Kamera mit 300-Grad-AbdeckungBaseus Security X1 Pro: Sicherheitskamera im Praxistest

Die Baseus X1 Pro will die weltweit erste Dual-Tracking-Sicherheitskamera mit smarten KI-Features sein, wirbt mit 3K-Auflösung, 300-Grad-Abdeckung und angeblich keinen versteckten Kosten. ntv.de macht den Praxistest und verrät, wie gut das Gerät wirklich ist.
Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft ist die Zahl der Wohnungseinbrüche im Langzeittrend rückläufig: 2009 gab es 120.000 Einbrüche, danach stieg die Zahl auf bis zu 180.000 an (2015). Die niedrigste Ziffer verzeichnete das Pandemiejahr 2021 (70.000), seitdem stiegen die Zahlen moderat an – auf zuletzt 90.000 im Jahr 2024. Dennoch treibt die Angst vor einem Einbruch viele Menschen um: Laut Bundeskriminalamt gab 2020 "ungefähr jede vierte Person (27,1 Prozent) an, beunruhigt zu sein" selbst Opfer eines Wohnungseinbruchs zu werden.
An dieser Stelle kommen private Sicherheitskameras ins Spiel: Vielen Menschen gibt eine solche Kamera ein besseres Gefühl – auch weil sich dank Smartphone-App von überall aus mal eben schnell checken lässt, ob daheim alles in Ordnung ist. Hersteller Baseus hat diesen Trend erkannt und veröffentlicht unter dem Label Baseus Security diverse Sicherheitskameras für private Nutzer. Das neue Modell X1 Pro will die "weltweit erste intelligente KI-Dual-Tracking-Sicherheitskamera" sein und dank 300-Grad-Winkel besonders große Bereiche abdecken. Wir haben das Modell zum Praxistest gebeten und verraten, wie gut die Kamera ist.
Baseus Security X1 Pro im Test: Infos & Zusammenfassung
Aufbau: Dual-Kamera, motorisiert
Auflösung: pro Kamera 3K (1.440p WQHD)
Sichtfeld: bis 300 Grad horizontal
Bewegungserkennung & Licht: PIR-Sensor, 100 Lumen
Audio: Lautsprecher und Mikrofon
Speicher und Konnektivität: microSD bis 512 GB, WLAN 2,4 GHz
Outdoor-Schutzklasse: IP65
Stromversorgung: 3-Watt-Solarpanel, USB-C-Eingang
Smart Integration: Alexa und Google Home
Hinweis: Die Preise sind volatil und die Händler passen bisweilen auch die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) an. Sollten sich die Preise von den hier angegebenen unterscheiden, haben die Händler sie nach Veröffentlichung des Artikels geändert.
Kurz-Fazit für alle, die es eilig haben:
Die Baseus Security X1 Pro bietet viel Leistung zu einem überschaubaren Preis. Das meiste Lob gibt es für die sehr gute App und die vielen Einstellungsmöglichkeiten, auch die Stromversorgung per separat montierbarem Solarpanel ist praktisch. Die KI-gestützte Gesichtserkennung und das Personen-Tracking funktionieren, das sehr breite 300-Grad-Sichtfeld kommt besonders an Hausecken voll zur Geltung. Die Halterung lässt sich vielfältig einstellen, dürfte allerdings etwas stabiler sein. Das Kamera-Bild bei Tag überzeugt mit Schärfe und Details, in der Nacht ermöglicht das LED-Licht ausreichend Helligkeit im Nahbereich; praktisch ist auch die eingebaute Gegensprechanlage. Während des Testens war die WLAN-Verbindung jederzeit stabil und liefert ein Live-Bild mit nur geringer Verzögerung, allerdings unterstützt die Baseus X1 Pro nur das 2,4-GHz-Band. Die Einrichtung gelingt dank der Anleitung zügig und problemlos. Die vielen vorbildlichen Einstellungen und Sicherheitsoptionen erschließen sich bei der Nutzung der App Schritt für Schritt.
Lieferumfang und Aufbau der Baseus X1 Pro
Neben der fast würfelförmigen Kameraeinheit mit den beiden Kameras und dem zentral positionierten Sensor stecken im Karton eine Halterung (die rasch zusammengesteckt ist), das Solarmodul, eine kleine Anleitung sowie das Montagematerial. Laut Amazon-Beschreibung – wo die X1 Pro derzeit für nur 149,99 Euro zu haben ist – liegt keine microSD-Karte bei, im offiziellen Baseus-Shop hingegen schon. Allerdings rechtfertigt die dort mitgelieferte 32-GB-microSD sicher keinen Aufpreis von 30 Euro. Die UVP liegt laut Hersteller übrigens bei 279 Euro. Baseus wirbt auf der Packung mit "Keine versteckten Kosten" und meint damit, dass die Kamera keine (kostenpflichtige) Cloud-Anbindung hat, stattdessen werden die aufgenommenen Clips auf einer microSD gespeichert, die hinten im Gerät sitzt; bis zu 512 GB Größe werden unterstützt.
Die verschiedenen Bauteile von Halterung und Kamera sind mit wenigen Handgriffen zusammengesteckt – stark sind die verschiedenen Ausrichtungen, die aufgrund mehrerer Kipp- und Drehgelenke möglich sind. Allerdings wirkt die Kunststoff-Halterung nicht besonders stabil. Im Test gab es bei der Anbringung aber keine Probleme, dank der mitgelieferten Schrauben und Dübel waren Kamera und Solarmodul in unter 30 Minuten montiert. Apropos Solarmodul: Das kleine Panel mit drei Watt Leistung kann direkt an derselben Halterung über der Kamera angebracht werden, falls dort ausreichend Licht hingelangt. Alternativ ist es möglich, das Panel an einer exponierteren Stelle zu befestigen – dank vier Meter langem Kabel.
Stromversorgung, Akku und Bildqualität
Baseus hat einen 7.800-mAh-Akku verbaut und verspricht auch ohne Solarmodul-Aufladung Energie für bis zu 150 Tage. Das hängt natürlich stark vom Aufstellort ab – denn wenn viele Bewegungen erkannt werden, reduziert sich diese Zahl erheblich. Das ist aber völlig normal bei akkubetriebenen Kameras. Im Praxistest hat die Baseus X1 Pro während einer Betriebswoche ohne Solaraufladung rund 30 Prozent ihres Akkus verbraucht – allerdings an einer stark befahrenen Straße, viel Herumprobieren in der App und diversen Tests mit dem Nacht-Spotlight und der Gegensprech-Funktion. Laut Hersteller reichen schon 20 Minuten Sonne pro Tag, um die Kamera via Solarpanel komplett autark zu versorgen. Alternativ lässt sich die Kamera-Einheit auch mit einem Klick abnehmen und ganz normal per USB-Kabel laden. Praktisch ist die weiche Kunststoff-Kabel-Abdeckung, die den Stromanschluss des Kabels vom Solarmodul wasserdicht schließt.
Die Bildqualität hinterließ im Praxistest einen guten Eindruck – egal ob sich um nähernde Personen, vorbeifahrende Autos oder kleine Details im überwachten Bereich handelt. Die beiden Breitbilder der zwei Kameras lassen sich am Smartphone übereinander betrachten oder auf Wunsch zu einem Superbreitbild zusammenfügen. Die Sichtbereiche der Linsen überlappen sich dabei um 20 Grad, so dass es in der Mitte keinen toten Winkel gibt. In der Dämmerung wird das Bild naturgemäß etwas grieseliger, nachts schaltet die X1 Pro dann in die Infrarot-Schwarz-Weiß-Sicht. Je nach Ausleuchtung der Szene ist die Sicht auch dann ordentlich bis richtig gut; zusätzlich kann der direkte Bereich vor der Kamera per eingebautem LED-Licht erhellt werden. Bewegt sich eine Person horizontal durchs Sichtfeld, dann springt der Kamera-Motor an, die Linsen drehen sich und die laufende Person (oder Katze) wird automatisch verfolgt.
Alles im Griff: In der Baseus Security App
Nach dem Anbringen der Kamera steht die Installation der Baseus Security App an, die es natürlich gratis für Android und iPhone gibt. Dort ist zunächst ein Konto anzulegen, anschließend folgt die WLAN-Einrichtung – das hat im Test problemlos funktioniert. Die Verbindungsqualität war stets stabil und sehr gut, das Live-Bild kommt in der App mit unter einer Sekunde Verzögerung an.
Die sehr übersichtlich gestaltete App bietet neben dem Livebild und im Video festgehaltenen Ereignissen (die Clip-Länge lässt sich einstellen) eine Vielzahl an praktischen Funktionen. Positiv erstaunt waren wir über die fehlerfreien deutschen Texte, den aufgeräumten Look und die Möglichkeit der Freigabe an weitere Geräte; außerdem fällt auf, dass es hier wirklich um die praktische Nutzung im täglichen Betrieb geht und nicht darum, weitere Produkte des Herstellers zu verkaufen oder einen Firmennewsletter zu bewerben.
Die Fülle der Einstellungen reicht von der Frequenz und Art der Push-Benachrichtigungen bei erkannten Ereignissen, geht weiter bei der Aktivierung der Gesichtserkennung oder der Fahrzeugerfassung und hört bei der Erkennungsempfindlichkeit (in fünf Stufen) nicht auf. Zudem lassen sich viele Video- und Erfassungsoptionen für jede der beiden Kameras individuell anpassen. Man kann den Zeitstempel deaktivieren, auf Knopfdruck den Sichtmodus wechseln, die beiden Kamerabilder als Superbreitbild anzeigen oder die Lautsprecher-Lautstärke einstellen. Auch diverse Energiespar-Optionen stehen zur Verfügung, zudem ist eine motorisierte Ausrichtung des Solarmoduls zur Sonne aktivierbar.
In den Optionen ist auch eine 30-Tage-Cloud-Backup-Funktion verborgen – die ist aber optional. Standardmäßig werden alle Clips lokal auf der microSD-Karte gespeichert. In der App lassen sich nicht nur auf Knopfdruck Videos aufnehmen und Bilder schießen, sondern auch die Videodateien der aufgezeichneten Ereignisse aufs Handy laden.
Bewegungserkennung, Privatsphäre und KI
Die Bewegungserkennung per PIR-Sensor erfolgt zuverlässig und ist standardmäßig fast schon zu sensibel eingestellt. Das löst schon mal "Fehlalarme" aus, wenn ein Spaziergänger mit Hund am Grundstück vorübergeht. Zum Glück gibt es mehrere Optionen, das zu verbessern: Zum einen die oben angesprochene Erkennungsempfindlichkeit, zum anderen lassen sich explizite Privatsphäre-Zonen einstellen, wo explizit nichts aufgezeichnet wird und auch keine Bewegungserkennung stattfindet.
Und auch in den erlaubten Bereichen können Nutzer spezielle Aktivitätszonen festlegen, und zwar flexibel per Vieleck, das via Smartphone-Touchscreen am Livebild festgelegt wird (siehe Bild). Das reduziert die Fehlalarme, weil sich eben der Gehweg, Passanten oder auf Wunsch auch Teile der Einfahrt aussparen lassen. Zudem gibt es noch diverse Grundmodi, in denen die Kamera so reagiert, wie es eingestellt ist – zum Beispiel wenn man zu Hause ist oder das Grundstück verlässt. Auch das Einstellen eines Zeitplans, wann die Kamera zwischen "zu Hause" und "abwesend" wechselt, ist möglich.
Wer das Cloud-Backup aktiviert, hat neben der Gesichtserkennung und dem Personentracking eine weitere KI-gestütze Funktion zur Verfügung: Baseus nennt das "KI-Mitteilungen", gemeint sind automatisch generierte Schlagworte für die aufgezeichneten Clips, mit deren Hilfe sich die Ereignisse effizienter durchsuchen lassen.
Testfazit Baseus Sicherheitskamera X1 Pro
Wer einen großen Bereich an seinem Haus oder Grundstück, vorzugsweise an einem Eck, nahtlos überwachen will, der ist mit der Baseus Security X1 Pro mehr als gut aufgestellt. Die Dual-Kamera ist rasch installiert und kann dank frei positionierbarem Solarmodul ohne Stromanschluss betrieben werden. Gibt es sehr viele Bewegungen im überwachten Bereich, bringt das den 7.800-mAh-Akku an seine Grenzen – und bei schlechten Lichtverhältnissen im Winter ist vermutlich gelegentliches Nachladen nötig.
Prunkstück dieser Sicherheitskamera ist die sehr gute App mit den vielen Einstellungsmöglichkeiten: Dadurch lassen sich der persönliche Wunsch nach Sicherheit und die Datenschutz-Bedenken von Öffentlichkeit und Nachbarn vereinbaren. Das Videobild ist scharf, hell und detailliert, die Gegensprechfunktion eine praktische Dreingabe. Die Halterung selbst könnte ruhig stabiler wirken, machte im Praxistest aber trotzdem keine Probleme. Positiv ist auch die lokale Speicherung der Ereignisse auf der microSD-Karte – so kommen keine Abo-Kosten zum Kaufpreis dazu. Allerdings ist zu beachten, dass die Kamera eher hoch montiert wird – das bietet nicht nur einen besseren Sichtbereich, sondern schützt die Kameraeinheit (und damit die eingesteckte microSD) vor Langfingern.
