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Tore und Türen erzählen Geschichten Pforten-Prunk im Alten Land

Beeindruckende Prunkpforten und reich verzierte Brauttüren sind Touristenmagnete im Alten Land. Die teilweise Jahrhunderte alten Baudenkmäler haben eine große Symbolik und sind Zeichen des Wohlstandes der damaligen Bauern.

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Eine im Jahre 1844 erbaute Prunkpforte ziert die Einfahrt zu einem Altländer Bauernhof am Elbedeich in Guderhandviertel.

(Foto: dpa)

Noch Jahrhunderte später erzählen die stattlichen weißen Prunkpforten und bunt verzierten Brauttüren der Höfe im Alten Land die Geschichte ihrer früheren Bewohner. Sinn- und Segenssprüche auf Latein, Tiersymbole oder Namensmedaillons geben Einblicke in den Reichtum der damaligen Bauern, ihre Frömmigkeit oder die Hochzeit mit der Liebsten. Sie gehören zu den insgesamt 400 Baudenkmälern, die jährlich tausende Touristen in das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Nordeuropas zwischen Stade und Hamburg ziehen.

Zu schmal für Lkw

Thea Schliecker ist eine der Gästeführerinnen, die die Urlauber durch ihre Heimat und über die herrschaftlichen alten Höfe führt - natürlich in ihrer schweren, prächtigen Festtracht. Die Altländerin kennt alle Prunkpforten im Alten Land. "14 gibt es noch, einige wenige davon sind Nachbauten", sagt die 65-Jährige. Denn zahlreiche dieser Architektur-Schätze seien einst zerstört worden. "Nach dem Zweiten Weltkrieg sind viele Pforten verschwunden, weil kein Lastwagen durch die Toreinfahrt passte." Inzwischen stehen die noch verblieben historischen Bauten längst unter Denkmalschutz.

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In einer typischen Tracht aus dem Alten Land steht die Gästeführerin Thea Schliecker vor einer 1683 erbauten Prunkpforte eines Altländer Bauernhofes in Nincop.

(Foto: dpa)

Eine der Prunkpforten steht in Jork (Kreis Stade) und gehört zu einem Hof, der seit Jahrhunderten in Besitz der Familie Rieper ist. Um 1900 ließ ein Vorfahre den mehrere Meter hohen, weißen Torbogen bauen. Die Besonderheit: Die Pforte hat neben einer rundbogigen großen Kutschendurchfahrt gleich zwei Personeneingänge. In großen Buchstaben prangt über der Einfahrt: "Nihil melius nihil homini libero dignius quam agricultura." ("Nichts ist besser, nichts ist dem freien Menschen würdiger als die Landwirtschaft.")

Die ersten Prunkpforten im Alten Land wurden bereits Ende des 17. Jahrhunderts in Neuenfelde gebaut, das heute zu Hamburg gehört. "Die Marschbewohner hatten es mit dem fruchtbaren Boden an der Elbe zu Wohlstand gebracht. Die Prunkpforten waren Statussymbole", erklärt Schliecker. Auf Plattdeutsch wird das Kunstwerk schlicht "Puurt" genannt.

Ein besonders schönes Exemplar ist in Neuenfelde die 1883 von Otto Palm - wie es das Medaillon über dem Fußgängereingang verrät - errichtete Pforte. Eine Traube als Fruchtbarkeitssymbol hängt zwischen zwei Tierfratzen, die als Torwächter ihre Zähne zeigen.

Brauttüren nur von innen zu öffnen

Charakteristisch für die Altländer Häuser sind auch die sogenannten Brauttüren, die ein- oder zweiflügelig sind. Schliecker weist in Neuenfelde auf eine hölzerne Brauttür aus dem Jahr 1779, die der damalige Besitzer Hinrich Behr mit vielen Ornamenten gestalten ließ. Vögel und Engel finden sich darauf als typische Motive. Die überwiegend in grünen Tönen gehaltenen, verzierten Brauttüren ließen sich nur von innen öffnen und führten in die Kofferkammer, die Schatzkammer der Familie. Heute seien viele dieser schönen Türen zu Haustüren umfunktioniert worden, berichtet die Gästeführerin, während sie ein solches Beispiel in Guderhandviertel (Kreis Stade) zeigt.

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Zwei Löwenköpfe und eine Beerenfrucht dominieren den Torbogen der 1683 vor einem Altländer Bauernhof erbauten Prunkpforte in Nincop.

(Foto: dpa)

"Einst wurden die Brauttüren nur zu Hochzeiten geöffnet", erklärt sie. Dann führte der Bräutigam seine Frau und die Mitgift in das neue Zuhause. Auch in Notfällen, wenn etwa ein Feuer ausbrach, durfte man seine Wertsachen auf diesem Wege aus dem Haus retten. Es gab aber noch einen weiteren Anlass, für den diese besonderen Türen offen standen: "Durch sie wurden auch die Toten in ihren Särgen hinausgetragen", sagt Schliecker. "Die Gestorbenen haben so symbolisch Abschied genommen von den irdischen Schätzen."

Quelle: n-tv.de, Stephanie Lettgen, dpa

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