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Sachsen-AnhaltHalle und Wittenberg wollen beide "Zukunftszentrum"

01.06.2022, 14:33 Uhr

Um das "Zukunftszentrum Deutsche Einheit" reißen sich mehrere Städte im Osten. Halle und Wittenberg werfen ihren Hut gemeinsam in den Ring. Den Standort beanspruchen aber beide für sich.

Halle (dpa/sa) - Die Bürgermeister von Halle und Wittenberg hoffen bei ihrer gemeinsamen Bewerbung um das "Zukunftszentrum Deutsche Einheit" auf Unterstützung vom Land Sachsen-Anhalt. Das erklärten die beiden Stadtvertreter Egbert Geier und Jochen Kirchner (beide SPD) am Mittwoch. Grundsätzlich wollen beide Städte zwar an einem Strang ziehen, ihre Einigkeit endet aber bei der Frage, wo das geplante Zentrum seinen Standort haben sollte.

Beide Bürgermeister betonten am Mittwoch die zentrale Lage ihrer Städte in Mitteleuropa und die Nähe zu den Flughäfen Leipzig und Berlin. Auch die Geschichte beider Orte und ihre Erfahrung als Wissenschaftsstandorte prädestinierten beide Städte für den Zuschlag für das neu geplante Zentrum. Halle habe gezeigt, dass es sich wandeln könne, sagte Bürgermeister Geier. Sein Amtskollege Kirchner betonte, Wittenberg habe Vergangenheit und vor allem Zukunft.

Mit der neuen Institution will die Bundesregierung die Erfahrung der Ostdeutschen mit Wandel und Umbrüchen würdigen. Bis 2028 soll das Zentrum in einem neuen oder umgestalteten Gebäude in Ostdeutschland Platz finden.

Mehrere Städte wie Jena, Eisenach, Magdeburg, Frankfurt an der Oder und Leipzig haben bereits Interesse angekündigt. Noch vor dem Sommer soll die Standortauswahl für das neue "Zukunftszentrum Deutsche Einheit und Europäische Transformation" starten. Die Kosten für das Zentrum werden auf 200 bis 220 Millionen Euro geschätzt.

Das Zentrum soll nach einem Eckpunktepapier des Bundes drei Aufgaben haben: Es soll dort zu den Umbrüchen nach der Vereinigung geforscht werden, außerdem sollen Ausstellungen organisiert werden, die die Leistung der Ostdeutschen würdigen. Ferner soll das Zentrum einen Raum für Begegnungen und Veranstaltungen bieten.

Eine Kommission unter Vorsitz des früheren brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) hatte die Gründung des Zentrums 2020 vorgeschlagen, die Ampelparteien SPD, Grüne und FDP nahmen den Plan in ihren Koalitionsvertrag auf.

Nach Ansicht Geiers bietet der Riebeckplatz am Hauptbahnhof in Halle optimale Voraussetzungen für das neue Gebäude. Etwa 15.000 Quadratmeter Nutzfläche für Konferenzen, Veranstaltungen und Ausstellungen könnten dort entstehen. In Wittenberg favorisiere man einen Bau am Universitätsstandort Leucorea, erklärte Kirchner.

Die Standortkommission des Bundes geht in ihrem Abschlussbericht davon aus, dass das Zukunftszentrum bis zu eine Million Besucher jährlich anlocken könnte.

Für beide Städte wäre das ein touristischer Quantensprung. Zum Vergleich: Laut Kirchner hat die gesamte Lutherstadt Wittenberg bisher jährlich etwa 200.000 Besucher. Halles Bürgermeister Geier sagte, die Institution könne in der "Champions League der besucherstärksten Einrichtungen" spielen.

"Wir machen uns gemeinsam auf den Weg", sagte Kirchner. Welche inhaltlichen Überschneidungen zwischen den Städten sich ergeben könnten, könne man auch zu einem späteren Zeitpunkt genauer umreißen. Es gebe bereits Überlegungen zum Verkehrsverbund und Überlegungen zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit - konkreter wurden beide Bürgermeister aber nicht.

Quelle: dpa

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