH als Veranstalter zentrale Sicherungspflichten vernachlässigt, hieß es. Nötig seien künftig verbindliche Sicherheitsstandards für Großveranstaltungen.

Am Dienstag wollen Vertreter der schwarz-rot-gelben Koalition ihre zentralen Erkenntnisse aus der Arbeit im Untersuchungsausschuss vorstellen. "Schwächen und Fehler im Handeln von Behörden haben es dem Täter – zusammen betrachtet – leicht gemacht, diese Überfahrttat zu begehen", hieß es in einem bekanntgewordenen Entwurf des Abschlussberichts.

Quelle: dpa

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