SachsenBerlins Digitalisierungs-Staatssekretär bittet um Entlassung

Abruptes Ende nach nur gut zwei Monaten im Amt: Warum Berlins Digitalstaatssekretär, der aus Dresden geholt worden war, so schnell aufgibt.
Berlin/Dresden (dpa/sn) - Berlins Staatssekretär für Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung, Matthias Hundt, tritt nach nur gut zwei Monaten im Amt zurück. Er war erst Mitte März aus Dresden an die Spree gewechselt. Hundt teilte mit, er habe den Regierenden Bürgermeister darum gebeten, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden. Eine Senatssprecherin sagte, Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) werde der Bitte entsprechen.
"Ich habe mein Amt angetreten, um in Berlin etwas zu verändern. Die aktuelle Medienkampagne lässt mir hierzu keine Chance", hieß es in der Erklärung Hundts. Er sprach von einer unerträglichen Belastung für sich und seine Familie. "Ich bedaure sehr, dass es so gekommen ist, und wünsche meinem Nachfolger oder meiner Nachfolgerin viel Erfolg bei den anstehenden Aufgaben."
Ermittlungen im Zusammenhang mit Firmeninsolvenz
Zuvor war durch Recherchen von MDR und RBB bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft Dresden im Kontext der Insolvenz einer Firma Hundts ermittelt. Laut Staatsanwaltschaft Dresden wurde am 25. November 2025 ein Insolvenzverfahren über das Vermögen von Hundts Beratungsunternehmen SDC Sachsen Digital Consulting GmbH eröffnet.
Nach Angaben eines Sprechers leitete die Behörde in diesem Zusammenhang ein Ermittlungsverfahren wegen verschiedener Insolvenzstraftaten ein. "Weitere Auskünfte können derzeit im Hinblick auf die laufenden Ermittlungen nicht erteilt werden", erklärte er auf dpa-Anfrage. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Ein Anwalt Hundts erklärte zu dem Vorgang auf dpa-Anfrage: "Mein Mandant hat sich mit allen wesentlichen Beteiligten, die von der Insolvenz betroffen sind, geeinigt. Weshalb und gegen wen die Staatsanwaltschaft ermittelt, erfahren wir leider nicht. Mein Mandant hat sich jedenfalls nichts zuschulden kommen lassen."
Erst Mitte März in Berlin gestartet
Der gebürtige Dresdner Hundt, Jahrgang 1969, war Mitte März zum Chief Digital Officer und Staatssekretär für Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung in der Berliner Senatskanzlei ernannt worden. Er folgte auf Martina Klement, die als Wirtschaftsministerin in die Brandenburger Landesregierung wechselte.
"Matthias Hundt wird die Digitalisierung der Berliner Verwaltung voranbringen und dabei einen Fokus auf EGovernment, aber auch auf die IT-Sicherheit und Schutz der kritischen Infrastruktur legen", hatte Wegner anlässlich seiner Ernennung erklärt. Neben der im Wesentlichen abgeschlossenen Verwaltungsreform, die als großer Wurf Wegners wie auch Klements gilt, gehörten die Digitalisierung von Verwaltungsdienstleistungen wie auch die E-Akte zu Hundts Aufgabengebiet.
Personalie wirft kein gutes Licht auf Wegner
Dass ein Staatssekretär nach nur gut zwei Monaten im Amt zurücktritt, kommt sehr selten vor. Die Personalie wirft kein gutes Licht auf die Personalpolitik des Regierenden Bürgermeisters in Berlin, der Hundt ausgesucht und ernannt hatte.
Berlins SPD-Landeschef Steffen Krach warf Wegner vor, er sei mit seinem Amt überfordert. "Die Auswahl und der Abgang von Herrn Hundt ist ein weiterer Tiefpunkt und er trifft ausgerechnet das einzige Vorhaben, das sich Kai Wegner selbst auf die Fahnen geschrieben hat", sagte der Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl im September.
Wegner steht im Wahljahr ohnehin unter Druck. Sein Krisenmanagement nach dem großen Stromausfall infolge eines Brandanschlags im Januar sorgte für viel Kritik - nicht zuletzt, weil er ein Tennismatch am ersten Tag zunächst verschwieg. Details seiner Abläufe an jenem 3. Januar sind bis heute unklar.