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Sachsen-AnhaltGrab der Schamanin enthielt möglicherweise Blumen

04.03.2026, 11:01 Uhr
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Blütenschmuck im Grab? Neue Untersuchungen zur Schamanin von Bad Dürrenberg liefern Hinweise auf Beigaben von Blumen. Die Frau wurde vor rund 9.000 Jahren möglicherweise im Hochsommer bestattet.

Halle (dpa/sa) - Der Schamanin von Bad Dürrenberg und ihrem Baby sind vor rund 9.000 Jahren möglicherweise Blumen mit in das Grab gelegt worden. "Neue Pollenuntersuchungen liefern Hinweise auf Blütenpflanzen", sagte Landesarchäologe Harald Meller. "Die mikroskopischen Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Bestattung möglicherweise im Juli stattfand."

Das Grab der Schamanin gilt als einer der spektakulärsten Befunde der mitteleuropäischen Archäologie. In der Mittelsteinzeit war hier eine etwa 30- bis 40-jährige Frau bestattet worden. In ihren Armen lag ein rund sechs Monate altes Kind. Ein Kopfschmuck aus Rehgeweih, Tierzahngehänge und weitere reiche Beigaben verweisen auf eine besondere soziale und spirituelle Stellung der Frau innerhalb ihrer Gemeinschaft – sie wird als Schamanin, als spirituelle Spezialistin ihrer Gruppe, interpretiert.

Pollenanalyse ergab einen "bunten Strauß"

Die Pollenanalysen führte Elisabeth Endtmann vom Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt durch. Unter dem Mikroskop fanden sich geringe Mengen Pollen optisch auffälliger Blütenpflanzen wie Mädesüß, Königskerze, Hahnenfuß sowie Teufelsabbiss oder Scabiosa.

Die Pflanzen blühen in Weiß-, Gelb-, Rosa-, Rot- und Violetttönen – ein farbenprächtiger Schmuck wäre demnach denkbar. Auffällig war eine Konzentration im Kopfbereich der Toten. "Vermutlich verfingen sich die Pollen im Haar der Schamanin noch zu ihrer Lebzeit. Denkbar ist aber auch, dass ihr Kopf bei der Bestattung auf Blumen gebettet wurde", erklärte Endtmann. Aufgrund der geringen Pollenzahl bleibe eine abschließende Gewissheit aus.

Auch Pflanzen der traditionellen Volksmedizin im Grab

Im Grab fanden sich auch Pollen von Pflanzen aus der traditionellen Volksmedizin. Birkenblätter gelten als harntreibend und lindern Blasenentzündungen, Rheuma, Gicht und Wassersucht. Faulbaumrinde wird als Abführmittel genutzt, Hopfen wirkt sedierend und Frauenmantel wird bei der Behandlung von Wunden, Blutungen, Geschwüren, Bauchschmerzen, Nierensteinen und Kopfschmerzen eingesetzt. Ob der Schamanin die heilkundlichen Eigenschaften dieser Pflanzen bewusst waren, bleibt offen.

"Es gibt zahlreiche ethnografische Beispiele dafür, dass Schamanen Heilpflanzen einsetzen", sagte Meller. "Gemeinschaften von Jägern und Sammlern verfügen häufig über umfassende Kenntnisse ihrer Umwelt."

Die Überschneidung der Blühzeiträume der im Kopfbereich nachgewiesenen Pflanzen legt mit vorsichtiger Interpretation nahe, dass die Bestattung im Juli erfolgt sein könnte. Ergänzend wurden Grünalgen festgestellt, die vermutlich an den Federn von Wasservögeln hafteten, die ebenfalls im Grab nachgewiesen wurden.

Nachgrabungen 2019

Entdeckt wurde das Grab bereits 1934 zufällig bei Kanalarbeiten nahe dem heutigen Kurpark von Bad Dürrenberg (Saalekreis). Die Bergung erfolgte damals unter erheblichem Zeitdruck innerhalb eines Nachmittags.

Erst ab Dezember 2019, im Vorfeld der Landesgartenschau, nahmen Archäologinnen und Archäologen die Fundstelle erneut in den Blick. Tatsächlich gelang es, Reste der ursprünglichen, mit dem Mineralgemenge Rötel durchsetzten Grabgrube ausfindig zu machen. Da 1934 nur ein schmaler Suchgraben angelegt worden war, waren Teile der Bestattung unangetastet geblieben.

Jäger und Sammler legten Blumen in Gräber

Blumen als Grabbeigaben werden bereits für sehr frühe Bestattungen diskutiert - etwa im Fall von Blütenpollen bei einer Grabstätte eines Neandertalers in der Shanidar-Höhle im Zagros-Gebirge im Norden des Irak. Allerdings gibt es auch alternative Deutungen, welche von einer möglichen Einschleppung der Pollen durch Insekten in die Höhle ausgehen.

Sicher belegt sind rund 13.700 bis 11.700 Jahre alte Blumennachweise aus der Raqefet-Höhle im Karmel-Gebirge in Israel, südöstlich von Haifa. Dort legten Jäger und Sammler vier Bestattungen mit farbigem Blütenschmuck aus.

Die neuen Ergebnisse sind Teil umfangreicher Forschungen der vergangenen Jahre. Sie werden ab dem 27. März 2026 in einer großen Sonderausstellung unter dem Titel "Die Schamanin" im Landesmuseum präsentiert.

Quelle: dpa

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