SachsenDresdner Philharmonie in neuer Saison mit Motto "Paradiese"

Paradiesische Zeiten für die Dresdner Philharmonie? Das möchte das Orchester mit seiner Motto-Wahl für die neue Saison nicht ausdrücken.
Dresden (dpa/sn) - Die Dresdner Philharmonie möchte weiter ein Botschafter der Harmonie sein. Die neue Saison soll jedenfalls unter dem Motto "Paradiese" stehen. "Damit meinen wir nicht in erster Linie idealisierte Rückzugsorte, sondern kulturelle, gesellschaftliche und individuelle Entwürfe von Glück, Freiheit und Zugehörigkeit, ebenso wie deren Bedrohung oder Verlust", erklärte Intendantin Frauke Roth bei der Vorstellung des Programmes. Musik sei seit jeher ein Medium, in dem Vorstellungen als Utopie, als Erinnerung oder als kritischer Spiegel ihrer Zeit verhandelt würden.
Paradies als Sehnsuchtsort
"Die Vorstellung vom Paradies als Sehnsuchtsort, als verlorene Heimat oder als trügerisches Ideal hat Komponisten aller Epochen beschäftigt. Für mich liegt der Reiz dieses Saisonmottos darin, dass es keine einfachen Antworten gibt. Musik kann Paradiese entwerfen, sie hinterfragen oder auch zerstören", betonte Chefdirigent Sir Donald Runnicles. Mit dem Orchester und dem Publikum wolle er "Räume öffnen, in denen Musik nicht nur erklingt, sondern etwas auslöst – Momente, die man vielleicht als paradiesisch bezeichnen kann". Für ihn sei auch die Philharmonie selbst ein Paradies.
Beethoven-Jubiläum wird ausgiebig gefeiert
Einen besonderen Fokus soll das Motto im Rahmen von Festivals und Jubiläen bekommen. Natürlich soll Ludwig van Beethoven 200 Jahre nach seinem Tod besonders geehrt werden - unter anderem mit seinen fünf Klavierkonzerten, der "Chorfantasie" und einer konzertanten Aufführung seiner einzigen Oper "Fidelio" in der Urfassung, die zunächst "Leonore" hieß.
Saal der Philharmonie feiert 10. Geburtstag
Im April 2027 geht es um ein Jubiläum in eigener Sache. Dann feiert der neue Saal der Philharmonie im Kulturpalast seinen 10. Geburtstag. Die Philharmonie will dann auch Gastgeber der 36. Jahreskonferenz der International Artist Managers' Association, ein lebendiger Treffpunkt der internationalen Klassikszene mit etwa 800 Gästen, sein. Die Philharmonischen Chöre wurden 1967 durch den damaligen Chefdirigenten Kurt Masur begründet und feiern 2027 ihr 60-jähriges Bestehen.
Renommierte Künstler verleihen dem Programm Glanz
Bereits zur Saisoneröffnung bleibt man mit Ottorino Respighis "Pini die Roma" und der "Carmina Burana" von Carl Orff unter der Leitung von Chefdirigent Sir Donald Runnicles nah am Motto der Saison. Renommierte Künstler verleihen dem Programm Glanz. Dazu gehören unter anderen die Geigerinnen Patricia Kopatchinskaja und Julia Fischer, ihr Kollege Christian Tetzlaff, das Duo Katia und Marielle Labèque (Klavier) sowie die Pianisten Emanuel Ax, Fazıl Say, Daniil Trifonov, Rudolf Buchbinder und Hayato Sumino. Mit Thomas Hampson und Christian Gerhaher sind zudem namhafte Sänger eingeladen.
Mehrere Künstler sind Ehrengäste
Am Pult der Philharmonie stehen etwa ihr früherer Chefdirigent Michael Sanderling, Dima Slobodeniouk, Vasily Petrenko, Ádám Fischer, Cristian Măcelaru und Stéphane Denève. Als "Artist in Residence" ist der Pianist Kirill Gerstein in der neuen Spielzeit ein Ehrengast. Sir James MacMillan agiert als "Composer in Residence", die Norwegerin Tabita Berglund als Erste Gastdirigentin. Die lettische Organistin Iveta Apkalna ist als "Palastorganistin" zu erleben. Ein Spotlight richtet sich auf Georgien. Dafür konnte die Geigerin Lisa Batiashvili als Kuratorin und Künstlerin gewonnen werden.
"Nicht zuletzt steht das Motto auch für den Wunsch nach Schönheit in unserer Stadt, im Umgang miteinander in einer Welt der Umbrüche, für den Mut zum Neuen und die Hoffnung, dass Musik uns – wenigstens für einen Moment – ein Stück Paradies erfahren lässt", betonte die Intendantin. Die aktuellen Zeiten seien nicht immer paradiesisch, würden aber Raum für Entwicklungen bieten. In puncto Besucherentwicklung war das 2025 bereits spürbar. Erstmals erreichte die Dresdner Philharmonie mehr als 200.000 Besucher in einem Jahr.