ThüringenDiese Hoffnung hat die jüdische Landesgemeinde für den Krieg

Mit den Angriffen auf den Iran verknüpfen sich für Juden in Thüringen zusätzliche Ängste. Doch der Vorsitzende der jüdischen Landesgemeinde hat auch Hoffnung auf länger währenden Frieden.
Erfurt (dpa/th) - Der Krieg im Nahen Osten bietet nach Einschätzung des Vorsitzenden der jüdischen Landesgemeinde in Thüringen, Reinhard Schramm, auch eine Chance: Er verbinde mit diesem Konflikt die Hoffnung, dass es nach Jahrzehnten der Bedrohung des jüdischen Volkes durch den Iran nun zu einem Ende des dortigen Mullah-Regimes kommen werde, sagte Schramm der Deutschen Presse-Agentur. "Das System ist bereits stark geschwächt und das hilft dem iranischen Volk, seinen Widerstand zu erhöhen und dieses System letzten Endes zu beseitigen."
Gefahr für Israel
Sollten sich die Menschen im Iran dann entschließen, sich in Richtung eines demokratischen Staates zu orientieren, dann könnte das im besten Fall zu echter Sicherheit für Israel und zu einem langanhaltenden Frieden in der Region führen.
Er könne deshalb nicht verstehen, dass unter anderem in Europa die negativen Seiten dieses Krieges übermäßig stark betont würden, wenngleich alle Opfer der anhaltenden Bombardierungen zu betrauern seien, sagte Schramm. Es habe die reale Gefahr bestanden, dass der Iran in Zukunft in der Lage gewesen wäre, Israel entweder mit Hilfe von Atomwaffen oder durch den Einsatz anderer moderner Kriegstechnik auszulöschen, so wie die iranischen Machthaber das in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder angedroht hatten.
Angst vor Anschlägen gewachsen
Von der Bundesregierung forderte Schramm vor diesem Hintergrund eine noch stärkere Unterstützung Israels und auch der USA, sagte Schramm. Zwar erkenne er an, dass sowohl Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) als auch Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) sich bereits verhältnismäßig klar auf Seiten Israels und der USA gestellt hätten. Weil die Europäer aber in den vergangenen Jahren deutlich zu wenig getan hätten, um das iranische Atomprogramm zu stoppen, müssten sie noch deutlicher sagen, dass sie die Militärschläge unterstützten. "Ich denke, man sollte mit schlechtem Gewissen jetzt mehr tun", sagte Schramm. Das gelte insbesondere für Deutschland, weil mit den Militärschlägen auch die Sicherheit tausender jüdischer Familien verteidigt werde, die deutsche Wurzeln hätten.
Für die Juden in Thüringen und Deutschland birgt der neuerliche Krieg im Nahen Osten nach Einschätzung Schramms aber auch weitere Risiken. "Natürlich haben die Juden das Gefühl, dass die Gefahr wächst", sagte Schramm. Es sei zu befürchten, dass der Iran mit Anschlägen in Deutschland auf den Krieg reagiere. "Diese Gefahr spüren wir." Es sei deshalb richtig, dass auch in Thüringen der Schutz jüdischer Einrichtungen durch die Polizei verstärkt worden sei.