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Thüringen Letzter Gottesdienst in Aubachtaler Kirche gefeiert

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Fast jedes noch so kleine Dorf in Thüringen hat eine eigene Kirche. Angesichts sinkender Mitgliederzahlen ist nur manche kleine Kirchengemeinde mit dem Erhalt ihres Gotteshauses überfordert. Meistens bleibt dann nur ein Ausweg - und wehmütiger Abschied.

Greiz/Erfurt (dpa/th) - Nach vielen Jahren, in denen die Bänke leer und die Türen geschlossen blieben, ist am Sonntag in der Kirche von Aubachtal (Kreis Greiz) ein letztes Mal ein Gottesdienst gefeiert worden. Etwa 200 Menschen seien gekommen, sagte Pfarrer Christian Colditz. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) schließt das sanierungsbedürftige Gotteshaus in dem Ortsteil der Stadt Greiz und will es verkaufen. Für den Abschiedsgottesdienst waren auch Kinder ehemaliger Pfarrer angereist. Als symbolischer Schlusspunkt wurden Gegenstände wie die Taufschale, Leuchter und die bisher genutzte Bibel aus dem Haus getragen.

Dass die EKM eine Kirche aufgibt - offiziell: entwidmet - ist ein eher seltenes Ereignis. Seit 1990 ist das bei elf Kirchen der EKM, deren Kerngebiet Thüringen und Sachsen-Anhalt ist, eingetreten. Auf ihrem Territorium stehen knapp 3900 eigene Kirchen, davon 1887 in Thüringen.

"Ob sich die Landeskirche von weiteren Kirchen trennen muss, bleibt abzuwarten", sagte die Leiterin des Baureferats im Landeskirchenamt, Elke Bergt. Der Verkauf einer Kirche sei aber immer der letzte Schritt. Die Gotteshäuser sollten zudem zunehmend mehrfach genutzt werden, etwa gemeinsam mit Vereinen und Kommunen.

Die Sanierung ihrer Kirchen überfordere viele schrumpfende Gemeinden, hieß es vonseiten der EKM. Schon lange würden manche Gebäude nicht mehr regelmäßig für Gottesdienste genutzt. "Für einige Kirchen, deren Erhalt gefährdet war, konnten bereits kreative Nutzungserweiterungen gefunden wurden." Als Beispiele gelten die Kulturkirche Weißensee, die Bienen-Garten-Kirche in Roldisleben (beide Kreis Sömmerda) und die Herbergskirche in Neustadt am Rennsteig (Ilm-Kreis).

Die Aubachtaler Kirche war 1897 mit 900 angedachten Sitzplätzen gebaut worden, wie Pfarrer Colditz sagte. Bereits zum hundertjährigen Jubiläum habe man sich dann Gedanken über die Zukunft gemacht. "Weil da schon absehbar war, dass die Gemeinde immer älter und kleiner wird." Zunächst wurde das Pfarrhaus verkauft, die Kirche jedoch erhalten. Ende 2019 bekam Colditz dann die Entwidmungsurkunde, doch coronabedingt wurde der Abschiedsgottesdienst - wie so vieles - verschoben.

Seit dem Jahr 2000 sind auch im Bistum Erfurt 14 Kirchen und Kapellen aufgegeben worden. Eine wurde in ein Kunstmagazin für das Bistum Erfurt umgewandelt, elf wurden verkauft, darunter die Kirche in Roßleben (Kyffhäuserkreis). Sie ist jetzt eine Pension. In Rastenberg (Kreis Sömmerda) nutzt die Stadt die frühere Kirche St. Josef als Kulturzentrum. Auch für die sanierungsbedürftige Kirche in Aubachtal soll sich nun ein Käufer finden - hier ist ebenfalls eine kulturelle Nutzung erwünscht.

Was auch immer aus der nun nicht mehr im sakralen Dienst stehenden Kirche wird: Der Altar, den die Künstlerin Elly-Viola Nahnmacher stiftete, könnte weiter im Dienste Gottes stehen. "Da fragen ganz viele Leute. Und wir wollen gerne, dass der in Greiz bleibt", sagte Pfarrer Colditz. Eventuell werde er an die katholische Gemeinde gegeben.

© dpa-infocom, dpa:210619-99-62371/3

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