Reise

Das erste große Werk der Moderne Fagus-Fabrik ausgezeichnet

2yo94005.jpg1792158742790967108.jpg

(Foto: dpa)

Das von Walter Gropius entworfene Fagus-Werk erhält den Titel UNESCO-Weltkulturerbe. In Alfeld südlich von Hannover schuf der später weltberühmte Architekt und Bauhaus-Gründer das Urmodell für eine neue Art zu bauen.

In seiner schlichten Schönheit beeindruckt das Fagus-Werk noch heute die Besucher, die es auf den Spuren von Walter Gropius (1883-1969) nach Alfeld verschlägt: Klare Linien, gläserne Fassaden, eine lichtdurchflutete Produktionshalle. Nicht in New York oder Paris, sondern in der niedersächsischen Provinz entstand vor 100 Jahren der Schlüsselbau der Moderne. Hier wurden die Weichen für eine neue Art zu bauen, eine neue Art zu leben gestellt.

2yob0046.jpg3997214891597826532.jpg

Das Fagus-Werk nach der Grundsteinlegung 1911 und heute.

(Foto: dpa)

Der Schuhleisten-Fabrikant Carl Benscheidt hatte 1911 den Mut, einem unbekannten 28-jährigen Architekten seinen allerersten Auftrag zu geben. "Gropius hat mit dem Fagus-Werk eine architektonische Revolution eingeleitet", betont Karl Schünemann, Leiter der Fagus-Gropius-Ausstellung auf dem Werksgelände.

Humanes Arbeitsumfeld

1911 waren Fabrikhallen dunkel, öde und fensterlos. Der junge Gropius - heute als Mitbegründer der modernen Architektur weltweit verehrt - wollte ein humanes Gebäude schaffen. Die gläsernen Vorhangfassaden ließen das Tageslicht in die Halle der Akkordarbeiter hinein. Noch heute werden in Alfeld Schuhleisten produziert, die Mehrheit der 360 Mitarbeiter sind aber im Maschinenbau sowie in der Mess- und Brandschutztechnik beschäftigt. "Wir sind ein lebendiges Denkmal", sagt Firmeninhaber Ernst Greten mit Stolz. Er ist der Urenkel des Werksgründers Benscheidt, die Familie steckt viel Engagement in den Erhalt des Denkmals.

1309038726.jpg4899979829112059263.jpg

Hier wurden Schuhleisten produziert.

(Foto: dapd)

Bisher kommen jährlich rund 12.000 Touristen ins Werk, für einen größeren Besucheransturm nach der Verleihung des Welterbetitels sieht man sich bestens gerüstet. So soll im ehemaligen Spänehaus - heute eine Tischlerei - ein internationales UNESCO-Besucherzentrum entstehen. Auch ein Fagus-Gropius-Café existiert bereits.

Im Bauhaus-Archiv in Berlin läuft noch bis zum 29. August eine Ausstellung mit Fotoserien zum Fagus-Werk des neusachlichen Fotografen Albert Renger-Patzsch. Die Direktorin Annemarie Jaeggi ist ein Fan der Fabrik in Alfeld: "Mit den Glasfassaden hebt Gropius das bisherige statische Prinzip auf. Er traut sich was." Seine gläsernen Eckkonstruktionen finden sich Jaeggi zufolge heute "an jedem Wolkenkratzer in der Welt" wieder. Seinen Durchbruch schaffte Gropius Mitte der 1920er Jahre mit den Plänen für das Bauhaus Dessau, das bereits seit 1996 Weltkulturerbe der UNESCO ist.

"Paläste der Arbeit"

2yny3827.jpg8433210163207272124.jpg

Gropius wollte der Arbeit einen neuen Rahmen geben.

(Foto: dpa)

In der Produktionshalle - dem Herzstück des Fagus-Werks - ist heute auch ein Ausbildungszentrum untergebracht. 100 Jahre danach soll auch der Nachwuchs von Gropius' bahnbrechenden Ideen profitieren. "Der Arbeit müssen Paläste errichtet werden", forderte Gropius in einer Rede. Damit war aber keinesfalls der verschnörkelte Baustil gemeint, der Anfang des 20. Jahrhunderts noch en vogue war, wie Jaeggi erläutert. Vielmehr ging es ihm um humane Arbeitsbedingungen im Zuge der Industrialisierung.

"Die Fabrik galt als die Bauaufgabe der Zukunft", berichtet die Leiterin des Bauhaus-Archivs. Gropius löste sie so gut, dass Menschen immer noch gern in dem lichtdurchfluteten Gebäude arbeiten. "Das Bauwerk steht für den Beginn einer neuen Architekturepoche. Es ist noch heute Symbol von Innovationskraft und Zukunftsdenken", sagt Niedersachsens Kulturministerin Johanna Wanka (CDU).

Quelle: n-tv.de, Christina Sticht, dpa

Mehr zum Thema