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ThüringenLehrer räumt Missbrauchsvorwürfe weitgehend ein

15.01.2026, 12:45 Uhr
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Der Angeklagte gesteht Missbrauch von Schülerinnen, schweigt aber zu Vergewaltigungsvorwürfen. Deutliche Worte fand der Vorsitzende Richter.

Erfurt (dpa/th) - Im Missbrauchsprozess gegen einen weiteren Lehrer einer Erfurter Schule hat der 58-Jährige die Vorwürfe weitgehend eingeräumt. Er gestand am Landgericht, sich in Dutzenden Fällen – unter anderem bei sich zu Hause oder in seinem auf Feldwegen geparkten Auto – an Schülerinnen vergangen zu haben.

Keine Worte zu Vergewaltigungsvorwürfen

In einer von seinem Anwalt verlesenen Erklärung hieß es weiter, dass dem Angeklagten klar geworden sei, dass er strafrechtliche Schuld auf sich geladen habe. Zu den ihm ebenfalls vorgeworfenen zwei Fällen von Vergewaltigung gab der 58-Jährige keine Erklärung ab. Zur Aufklärung dieser Vorwürfe wird möglicherweise bei einem nächsten Verhandlungstermin die Betroffene gehört.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Musik- und Religionslehrer vor, drei Schülerinnen missbraucht zu haben. Angeklagt sind Taten im Zeitraum von März 2013 bis April 2025. Alle drei Opfer treten in dem Prozess als Nebenklägerinnen auf. Sie sollen bei Beginn der Taten 15 beziehungsweise 16 Jahre alt gewesen sein. Der Andrang bei der Verhandlung war so groß, dass nicht alle Zuhörer Platz im Gerichtssaal fanden – auch ehemalige Schülerinnen waren darunter.

"Charakterlich völlig ungeeignet als Lehrer"

Wie zum Prozessauftakt richtete der Vorsitzende Richter auch diesmal deutliche Worte an den Angeklagten, der seit 1988 Lehrer ist: "Mit solchen Aktionen zeigen Sie, dass Sie charakterlich eigentlich völlig ungeeignet sind als Lehrer", sagte Richter Holger Pröbstel. Als Erwachsener und Lehrer hätte der Angeklagte eindeutige Grenzen ziehen und diese einhalten müssen. "Der Lehrer gehört in die Schule und nicht ins Privatleben", so der Richter.

Der 58-Jährige sagte bei seiner Befragung durch das Gericht, es sei nie darum gegangen, dass die Schülerinnen im Gegenzug bessere Noten bekamen oder Soli bei Auftritten des Chors, den er viele Jahre leitete. Auch sei es ihm gerade im Fall einer Schülerin nicht nur um sexuelle Handlungen gegangen. So sei er mit ihr campen gewesen, habe mit ihr Filme geschaut, Karten gespielt.

"Alter außer Achtgelassen"

Er habe das Alter außer Acht gelassen, sagte der Angeklagte, als ihn Pröbstel auf das jugendliche Alter der Schülerinnen ansprach. Das Abhängigkeitsverhältnis, in dem die Schülerinnen damals zu ihm als Lehrer und Chorleiter standen, sei ihm damals zwar in einigen Fällen klar gewesen.

"Aber erst im Rahmen des Verfahrens wurde mir der Machtmissbrauch richtig deutlich", sagte der Angeklagte. Im Nachhinein sei ihm klar geworden, dass die Schülerinnen vieles ihm zuliebe getan hätten, und dass sie "emotional nicht in der Lage" gewesen seien, die Handlungen einzuschätzen.

Bereits zweiter Lehrer der Schule vor Gericht

Ende Oktober 2025 hatte das Erfurter Landgericht einen anderen Lehrer des Gymnasiums wegen des jahrelangen sexuellen Missbrauchs einer Schülerin zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Der jetzige Angeklagte war Vertrauenslehrer an derselben Schule, hieß es. In der Verhandlung sagte der Angeklagte am Donnerstag, er sei kein Vertrauenslehrer gewesen.

Der Schulleiter räumte nach dem Missbrauchsskandal zum 1. Dezember seinen Posten. Die Umtriebe des Angeklagten – selbst Vater zweier Töchter – seien in der Schule ein offenes Geheimnis gewesen, sagte der Vorsitzende Richter.

Quelle: dpa

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