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Auslauf statt Käfig Besuch im Bärenwald Müritz

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Viel Spaß beim Baden: Ben und Felix gehören zu den zehn Braunbären, die im Bärenwald Müritz ein neues Zuhause erhalten haben.

Was ein echter Bärenhunger ist, hängt von der Jahreszeit ab: Im Sommer entspricht er 12 Kilo, im Herbst eher 17. Etwa so viel verputzen die Tiere pro Tag im Bärenwald Müritz. In der warmen Jahreszeit gibt es für jeden täglich jeweils zwei Kilogramm Brot, Äpfel und Melonen, dazu je ein Kilo Tomaten, Gurken und Karotten. Eine Nebenrolle spielen Fleisch, Fisch und Eier: Gefüttert werden 1,5 Kilogramm pro Tag und Schnauze. All das erfahren Bärenwald-Besucher gleich zu Beginn, wenn sie in dem Tierschutzprojekt südlich des Plauer Sees zum Rundgang aufbrechen.

Den Bärenwald im Süden Mecklenburg-Vorpommerns gibt es seit 2006, getragen wird er von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten. Zehn Braunbären teilen sich das fünf Hektar große Gelände - und erleben damit eine Weite, die sie vor ihrem Umzug auf das Gelände nahe des Dorfes Stuer nicht kannten. Denn die Tiere lebten zuvor in Käfigen in kleinen Tierparks und zum Teil auch in Privathaltung. Die 24 Jahre alte Katja zum Beispiel ist eine ehemalige Zirkusbärin. Über das Schicksal der einzelnen Tiere informieren Schautafeln und Filme, die unter anderem im Inneren eines alten Zirkuswagens gezeigt werden.

Zaun verhindert Direktkontakt

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Den Bären in Stuer steht ein 5,5 Hektar großes Gehege zur Verfügung, in dem sie sich frei bewegen und umhertollen können.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Besucher müssen keine Angst haben, "Meister Petz" plötzlich ohne Schutz gegenüber zu stehen: Ein Zaun verhindert den direkten Kontakt. Auf der anderen Seite haben die Bären ihre Rückzugsräume, denn nicht das komplette hügelige Waldgelände ist vom Fußweg aus einsehbar. Wer eine Runde dreht, bekommt deshalb nicht unbedingt alle zehn Bären zu sehen. Wer aber Glück hat und sich ein wenig Zeit zum Beobachten nimmt, kann erleben, wie zum Beispiel Mascha ein ausgiebiges Bad in einem Tümpel nimmt, sich kräftig trockenschüttelt und weiterzieht.

Im Vergleich zu den etwa 30.000 Hektar, die ein Bärenrevier in freier Wildbahn umfasst, haben auch die Tiere in Stuer nicht viel Platz. Aber es ist deutlich mehr im Vergleich zu der Welt aus Beton und Gitterstäben, die sie zum Teil vorher als Alltag erlebt haben. Und die Projektmitarbeiter freuen sich, dass vergessen geglaubte Instinkte wieder wach werden: "In diesem Jahr haben zum ersten Mal alle zehn Bären eine Winterruhe gehalten", erzählt Betriebsleiterin Winnie Rösner. "Einige haben sogar eine richtige Höhle gegraben."

54.000 Besucher im Jahr 2009

Touristen-Hochsaison ist im Sommer - im Jahr 2009 kamen rund 54.000 Besucher in den Bärenwald. Dort schildert Vier Pfoten auch das Schicksal von Bären in anderen Ländern Europas, zum Beispiel in Rumänien. Dort gibt es noch etwa 5000 freilebende Bären, unter anderem in den Karpaten. Werden dort verwaiste Bärenbabys gefunden, landen sie oft im Zirkus, in Zoos oder bei Privatpersonen. Dieses Schicksal zu verhindern versucht eine "Bärenwaisenstation" von Vier Pfoten, die es seit 2004 in Rumänien gibt. Sie nimmt junge Bären auf und bereitet sie auf die Auswilderung vor.

Das geht bei Bären wie Lothar, Mascha, Ben und Katja nicht mehr - für ein Leben ganz in Freiheit wären sie heute nicht mehr gewappnet. Stattdessen bekommen sie in Zukunft aber neue Gefährten zum Spielen und Herumstreunen. Denn die Bärenwald-Fläche soll um acht Hektar erweitert und damit mehr als verdoppelt werden. Die Rodungsarbeiten sind schon gelaufen, einen Eröffnungstermin gibt es aber noch nicht. Ziel sei es, 14 weiteren Bären ein neues Zuhause zu geben, sagt Winnie Rösner. Bedarf sei mehr als genug vorhanden: "Es gibt noch etwa 60 Braunbären, die in Deutschland nicht artgerecht gehalten werden."

Quelle: n-tv.de, dpa

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