SachsenEndspurt bei Lehrstellensuche - Wo bieten sich gute Chancen?

Zum Beginn der Sommerferien haben viele Schulabgänger noch keinen Lehrvertrag in der Tasche. Wo sie Hilfe bekommen und welche Berufe jetzt noch gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz bieten.
Chemnitz (dpa/sn) - Das Abschlusszeugnis in der Tasche, suchen Tausende Jugendliche in Sachsen noch eine Lehrstelle. Aktuell seien fast 7.600 gemeldete Bewerber ohne Ausbildungsplatz, teilte die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Dem stünden rund 7.200 offene Stellen gegenüber.
"Betriebe sind gut beraten, wenn sie allen Bewerbern eine gleiche Chance geben - selbst wenn auf den ersten Blick vielleicht noch nicht alle Anforderungen erfüllt sind", sagte der Chef der Regionaldirektion, Klaus-Peter Hansen. "Viele junge Menschen überzeugen erst persönlich."
Unternehmen zurückhaltender in der Ausbildung
Angesichts wirtschaftlicher Schwierigkeiten sind viele Unternehmen den Angaben zufolge nicht nur bei Neueinstellungen zurückhaltender als in früheren Jahren, sondern auch in der Ausbildung. So ist die Zahl der gemeldeten Lehrstellen seit einigen Jahren rückläufig. Vor drei Jahren waren es zu diesem Zeitpunkt noch knapp 20.600, im aktuellen Berichtsjahr bisher nur etwas mehr als 17.100. Auch die Zahl der Bewerber, die sich bei den Arbeitsagenturen melden, ist zurückgegangen - wenn auch weniger stark.
"Der sächsische Ausbildungsmarkt ist trotz der schwierigen wirtschaftlichen Situation erfreulich robust und nahezu ausgeglichen", erläuterte Hansen und ermuntert junge Menschen ohne Lehrvertrag, aktiv zu werden. "Es gibt noch viele freie Lehrstellen, und die Berufsberatung unterstützt auch kurzfristig jeden, der Hilfe braucht." Bis zum Ausbildungsstart im August und September bleibe noch etwas Zeit. "Unser Ziel ist klar: Niemand soll leer ausgehen."
Rund 200 Berufsberater helfen bei der Suche
In den 13 sächsischen Jugendberufsagenturen stehen den Angaben nach rund 200 Berufsberater jungen Menschen zur Seite. Sie kennen den Arbeitsmarkt der jeweiligen Region, aktuelle Trends und Berufsbilder. Sie böten auch Hilfe bei der Suche nach Alternativen, wenn es mit dem Wunschberuf nicht klappt und gäben Tipps für die Bewerbung. Jeder Jugendliche, der noch auf der Suche sei, solle sich bei seinem Berufsberater melden und sich helfen lassen, so der Rat der Regionaldirektion.
Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz sind regional unterschiedlich und damit auch die Konkurrenz unter den Schulabgängern. Die Landkreise Nordsachsen, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Bautzen und die Stadt Chemnitz seien Regionen mit besonders vielen Bewerbern pro Stelle. Besser sei die Situation in Dresden sowie den Landkreisen Meißen, Vogtland und Zwickau, heißt es bei der Regionaldirektion: "Hier stehen den Jugendlichen rechnerisch mehr Ausbildungsangebote zur Verfügung."
Das sind die "Chancenberufe"
Die Hitliste der Wunschberufe bei jungen Bewerbern in Sachsen wird angeführt von Verkäufer sowie Kfz-Mechatroniker für Pkw-Technik. Wer kurzfristig noch eine Lehrstelle braucht, hat den Angaben zufolge beispielsweise als Werkzeug- oder Zerspanungsmechaniker sowie als Einzelhandelskaufmann gute Chancen. Hier stünden jeweils einer Vielzahl an freien Stellen vergleichsweise wenige Interessenten gegenüber. Bei der Regionaldirektion ist von "Chancenberufen" die Rede. Die Experten empfehlen, Alternativen zum Wunschberuf zu entwickeln, falls es bisher nicht mit einem Lehrvertrag geklappt hat.
Zugleich wird an Unternehmen appelliert, in der Ausbildung nicht nachzulassen. "Ausbildung ist die Hauptquelle für Fachkräfte", betonte Hansen. "Gerade angesichts des demografischen Wandels - weil in den kommenden Jahren viele Babyboomer in Rente gehen - sollten es sich Betriebe nicht leisten, auf Ausbildung zu verzichten." Wer heute ausbilde, entwickle die Fachkräfte, die er in den nächsten Jahren brauche.