Wichtig für PV-AnlagenDas passiert mit Solarstrom, der nicht verbraucht wird

Erzeugt eine Solaranlage auf dem Dach mehr Strom, als im Haushalt direkt verbraucht wird, dann haben Anlagenbesitzer mehrere gute Optionen – wir stellen sie vor.
Photovoltaikanlagen produzieren Strom, sobald Sonnenlicht auf die Solarmodule trifft – nicht nur an warmen Sommertagen ist das oft viel mehr, als der Haushalt verbrauchen kann. Doch wohin mit dem überschüssigen Solarstrom? Der grüne Strom fließt nicht einfach ins Leere, sondern kann eingespeist, gespeichert, direktvermarktet oder auf einem virtuellen Stromkonto gesammelt werden. Wir geben einen Überblick über die verschiedenen Optionen, die Anlagenbesitzer heutzutage haben.
Selbsterzeugter Strom: Das passiert, wenn er nicht genutzt wird
Trifft Sonnenlicht auf die Photovoltaikmodule, generiert eine Solaranlage Strom – unabhängig davon, ob dieser im Haushalt gerade benötigt wird oder nicht. Wird der erzeugte Strom nicht direkt verbraucht, dann fließt er – sofern kein Solarspeicher vorhanden ist – automatisch ins öffentliche Stromnetz. Er geht also nicht verloren, sondern wird anderswo verwendet. Konkret bedeutet das:
Der erzeugte Strom versorgt zunächst den eigenen Haushalt mit Energie.
Der überschüssige Strom wird ins öffentliche Stromnetz eingespeist.
Für die Einspeisung wird eine gesetzlich geregelte Vergütung gezahlt.
Gut zu wissen: Die Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) liegt bei derzeit knapp acht Cent pro Kilowattstunde. Dies gilt für Anlagen bis zehn Kilowatt (kW) installierte Leistung und beim hier angesprochenen Modell der sogenannten Überschusseinspeisung. Aktuell denkt das Wirtschaftsministerium laut darüber nach, diese Einspeisevergütung zu streichen – ntv.de berichtete. Wer sich jetzt für eine PV-Anlage entscheidet, der kann noch von der staatlichen Vergütung profitieren, und zwar garantiert 20 Jahre lang.
Der Startschuss für eine eigene Dach-Anlage gelingt zum Beispiel über den Anbieter Enpal: Hier füllen Interessierte einen kurzen, unverbindlichen Online-Fragebogen aus und erhalten anschließend ein kostenloses Festpreisangebot samt individuellem Beratungsgespräch.
Solarstrom ungenutzt ins Netz? Ein Stromspeicher ist die Lösung
Weil die Einspeisevergütung deutlich unter dem Strompreis liegt, den Stromanbieter beim Zukauf aus dem Netz kassieren – je nach Anbieter etwa 30 bis 40 Cent pro Kilowattstunde –, ist es viel sinnvoller, den Eigenverbrauch zu erhöhen. Das gelingt am einfachsten mithilfe eines Stromspeichers, der den überschüssigen Strom zwischenspeichert und ihn dann zur Verfügung stellt, wenn die Anlage gerade nicht liefert, zum Beispiel nach Sonnenuntergang am Abend. Laut Verbraucherzentrale erhöht sich so der Eigenverbrauch von etwa 30 auf bis zu 70 Prozent.
Hinsichtlich der optimalen Größe des Speichers gibt es eine Faustregel: Die besagt, dass der Speicher pro einem Kilowatt an PV-Leistung eine Kapazität von einer Kilowattstunde (kWh) aufweisen sollte. Für eine durchschnittliche Dachanlage mit sieben bis zehn kW wäre demzufolge ein Speicher mit sieben bis zehn kWh angemessen. Gleichzeitig gibt es individuelle Faktoren, die eine Rolle bei der Bestimmung der Speichergröße spielen und bei einer professionellen Beratung natürlich abgefragt werden. Dazu zählen:
Wie viele Personen leben im Haushalt, und wie hoch ist der Stromverbrauch pro Jahr?
Wie ist das Lastprofil im Haushalt, sprich wann wird wie viel Strom benötigt?
Gibt es große Stromverbraucher wie E-Auto oder Wärmepumpe?
Wird maximale Autarkie, eine Kosten-Nutzen-Optimierung oder viel Notstrom-Reserve angestrebt?
Als Nachteil eines Stromspeichers lassen sich die Anschaffungskosten anführen. Sie erhöhen die Investition deutlich und verlängern somit auch die Amortisation der Anlage.
Solarstrom verkaufen oder speichern: Diese Möglichkeiten gibt es
Überschüssiger Solarstrom lässt sich nicht nur einspeisen oder im eigenen Speicher sammeln, sondern in bestimmten Fällen auch aktiv vermarkten oder auf einem virtuellen Stromkonto speichern. Für private Haushalte mit kleineren Anlagen stehen mehrere Optionen offen:
Einspeisevergütung (nach EEG): Je nach Modell (Voll- oder Teileinspeisung) erhält man hier knapp 8 oder gut 12 Cent pro kWh.
Direktvermarktung: Wer seinen Solarstrom beispielsweise mit Enpal per Direktvermarktung verkauft, der kann laut dem Anbieter bis zu 2.000 Euro jährlich damit verdienen.
Strom-Cloud-Modelle: Diese erfassen den überschüssigen Strom auf einer Art virtuellem Stromkonto. Später lässt sich dieser Strom dann gratis abrufen, allerdings fallen hier zum Teil extra Cloud-Gebühren an.
PV eine Nummer kleiner: Auch ein Balkonkraftwerk hilft
Falls der Platz für eine ausgewachsene PV-Dachanlage fehlt: Ein Balkonkraftwerk ist eine kleine, unkomplizierte Alternative, um sofort eigenen Solarstrom zu nutzen. Die steckerfertigen Sets lassen sich am Balkon, an der Fassade oder auf der Terrasse montieren und speisen über einen Wechselrichter direkt ins Hausnetz ein – so läuft tagsüber ein stattlicher Teil der Grundlast (z. B. Router, Kühlschrank, Stand-by-Geräte) automatisch mit Sonnenstrom. Das ersetzt keine Dachanlage, kann besonders für Mieterinnen und Mieter oder bei begrenzter Dachfläche aber ein sinnvoller, kostengünstiger Einstieg sein.
Fazit: So holen Solar-Besitzer mehr aus ihrer PV-Anlage raus
Nicht verbrauchter Solarstrom muss nicht ungenutzt bleiben: Dank Netzeinspeisung, Stromspeichern oder modernen Vermarktungsmodellen bestehen zahlreiche Möglichkeiten, diesen sinnvoll zu verwenden. Am wirtschaftlichsten ist auf lange Sicht ein eigener Stromspeicher, der den Eigenverbrauch und somit auch die Unabhängigkeit vom Stromanbieter erhöht. Eine vorausschauende Planung zahlt sich bei der Anschaffung einer Solaranlage definitiv aus. Wer schon eine Solaranlage auf dem Dach hat, der kann sie ebenfalls mit einem Speicher nachrüsten – oder den Strom vermarkten.