Sachsen-AnhaltHäufiger Widerstand gegen Polizeibeamte

Das Gewaltpotenzial steigt, als Autorität werden Polizisten längst nicht von jedem akzeptiert. Die Beamten haben es häufiger mit Widerstand zu tun. Wie lässt sich dem begegnen?
Magdeburg (dpa/sa) - Polizistinnen und Polizisten in Sachsen-Anhalt erleben häufiger Widerstandshandlungen. Im vergangenen Jahr wurde ein Anstieg um zehn Prozent erfasst. Nach 951 Widerstandshandlungen gegen Polizeivollzugsbedienstete im Jahr 2024 wurden in der Polizeilichen Kriminalstatistik nun 1.050 Fälle erfasst. 2.220 Polizeibeamtinnen und Beamte wurden demnach Opfer von Gewalt, 2024 waren es noch 1.957 gewesen. "Das ist ein Abbild des Alltags", sagte der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft in Sachsen-Anhalt, Olaf Sendel. Die Aggressivität habe zugenommen.
Eycke Körner, Co-Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, erklärte, Sachsen-Anhalt befinde sich im bundesweiten Trend. Die Faktoren seien vielfältig: In zwei Dritteln der Widerstandshandlungen stehe der Tatverdächtige unter Alkoholeinfluss. Die hohe Zahl von 61 Drogentoten im vergangenen Jahr zeige, dass Substanzmissbrauch zunehmend eine Rolle spiele, so Körner. Psychosoziale Krisen auch zusammen mit Drogen würden häufiger, sie erhöhten das Konfliktpotenzial massiv.
Zunehmende Skepsis gegenüber Autoritäten
Sowohl Sendel als auch Körner stellen eine zunehmende Skepsis gegenüber Autoritäten fest. "Das Vertrauen in staatliche Institutionen sinkt." In den sozialen Netzwerken verbreiteten sich ungefiltert polizeikritische Narrative.
Die Gewerkschaft der Polizei fordert, so schnell wie möglich flächendeckend Polizeibeamte mit Bodycams auszustatten, nachweislich trügen die Kameras zur Reduzierung von Gewalt bei. Co-Landeschef Körner setzt zudem auf spezialisierte Deeskalationstrainings für die Beamten, um besser mit Menschen in psychischen Ausnahmezuständen umgehen zu können.
Beide Gewerkschafter sehen aber auch die gesamte Gesellschaft gefordert: Man müsse darüber reden, wie man mit der staatlichen Autorität umgehe. Sendel betonte, Elternhäuser und Schule müssten Grundwerte vermitteln. "Demokratie muss man vorleben."