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ThüringenVater: "Ich hatte nicht das Gefühl, dass das so schlimm ist"

26.05.2026, 12:07 Uhr
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Im Prozess um die Vernachlässigung ihres schwerbehinderten erwachsenen Sohns stellen sich die Eltern als Alleingelassene dar. Der Vater will das Ausmaß der Zustände erst durch Fotos verstanden haben.

Erfurt (dpa/th) - Weil sie ihren schwerbehinderten erwachsenen Sohn derart vernachlässigt haben soll, dass es für ihn lebensgefährlich wurde, sind am Landgericht Erfurt die Eltern des jungen Mannes angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen versuchten Totschlag durch Unterlassen vor. So sollen sie es etwa unterlassen haben, ihm ausreichend Essen und Trinken zu geben oder ihn zu waschen.

Den laut Zeugen schlechten Gesundheitszustand seines Sohnes habe er nicht wahrgenommen, sagte der Vater bei der Befragung vor Gericht. "Für mich sah er eigentlich immer normal aus, so wie ich ihn kannte. Ich hatte nicht das Gefühl, dass das so schlimm ist", so der 44-Jährige. Zeugen hingegen hätten sich schockiert vom Zustand des damals Anfang 20-jährigen Sohns gezeigt, hielt der Vorsitzende Richter dem Angeklagten vor.

Eltern sahen sich alleingelassen

Der Mann, der damals Anfang 2023 als Busfahrer im Schichtbetrieb arbeitete, gab an, nur noch an die Arbeit gedacht zu haben und sich kaum noch um die Familie und Haushalt gekümmert zu haben. Gleichwohl habe er gewusst, dass auch seine von ihm inzwischen getrennt lebende Ehefrau wegen gesundheitlicher Probleme nicht in der Lage gewesen sei, sich angemessen um den 2001 geborenen Sohn zu kümmern.

Bei einem vorherigen Verhandlungstermin hatte die Verteidigerin der 44-jährigen Mutter einer Erklärung ihrer Mandantin verlesen: Darin hatte die Frau ebenso auf ihren eigenen damaligen schlechten Gesundheitszustand verwiesen. Wie ihr Noch-Ehemann erklärte sie, sich etwa von Behörden alleingelassen gefühlt zu haben. Allerdings machte der Vater widersprüchliche Angaben zu Hilfsangeboten etwa seitens der Förderschule, die der Sohn lange besucht hatte.

Vermüllte Wohnung, unhygienische Zustände

Als im März 2023 dann unter anderem ein Schulpädagoge und eine Mitarbeiterin des Gesundheitsamts nach abgelehnten Kontaktversuchen in die Wohnung der Familie nach Weimar kamen, habe sich laut Anklage den Fachleuten ein erschütterndes Bild gezeigt.

Denn auch die Wohnung der Familie soll Zeugen und Beweisfotos nach stark vernachlässigt worden sein: So stapelten sich etwa in der Küche die Müllberge. Das Zimmer und das Bett des auf Windeln angewiesenen Sohns waren demnach in einem erschreckenden Zustand. Und auch der junge Mann selbst sei in einem verwahrlosten, abgemagerten und körperlich desolaten Zustand gewesen. Ein Notarzt wurde dazugeholt und der junge Mann ins Krankenhaus gebracht.

Sohn starb etwa ein Jahr später

Wie schrecklich etwa die Zustände im Zimmer des Sohns gewesen waren, will er selbst erst anhand der gemachten Beweisaufnahmen im Nachhinein realisiert haben, so der Vater. Sein Sohn starb Anfang 2024 infolge einer Lungenentzündung. Zurück zur Familie wurde er nicht mehr zurückgebracht.

Die Verhandlung soll am 16. Juni fortgeführt werden.

Quelle: dpa

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