Sachsen-AnhaltHommage an Künstler und Sammler – Feininger-Museum wird 40

Eine besondere Männerfreundschaft steht im Fokus des Jubiläumsjahres im Feininger-Museum im Harz. Eine neue Ausstellung erzählt davon. Es geht nicht nur um Kunst, sondern auch um Emotionen.
Quedlinburg (dpa/sa) - Noch bis 12. Januar wird der "Meister der Moderne" gewürdigt, dann positioniert sich das Museum für den Rest des Jahres als "lebendiger Erinnerungsraum": Anlässlich seines 40. Geburtstages bereitet das Museum Lyonel Feininger in Quedlinburg im Harz eine Hommage an zwei miteinander verbundene Männer vor. Das nach eigenen Angaben weltweit einzige Museum zu Ehren des Malers, Grafikers und Bauhaus-Schaffenden Lyonel Feininger (1871-1956) feiert nicht nur seinen Namensgeber, sondern auch dessen Freund Hermann Klumpp (1902-1987), ohne den es das 1986 gegründete Museum nicht geben würde.
Neupräsentation der Sammlung "emotional aufgeladen"
"Seine Treue zu seinem Künstlerfreund ist die Grundlage der Museumssammlung", sagte Direktorin Adina Rösch. "Das Museum gibt dem Werk ein Zuhause, in dem es weiterwirken kann." Klumpp habe Feiningers Erbe gerettet, hieß es. Die neu konzipierte Ausstellung "Mensch, Meister, Modernist. Feininger im Fokus" soll deshalb auch eine "Geste der Dankbarkeit" sein und die bewährte Präsentation um neue Perspektiven, Kontexte und Stimmen ergänzen. Sie wird von Ende Februar bis Januar 2027 gezeigt. Rösch zufolge ist die Sammlungspräsentation durchaus auch "emotional aufgeladen".
Kunstsammler als Retter von Feiningers Erbe
Der in New York geborene Feininger verbrachte knapp 50 Jahre seines Lebens in Deutschland. Bis 1932 war er am Bauhaus tätig, fünf Jahre später verließ er Deutschland vor dem Hintergrund des Nationalsozialismus und kehrte mit seiner Familie nach New York zurück. In der Nazi-Zeit galt seine Kunst als "entartet". Dem Quedlinburger Architekten und Kunstsammler Klumpp, der bei Mies van der Rohe (1886-1969) Architektur in Dessau studierte, übergaben die Feiningers ein großes Konvolut an Kunstwerken, die Klumpp vor der Vernichtung bewahrte.
Am 17. Januar 1986, knapp anderthalb Jahre vor seinem Tod, konnte Klumpp seinen Wunsch Realität werden lassen und mit der Eröffnung der Lyonel-Feininger-Galerie in Quedlinburg die Werke öffentlich zugänglich machen.
Seitdem hat das Ausstellungshaus in der Unesco-Welterbestadt Quedlinburg viele Veränderungen erlebt. 1992 beschließt der Kreistag die Erweiterung der Galerie. 1996 bleibt sie ganzjährig wegen Bauarbeiten geschlossen und wird am 31. August 1997 wieder eröffnet. Im darauffolgenden Jahr gründet sich der Förderverein, der aktuell fast 150 Mitglieder zählt.
Ein Ausstellungshaus erlebt Strukturwandel
Im Jahr 2006 wird die damalige Lyonel-Feininger-Galerie Teil der neuen Stiftung Moritzburg Halle. Am 15. März 2007 wird Björn Egging Direktor. Ihm folgt Anfang 2014 Michael Freitag, der die Galerie grundlegend umbaut. Freitag verlässt mit seinem Konzept die monothematische Ausrichtung des Kunsthauses und treibt dessen Öffnung und die Umstrukturierung zu einem Museum für grafische Künste voran.
Die Galerie arbeitet fortan unter dem Dach der Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt, die seit 2017 Kulturstiftung Sachsen-Anhalt heißt. Von September 2020 bis Ende 2022 leitete die Kunsthistorikerin, Kuratorin und Autorin Gloria Köpnick die Galerie. Seit März 2023 steht die Kunsthistorikerin Rösch an der Spitze des Hauses, das seitdem Museum Lyonel Feininger heißt. Im vergangenen Jahr kamen nach eigenen Angaben 21.500 Gäste.