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ThüringenUnis Jena und Ilmenau verteidigen Grenze für Studiendauer

10.01.2026, 05:01 Uhr
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Das Studium soll in Ilmenau und Jena künftig pünktlich enden. Das benachteilige diejenigen mit gesundheitlichen Problemen oder Nebenjobs, sagen Studierende. Die Unis verweisen auf Härtefallregeln.

Ilmenau/Jena (dpa/th) - Die Friedrich-Schiller-Universität (FSU) Jena und die Technische Universität Ilmenau verteidigen die umstrittene Einführung einer Höchststudiendauer für alle Studierenden. Es sei eine mehr als zweijährige hochschulöffentliche Diskussion vorausgegangen, die Höchststudiendauer sei einstimmig angenommen worden - auch Studierendenvertreter und -vertreterinnen seien stimmberechtigt gewesen, sagte die Vizepräsidentin für Studium und Lehre an der TU Ilmenau, Anja Geigenmüller, der Deutschen Presse-Agentur.

Ähnlich äußert sich die Friedrich-Schiller-Universität: Die Kritik richte sich gegen eine einzelne Regelung. Insgesamt schaffe die neue Rahmenprüfungsordnung der Hochschule aber mehr Freiheiten und Flexibilität während des Studiums, so Pressesprecherin Katharina Bär. Bereits bisher hätten vergleichbare Regelungen für verschiedene Studiengänge existiert - etwa durch Ausschlussfristen während des Studiums. Die nun vorgesehene Rahmenprüfungsordnung schaffe eine transparente Regelung, die Gleichbehandlung gewährleiste. Die vorgesehene Regelung entspreche zudem dem ausdrücklichen Wunsch Studierendenvertretungen nach Vereinfachung und Gleichbehandlung. Voraussichtlich im Februar soll sie im Senat beschlossen werden.

FSU plant Höchstdauer bereits ab kommendem Winter

Die Friedrich-Schiller-Universität Jena will die maximale Studiendauer für alle rund 16.000 Studierenden voraussichtlich ab dem kommenden Wintersemester 2026/27 begrenzen. Sechssemestrige Bachelorstudiengänge müssen die Betroffenen an Thüringens größter Hochschule dann spätestens nach zehn Semestern abgeschlossen haben - viersemestrige Masterstudiengänge nach sieben Semestern. An der TU Ilmenau tritt eine ähnliche Regelung ab dem Wintersemester 2029/30 in Kraft. Dort dürfen Studierende künftig doppelt so lange brauchen, wie es die Regelstudienzeit vorsieht.

Studierende hatten die Regelungen scharf kritisiert: Die Regelung treffe insbesondere diejenigen, die etwa nebenbei arbeiten müssten, die sich ehrenamtlich in Vereinen am Campus engagierten oder Studierende, die wegen gesundheitlicher Probleme länger brauchten, so Maria Kley, Sprecherin der Linksjugendhochschulgruppe Ilmenau. Beide Hochschulen sehen soziale, gesundheitliche und finanzielle Härtefallregelungen vor. Diese seien aber Einzelfallentscheidungen, würden die Betroffenen zu Bittstellern machen und ohnehin schon belasteten Personen bürokratischen Mehraufwand aufbürden, argumentierte die vom Studierendenrat der FSU herausgegebene Hochschulzeitung "Akrützel".

TU Ilmenau: Gesellschaft hat Anspruch auf Absolventen in Arbeit

Zunächst wird es in Jena keine Härtefallentscheidungen zur Studiendauer brauchen. Der Semesterzähler werde bei Einführung der Maximalstudiendauer für alle zu diesem Zeitpunkt eingeschriebenen Studierenden "auf Null" gesetzt, so Sprecherin Bär. In Ilmenau sind nach Auskunft der Hochschule Stand jetzt 325 Studierende betroffen. Für sie gelte eine Übergangsfrist von dreieinhalb Jahren. Bis dahin müssen sie ihr Studium beendet haben, so die Hochschule. "Die Gesellschaft hat einen Anspruch darauf, dass Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen in den Arbeitsmarkt kommen", so die Ilmenauer Vizepräsidentin Geigenmüller.

Die FSU begründet die Notwendigkeit der Regel neben der Planbarkeit für Ressourcen und Personal auch mit dem Abschneiden in Rankings. Der Anteil der Studierenden, die in Regelstudienzeit abschließen, sei ein Qualitätsindikator. "Er fließt in Rankings, Zielvereinbarungen, Leistungsberichte und bei der Studienwahl ein", so Sprecherin Katharina Bär "Eine Universität, deren Studierende regelmäßig stark überziehen, steht schnell unter dem Eindruck, dass Studiengänge überfrachtet, unübersichtlich oder schlecht organisiert sind."

Quelle: dpa

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