SachsenEuropafest in Dresden: Steinmeier kommt, Macron nicht

Die Stadt Dresden will am Dienstag mit einem Fest Europa feiern. Frankreichs Präsident Macron hat wegen der in seinem Land herrschenden Unruhen den Besuch abgesagt. Ein anderer Gast kommt dagegen mit Sicherheit.
Dresden/Berlin (dpa/sn) - Die Stadt Dresden feiert am Dienstag gemeinsam mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit einem Fest Europa - trotz der Absage des französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Wie das Bundespräsidialamt am Sonntag mitteilte, will Steinmeier auf dem Europafest ein Grußwort sprechen. Macron hatte seinen Besuch in Deutschland und damit auch seine Teilnahme an dem Fest in der Dresdner Innenstadt wegen der in Frankreich seit Tagen herrschenden Unruhen zunächst abgesagt.
"Auch wenn der geplante Staatsbesuch verschoben wird, werden wir am kommenden Dienstag in Sachsens Landeshauptstadt Europa feiern", erklärte Ministerpräsident Michael Kretschmer kurz nach Bekanntwerden der Verschiebung des Besuchs von Macron am Samstagnachmittag. Mit der "Fête de l'Europe" auf dem Dresdner Neumarkt soll den Veranstaltern zufolge vor allem eine Brücke nach Osteuropa geschlagen werden.
Auf zwei Bühnen ist den Angaben zufolge zwischen 15 und 19 Uhr ein abwechslungsreiches Programm geplant. Unter anderem werden die Sängerinnen Lea ("Leiser") und Leony ("Remedy") erwartet. Organisiert wird das Fest vom Freistaat und der Cellex-Stiftung. Die Veranstalter erwarten eigenen Angaben zufolge bis zu 15 000 Gäste - vor allem Schülerinnen und Schüler, Studierende, Auszubildende und junge Berufstätige.
Präsident Macron und dessen Frau Brigitte wollten unter anderem nach Dresden kommen, um die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich zu stärken. In einem Telefonat mit dem Bundespräsident hatte Macron den Besuch am Samstagnachmittag abgesagt. Der Besuch solle jedoch bald baldmöglichst nachgeholt werden, erklärte das Bundespräsidialamt.
Sachsens Ministerpräsident Kretschmer zeigte Verständnis für die Entscheidung Macrons: "Dass der Staatsbesuch des französischen Präsidenten Macron verschoben wird, ist bedauerlich und zugleich verständlich." Die Entscheidung sei richtig und nachvollziehbar, "der innere und soziale Frieden in Frankreich hat Priorität", erklärte der CDU-Politiker.
Der Staatsbesuch war zwischen Berlin und Paris seit Monaten akribisch vorbereitet worden: Geplant war zunächst ein Empfang der Macrons durch Steinmeier und seine Ehefrau Elke Büdenbender vor dem Residenzschloss in Ludwigsburg (Baden-Württemberg) mit militärischen Ehren. Ein Besuch in Berlin stand ebenfalls auf dem Programm. Per Sonderzug sollte es dann weiter nach Dresden gehen. Als Höhepunkt war eine Grundsatzrede zu den deutsch-französischen Beziehungen vor der Frauenkirche geplant. Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) wollte Macron eine kleine Stadtführung bieten.
Es wäre der erste Staatsbesuch eines französischen Präsidenten in Deutschland seit 23 Jahren gewesen. Grund für die Entscheidung ist die momentane Situation im Nachbarland Deutschlands. Dort herrschen seit mehreren Tagen heftige Unruhen. Auslöser dafür war der Tod eines 17-Jährigen bei einer Polizeikontrolle am vergangenen Dienstag. Eine Motorradstreife in Nanterre bei Paris hatte den 17-jährigen Nahel am Morgen am Steuer eines Autos gestoppt. Als der junge Mann plötzlich anfuhr, fiel ein tödlicher Schuss aus der Dienstwaffe des Polizisten.