Sachsen-AnhaltSachsen-Anhalt treibt Hightech-Zukunft nach Intel-Aus voran

KI-Chips, Milliardenförderung und Jobs mit Anspruch: Was plant das Land Sachsen-Anhalt nach dem Intel-Aus und wie laufen die Planungen um Wasser, Strom und neue Investoren?
Magdeburg (dpa/sa) - Der Rückkauf der Magdeburger Flächen vom US-Chiphersteller Intel soll in den nächsten drei Monaten erfolgen. "Ich hoffe auch, dass wir das schaffen", sagte Sachsen-Anhalts Finanzminister Michael Richter (CDU) nach der Kabinettssitzung in Magdeburg. "Wir sind in guten Verhandlungen mit Intel." Das Unternehmen pokere nicht, betonte Richter, der auch für das Wirtschaftsressort zuständig ist.
Intel hatte seine Fabrikpläne in der Landeshauptstadt vor einigen Monaten endgültig aufgegeben. Das Land möchte die Industriefläche über die Hightech-Park GmbH (HTP) zurückkaufen. Die Stadt hat jedoch ein Vorkaufsrecht. Derzeit laufen Gespräche zwischen den drei Parteien. "Wichtig ist, dass die Stadt hier auf das Vorkaufsrecht verzichtet", sagte Richter.
Der HTP umfasst eine Gesamtfläche von etwa 1.100 Hektar. "Eine Fläche, die es in Deutschland in dieser Form nicht gibt", sagte Richter. Die Bundesländer seien kaum in der Lage, 100 Hektar anzubieten. Intel besitzt in Magdeburg ein etwa 400 Hektar großes Gelände. Für den Rückkauf ist ein dreistelliger Millionenbetrag nötig.
So will das Land den Hightech-Park in Zukunft entwickeln:
Branchen
Die Landesregierung setzt neben Ansiedlungen aus der Mikroelektronikbranche auch auf KI-gestützte Technologien sowie technologiebezogene Ansätze im Bereich Energie- und Umwelttechnik. Ziel ist eine breitere technologische Anschlussfähigkeit – so hat die Landesregierung die erweiterte strategische Ausrichtung des HTP beschlossen.
"Jetzt haben wir doch mal eine Chance, wirklich zu überlegen: Wen siedeln wir dort an?", sagte Staatssekretär Jürgen Ude. Man wolle hier keine billigen Arbeitsplätze haben, sondern Hochtechnologie-Arbeitsplätze. Man müsse nicht jeden nehmen, der hier anfrage, betonte Ude.
Wer siedelt sich an?
Derzeit wird über eine Ansiedlung von FMC verhandelt, die Chips für KI-Rechenzentren produzieren. FMC wurde 2016 gegründet und ist aus dem Umfeld der Technischen Universität Dresden entstanden. Hinter FMC stehen unter anderem die Unternehmen Bosch, Air Liquide, Merck und weitere internationale Investoren. Magdeburg wäre der erste Standort einer Chipfabrik von FMC in Deutschland.
Mit dem Bund und der EU laufen Gespräche zu möglichen Förderungen. Laut Richter geht es dabei um eine Summe in Höhe von 1,3 Milliarden Euro. Berlin könne sich die Förderung vorstellen, die Verhandlungen seien sehr weit, so der CDU-Politiker.
Ferner hielt sich Richter bedeckt. Es gebe Gespräche mit weiteren Interessenten, man sei aber noch gar nicht in die Anwerbung gegangen, weil man zunächst die Voraussetzungen schaffen müsse, so der Minister.
Versorgung mit Strom und Wasser
Laut dem Finanzminister könnten zwei bis drei Investitionsprojekte derzeit mit Wasser und Strom versorgt werden. In einem ersten Schritt soll nun das Wasserwerk in Colbitz (Landkreis Börde) ertüchtigt werden.
Zur langfristigen Sicherung der Wasserversorgung wird die Planung eines Elbwasserwerks vorangetrieben. Kostenpunkt: rund 180 Millionen Euro. Es werde jedoch acht bis zehn Jahre dauern, bis dieses genutzt werden könne, so Richter.
Weiterhin sollen die Energieinfrastruktur und die verfügbaren Netzkapazitäten ausgebaut werden, um Ansiedlungen zuverlässig versorgen zu können. Es müssten unter anderem Transformatoren erworben werden.
Fachkräfte
Vor dem Hintergrund bestehender Engpässe in technischen und digitalen Berufen sollen die Maßnahmen zur Fachkräftesicherung weiterentwickelt werden. Dazu zählen die Stärkung der dualen Ausbildung in technischen Berufen und die Weiterentwicklung von Studienangeboten.