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ThüringenNach Kahla Insolvenz - Gespräche mit Interessenten beginnen

15.05.2026, 04:02 Uhr
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Die Porzellanmanufaktur Kahla kämpft - mal wieder - um ihre Zukunft. Gespräche mit dem Land Thüringen und neuen Interessenten sollen zur Rettung des Traditionsbetriebs führen.

Kahla (dpa/th) - Für den Erhalt der insolventen Porzellanmanufaktur in Kahla soll auch das Land mit ins Boot geholt werden. Nach Auskunft des vorläufigen Insolvenzverwalters Rolf Rombach laufen derzeit Gespräche mit dem Wirtschaftsministerium über eine mögliche Beteiligung des Freistaates an dem traditionsreichen Unternehmen. "Kahla ist der König der Porzellanhersteller in Thüringen und das muss erhalten bleiben", sagte Rombach der Deutschen Presse-Agentur. Zudem kündigte der Anwalt ab der nächsten Woche Gespräche mit Interessenten an dem Unternehmen an.

Das Wirtschaftsministerium bestätigte die laufenden Gespräche, verwies aber auch auf EU-beihilferechtliche Restriktionen bei der Förderung angeschlagener Unternehmen. Ein Sprecher sagte, zwingende Voraussetzung für jede mögliche Unterstützung sei es, dass zunächst ein tragfähiges Konzept und finanzstarke Investoren gefunden würden. Das Land sei selbstverständlich bereit, zukunftsträchtige Folgelösungen zu unterstützen – in welcher Form, könne allerdings erst anhand der konkreten Umstände besprochen werden.

Die Porzellanmanufaktur Kahla/Thüringen GmbH hatte nach 2020 in diesem März wegen drohender Zahlungsunfähigkeit einen erneuten Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Das Unternehmen hatte dies mit einer schwachen Auftragslage, Kaufzurückhaltung im Gastronomiebereich und hohen Energiekosten begründet.

Öfen jetzt im Etappenbetrieb

Laut Rombach läuft die Produktion mit den 120 Mitarbeitern derzeit sehr stabil. "Die Auftragslage ist gut, aber noch nicht ausreichend, um die Verluste, die in den vergangenen Jahren entstanden sind, zu decken." Die Liquiditätslage sei derzeit ausreichend. Um die hohen Energiekosten zu senken, liefen die Öfen jetzt nicht mehr permanent durch, sondern in Etappen und nur noch, wenn sie voll bestückt seien. Zudem wurde der Vertrieb mit einem neuen Mitarbeiter verstärkt, der das Unternehmen und dessen Kunden bereits kenne.

Ob das reichen werde, sei schwierig vorherzusagen. "Deshalb haben wir uns auch an das Land Thüringen gewandt", sagte Rombach. Kahla hatte zuletzt - trotz der weltweit bekannten Marke - einen stagnierenden Jahresumsatz von sieben bis acht Millionen Euro ausgewiesen. Die Produktionsabläufe stimmten, aber der Vertrieb müsse verstärkt werden, so Rombach.

Tradition und Existenzkampf

In Kahla südlich von Jena wird seit mehr als 170 Jahren industriell Porzellan hergestellt. Zu DDR-Zeiten war die Stadt Sitz des VEB Feinkeramik, zu dem 17 Betriebe mit rund 18.000 Beschäftigten gehörten. Die Privatisierung nach der Wiedervereinigung endete erst in der Pleite, dann kam es 1994 zur Neugründung der Kahla/Thüringen Porzellan GmbH.

Diese meldete 2020 nach einem geplatzten Großauftrag Insolvenz an und wurde dann vom bisher letzten Geschäftsführer Daniel Jeschonowski übernommen. Vor der Insolvenz vor sechs Jahren hatte noch etwa 250 Menschen in der Manufaktur gearbeitet - die Belegschaft hat sich seither also mehr als halbiert.

Quelle: dpa

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