Sachsen-AnhaltPolitikwissenschaftler: AfD mobilisiert stärker als andere

Der Politikwissenschaftler Benjamin Höhne sieht eine Normalisierung der AfD. Wie ist die Nachfrage nach rechtsextremen Positionen einzuordnen?
Magdeburg (dpa/sa) - Warum ist die AfD in Umfragen aktuell so erfolgreich? Aus Sicht des Politikwissenschaftlers Benjamin Höhne gelingt es der Rechtsaußenpartei im Moment besser als ihren Konkurrenten, die Wähler direkt auf der Straße anzusprechen. "Es fällt auf, dass die AfD stärker mobilisiert als die Mainstreamparteien – obwohl sie weniger Mitglieder hat als CDU oder SPD. Viele AfD-Mitglieder sind motiviert und engagiert", sagte Höhne der Deutschen Presse-Agentur.
Mit gemeinsamen Aktionen wie regelmäßigen Ständen auf der Straße werden aus Sicht des Politikwissenschaftlers Gefühle der Verbundenheit unter den Mitgliedern gefördert. "Das Ankämpfen gegen einen gemeinsamen Gegner schweißt zusammen."
Höhne verweist aber zugleich darauf, dass es in der Gesellschaft auch eine Gegenmobilisierung gibt. "Selbst in kleineren Orten oder vermeintlichen Rechtsaußenhochburgen wie in Halberstadt regt sich die Zivilgesellschaft sehr aktiv und zeigt, dass sie die Demokratie nicht aufgegeben hat. Polarisierung ist dort unmittelbar spürbar", so der Politikwissenschaftler, der an der TU Chemnitz lehrt.
Rechtsextremes Stigma verschwunden?
In Sachsen-Anhalt findet die Landtagswahl am 6. September statt. In Umfragen lag die AfD zuletzt deutlich vor der CDU. "Dass die öffentlichen Sympathien für die AfD steigen, hängt auch mit deren Normalisierung zusammen. Anders als damals bei NPD oder DVU ist das rechtsextreme Stigma in manchen Bevölkerungskreisen beinahe verschwunden", sagte Höhne.
Die Menschen, die die AfD wählten, würden mehrheitlich nicht mehr von simplem Protest geleitet, so Höhne. "Über Jahre hinweg wurde die Bevölkerung mit rechtspopulistischen und -extremen Narrativen ideologisiert – ein zunehmender Teil von ihr fragt nun bei Wahlen rechtsextreme Positionen nach. Die Menschen wissen sehr genau, was sie wählen. Es gibt keine Zweifel mehr, wo die AfD hinwill, sie will ein autoritäres System."