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ThüringenMutmaßliches Mafia-Mitglied wegen Kokain-Handels angeklagt

09.03.2026, 16:31 Uhr
Im-Prozess-am-Landgericht-Erfurt-geht-es-um-Vorwuerfe-des-Drogenhandels-in-nicht-geringer-Menge-und-mutmassliche-Beziehungen-zur-Mafia
(Foto: Jacob Schröter/dpa)

Ein Mann soll mit Kokain gehandelt und von einem Mitangeklagten zeitweise unterstützt worden sein. In dem Prozess geht es auch um eine weitreichende Frage: Steht dort ein Mafia-Mitglied vor Gericht?

Erfurt (dpa/th) - Er soll Mitglied einer der gefährlichsten kriminellen Organisationen der Welt sein und von Thüringen aus Drogengeschäfte im großen Stil gelenkt haben: Wegen dieser Vorwürfe muss sich ein 31-jähriger Italiener vor dem Landgericht Erfurt verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt ihm unter anderem bandenmäßiges Handeltreiben mit Betäubungsmittel in nicht geringer Menge in Tateinheit mit einer Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung im Ausland zur Last. Konkret soll er Teil der kalabrischen Mafia 'Ndrangheta sein.

Mitangeklagt ist ein 57 Jahre alter italienischer Staatsangehöriger. Auch ihm wirft die Staatsanwaltschaft vor, gemeinschaftlich unerlaubt mit Drogen in nicht geringer Menge gehandelt zu haben. Er soll mit dem Jüngeren zeitweise zusammengearbeitet haben.

Ein Angeklagter will sich äußern

Die Angeklagten machten zunächst keine Angabe zu den Vorwürfen. Die Verteidigung des Älteren kündigte an, dass der Mann sich voraussichtlich am nächsten Verhandlungstag zur Sache äußern werde. Es sei bislang nicht klar, ob sich sein Mandant einlassen werde, erklärte einer der beiden Verteidiger des jüngeren Angeklagten.

Konkret geht es laut der zum Beginn der Hauptverhandlung verlesenen Anklage vor allem um Kokain-Geschäfte im Zeitraum von Mitte 2022 bis Februar 2025. Der Hauptangeklagte habe demnach etwa von der "Familien-Zentrale" der 'Ndrangheta in Erfurt aus den Umschlag der Drogen organisiert, in Arnstadt habe es einer Art Lager in einer Garage gegeben, heißt es in der Anklage. Demnach ging es um mehr als 40 Kilogramm Kokain. In der Regel soll der 31 Jahre alte Angeklagte je nach finanzieller Situation der Abnehmer mindestens 22.000 Euro verlangt haben.

Einflussreiche Mafia-Organisation

Der Internationalen Kriminalpolizeiliche Organisation Interpol zufolge handelt es sich bei der 'Ndrangheta um eine der einflussreichsten und mächtigsten Mafia-Gruppierungen der Welt. Ihre Wurzeln liegen in der süditalienischen Region Kalabrien, inzwischen soll sie in mehr als 80 Ländern tätig sein. Die Gruppierung stelle eine Gefahr für die internationale Sicherheit dar, auch weil es ihr gelungen sei, Wirtschaft und Politik in Italien zu infiltrieren. Auch Geldwäschegeschäfte werden mit ihr in Zusammenhang gebracht.

Da die 'Ndrangheta laut Bundeskriminalamt (BKA) direkten Kontakt zu Kokainproduzenten in Südamerika unterhält, nimmt sie eine dominante Stellung auf dem europäischen Kokainmarkt ein. Allein mit dem Kokain-Handel soll die gesamte 'Ndrangheta laut Anklage mehrere Milliarden Euro Umsatz jährlich erzielen.

Dem BKA zufolge sind der kriminellen Organisation seit den 1970er Jahren feste Bezüge in Deutschland nachzuweisen. Vor allem in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg waren zuletzt Bezüge öffentlich geworden.

Der Prozess wird am 24. März fortgesetzt.

Quelle: dpa

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