ThüringenGedenkstele für KZ-Überlebenden Schramm enthüllt

Als Jugendlicher brachten ihn die Nazis nach Buchenwald, als einen von wenigen schwarzen Gefangenen. Jetzt ehrt ihn seine Geburtsstadt mit einer Stele. Vorausgegangen war eine Kontroverse.
Erfurt (dpa/th) - Mit einer Gedenkstele erinnert Erfurt nun an den Buchenwald-Überlebenden Gert Schramm (1928-2016). Die Stele sei ein Zeichen, dass man gegen Rassismus und Faschismus vorgehen sollte, sagte Schramms Sohn, Bernd Schramm. Er war für die Einweihung am zehnten Todestag seines Vaters nach Erfurt gekommen. Schramm bedankte sich für die Bemühungen um das Erinnern an seinen Vater und erklärte, er wolle diese als Anlass nehmen zum Gedenken an alle Ermordeten und Überlebenden des Nazi-Terrors. "Es sollte auch eine Warnung sein, dass es sowas nie wieder gibt", betonte er.
Von Lehrer ausgegrenzt, von Gestapo verschleppt
Gert Schramms Vater war ein amerikanischer Ingenieur aus Kalifornien, der für den Bau einer Eisenbahnbrücke nach Erfurt gekommen war. Dort lernte er Schramms Mutter kennen. Die ersten Lebensjahre nach seiner Geburt verbrachte Schramm auch in Erfurt.
1943 nahm die Gestapo Schramm der rassistischen NS-Politik wegen an seinem Arbeitsplatz in Bad Langensalza fest. In der Schule war er zuvor bereits durch einen Lehrer – einem "150-prozentigen Nazi" wie Schramm rückblickend selbst schrieb – diskriminiert worden. Nach Monaten im Polizeigefängnis wurde Schramm in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Dort war er einer von nur wenigen schwarzen Gefangenen.
Vater nie kennengelernt
Schramms Vater, den dieser nie kennengelernt hatte, war zwischenzeitlich im Krieg zurück nach Erfurt gekommen, in der Absicht, Schramms Mutter zu heiraten. Doch die Nazis deportierten ihn nach Auschwitz, wo er umgebracht wurde. "Ihm wurde die Chance genommen, seinem Vater noch einmal zu begegnen", fasste Annegret Schüle die besondere Tragik der Biografie an der Stelle zusammen. Schüle ist Leiterin des für die Stelen-Gestaltung verantwortlichen Erinnerungsorts Topf & Söhne.
Nach der Befreiung Buchenwalds am 11. April 1945 ging Schramm zunächst zurück nach Langensalza. Danach folgten Stationen in West- und Ostdeutschland. Im vergriffenen Buch "Wer hat Angst vorm schwarzen Mann. Mein Leben in Deutschland" hielt er seine Geschichte fest.
Als Zeitzeuge berichtete er etwa in Schulen von seinem Schicksal. Zuletzt lebte er in Eberswalde in Brandenburg. Für sein Engagement gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.
Name nun auch mit Diskussionen um Kolonialgeschichte verknüpft
Vor einigen Jahren rückte Schramm wieder deutlicher ins Bewusstsein, als in Erfurt Aktivisten der Initiativen Decolonize Erfurt und Schwarze Menschen in Deutschland forderten, die Straße Nettelbeckufer in Gert-Schramm-Ufer umzubenennen.
Joachim Nettelbeck als Profiteur des Kolonialismus sollte nicht länger mit dem Straßennamen geehrt werden, so die Forderung der Gruppen. Nettelbeck (1738 bis 1824) war Obersteuermann auf Versklavungsschiffen und gilt als Verfechter rassistischer-imperialistischer Ideologien.
Letztlich benannte die Stadt das Nettelbeckufer nicht um, sondern gab 2023 einem Abschnitt der benachbarten Karlstraße den Namen Gert-Schramm-Straße. Informationen rund um den Streit sind nun online beim Erinnerungsort Topf & Söhne zu finden: https://www.topfundsoehne.de/ts153178.
Sohn: "Schön, wenn Geburtsstraße seinen Namen tragen würde"
Bezogen auf seinen Vater und auf Nachfrage von Journalisten sagte Bernd Schramm mit Blick auf die Diskussion: "Es wäre schön, wenn die Straße, in der er geboren wurde, seinen Namen tragen würde."
Die Benennung von Straßen und Plätzen nach umstrittenen Personen wird nicht nur in Erfurt diskutiert. Im vergangenen Jahr wurde der Nettelbeckplatz in Berlin-Mitte in Martha-Ndumbe-Platz umbenannt. Ndumbes Mutter war Hamburgerin, ihr Vater stammte aus Kamerun. In der NS-Diktatur wurde Ndumbe ins Frauen-KZ Ravensbrück deportiert, wo sie im Februar 1945 starb.