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Sachsen-AnhaltNeue Pläne für Sekundar- und Gemeinschaftsschulen

19.03.2026, 12:20 Uhr
Wie-geht-es-mit-dem-Schulsystem-in-Sachsen-Anhalt-weiter-Das-ist-ein-zentrales-Thema-im-Landtagswahlkampf

Wie soll das Schulsystem der Zukunft in Sachsen-Anhalt aussehen? Die Diskussion wird vor der Landtagswahl kontrovers geführt.

Magdeburg (dpa/sa) - An den Sekundar- und Gemeinschaftsschulen in Sachsen-Anhalt steigen die Schülerzahlen, gleichzeitig fehlen besonders viele Lehrkräfte: Die Linke sieht eine Zuspitzung der Krise dieser Schulformen. "Das Missverhältnis zur deutlich besseren Lehrkräfteversorgung an den Gymnasien wird dabei nun noch durch das seit zwei Schuljahren eingeführte neue Verfahren zur ergänzten Schullaufbahnberatung weiter befeuert", so der bildungspolitische Sprecher der Linken-Landtagsfraktion, Thomas Lippmann.

Das Verfahren scheine dazu zu führen, dass von den Grundschulen tendenziell weniger Empfehlungen für das Gymnasium ausgesprochen würden und im Ergebnis auch weniger Kinder an die Gymnasien wechselten.

Laut der Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage Lippmanns wechselten im Schuljahr 2024/25 genau 41,9 Prozent der Viertklässler von der Grundschule auf ein Gymnasium, ein Jahr später waren es nur noch 40,2 Prozent. Eine Empfehlung für das Gymnasium hatten demnach im Schuljahr 2024/25 exakt 36,2 Prozent der Viertklässler erhalten, im Schuljahr 2025/26 waren es 35 Prozent.

Mehr Schüler müssen sich die wenigen Lehrkräfte teilen

"Sachsen-Anhalt hat schon seit Jahren bundesweit den geringsten Anteil an Schülerinnen und Schüler, die eine Hochschulzugangsberechtigung erwerben", so Bildungspolitiker Lippmann. Es sei kein Gewinn für das Land, wenn dieser Anteil systematisch weiter gedrückt werde. "Hinzu kommt, dass sich durch eine Verschiebung der Schülerströme weg von den Gymnasien dort die noch relativ gute Unterrichtsversorgung weiter verbessern wird, während sich an den Sekundar- und Gemeinschaftsschulen immer mehr Schülerinnen und Schüler die ohnehin schon viel zu wenigen Lehrkräfte teilen müssen."

An den Gymnasien lag die Unterrichtsversorgung laut Bildungsministerium zuletzt bei 98 Prozent, an den Sekundarschulen bei 87,0 Prozent. Die Unterrichtsversorgung gibt an, wie viel von dem laut Lehrplan vorgesehenen Pflichtunterricht abgedeckt werden kann.

Das planen CDU und SPD

CDU und SPD wollen das Schulsystem nach der Landtagswahl umbauen. Im Entwurf des SPD-Wahlprogramms heißt es: "Ziel ist eine Schulstruktur, die alle Schulabschlüsse überall und für alle zugänglich macht. Mittelfristig streben wir ein System mit zwei weiterführenden Schulformen an: Gymnasium und Gemeinschaftsschule."

Die CDU plant laut ihrem Regierungsprogramm-Entwurf eine neue Oberschule, die Sekundar- und Gemeinschaftsschule zusammenführen und profilieren soll. "Beide vergeben dieselben Abschlüsse der Sekundarstufe I", heißt es. "Wir werden die Vorteile von Sekundarschulen und Gemeinschaftsschulen berücksichtigen", heißt es unter der Überschrift "Das klügste Bildungssystem in Deutschland".

Bildungsminister Jan Riedel (CDU) sagte der "Mitteldeutschen Zeitung", der ursprüngliche Ansatz der Gemeinschaftsschule, starke Schüler in einer eigenen Oberstufe bis zum Abitur zu führen, habe sich nicht verwirklicht. "Deshalb wäre es sinnvoll, eine mittlere Schulform aus einem Guss anzubieten."

Aktuell gibt es knapp 50 Gemeinschaftsschulen, die Schülerinnen und Schülern das längere gemeinsame Lernen unabhängig vom angestrebten Schulabschluss ermöglichen sollen. Daneben gibt es aktuell rund 120 Sekundarschulen und fast 80 Gymnasien sowie 14 Gesamtschulen und knapp 100 Förderschulen.

Lippmann: "Es wird nur das Schild an der Eingangstür gewechselt"

Thomas Lippmann von den Linken sagte, mit der Verschmelzung von Sekundar- und Gemeinschaftsschulen zu einer neuen Oberschule ändere sich an der Realität in den Schulen nichts, es werde nur das Schild an der Eingangstür gewechselt. "Die CDU kommt hier ohne jegliches inhaltliches Konzept daher und verfolgt erkennbar allein das Ziel, die Gemeinschaftsschulen als vorsichtige Versuche für längeres gemeinsames Lernens aus der Schullandschaft zu eliminieren."

Die Linke strebt laut ihrem Wahlprogramm an, die Sekundarschulen auf freiwilliger Basis in erweiterte Gemeinschaftsschulen umzuwandeln. Diese Schulen könnten ab dem Ende der 7. Klasse einen berufspraktischen Unterricht durch geeignete Ausbildungseinrichtungen für ganze Schulklassen anbieten. Außerdem könnten sie in einer neu zu gestaltenden Fachoberstufe den Erwerb der Fachhochschulreife als weitere Hochschulzugangsberechtigung neben dem Abitur ermöglichen.

Quelle: dpa

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