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Thüringen Immer mehr Flüchtlinge finden in der Leiharbeit einen Job

Ein Mann aus Somalia, der zuvor als Schweißer ausgebildet wurde, arbeitet an einem Stahlsegment. Foto: Patrick Pleul/Archiv

(Foto: Patrick Pleul/ZB/dpa)

Nach jahrelang steigenden Beschäftigtenzahlen in der Leiharbeit ist erstmals eine Trendwende erkennbar. Aber auch die Herkunft der Beschäftigten ändert sich. Die Landesarbeitsagentur hat Erklärungen.

Erfurt (dpa/th) - Es ist das zumindest vorläufige Ende eines Trends: Im vergangenen Jahr waren in Thüringen weniger Menschen in der Leiharbeit beschäftigt als zuvor. Nach Angaben der Agentur für Arbeit arbeiteten Mitte 2018 etwa 34 600 Thüringer als Leiharbeiter. Ein Jahr zuvor waren es noch fast 35 400 Menschen. Damit ging die Zahl der Leiharbeiter im Freistaat binnen eines Jahres um etwa zwei Prozent zurück.

Der Chef der Landesarbeitsagentur, Kay Senius, machte die für Beschäftigte zunehmend bessere Lage auf dem Arbeitsmarkt für diese Entwicklung verantwortlich. "Einer der Gründe für den Rückgang der Leiharbeiter in Thüringen ist die Tatsache, dass Arbeitskräfte im Land knapper werden", sagte Senius der Deutschen Presse-Agentur. "Das bedeutet bessere Chancen für Leiharbeiter auf eine Festanstellung."

Auf der anderen Seite sei bei den Unternehmen der Anreiz größer, Menschen direkt bei sich anzustellen, weil sie hofften, damit Arbeitskräfte an ihr Unternehmen binden zu können. Zudem hätten wahrscheinlich auch neue gesetzliche Vorgaben für die Leiharbeit dazu geführt, dass Leiharbeiter vermehrt vom den Entleihfirmen übernommen worden seien oder einen Job außerhalb der Zeitarbeit gefunden hätten, sagte Senius.

Der Rückgang markiert eine Trendwende in Thüringen. Zwischen den Jahren 2013 und 2017 war die Zahl der Zeitarbeiter von rund 31 000 kontinuierlich auf mehr als 35 000 Menschen gestiegen.

Besonders deutlich fiel der Rückgang der Zahl der Leiharbeiter von 2017 zu 2018 bei Menschen aus, die ausschließlich als geringfügig Beschäftigte gearbeitet hatten. Waren vor zwei Jahren noch etwa 1200 Menschen auf dieser Basis in der Zeitarbeit tätig, waren es 2018 nur noch etwas mehr als 1000 Männer und Frauen. Das entspreche einem Rückgang von mehr als 13 Prozent, hieß es.

Allerdings gibt es den Daten nach Veränderungen bei den einzelnen Beschäftigungsgruppen in der Leiharbeit. Denn während Deutsche zuletzt seltener als Leiharbeiter arbeiteten, waren immer mehr Menschen aus Asylherkunftsländern wie Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Somalia oder Syrien auf diese Art beschäftigt. Ihre Zahl stieg von etwas mehr als 700 im Jahr 2017 auf fast 1800 im Jahr 2018.

"Zeitarbeitsunternehmen greifen mittlerweile zur Deckung des Bedarfs stärker auf ausländische Mitarbeiter zurück, weil es schwieriger geworden ist, deutsches Personal zu finden", sagte Senius. Eine Beschäftigung in Zeitarbeit könne für Ausländer und insbesondere auch geflüchtete Menschen eine erste Brücke in den Arbeitsmarkt sein.

In Thüringen sind besonders im Verkehrs- und Logistikgewerbe, aber auch im Metallbau viele Menschen als Leiharbeiter beschäftigt.

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