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Gebraucht ist besser? So gut ist die Umweltbilanz bei Refurbished-Produkten wirklich

12.02.2026, 08:55 Uhr
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Wie nachhaltig sind gebrauchte Smartphones tatsächlich? Wir werfen einen Blick auf die Umweltbilanz von Refurbished-Produkten. (Foto: istockphoto.com)

Aufbereitete Elektronik schont Ressourcen und Klima – wenn die Bedingungen stimmen. Wir zeigen, worauf es bei der Umweltbilanz wirklich ankommt.

Refurbished – das klingt erstmal nach Kompromiss, ist aber oft die klimafreundlichere Wahl. Gemeint sind mit diesem Begriff professionell aufbereitete, gebrauchte Geräte. Sind sind meistens geprüft, gereinigt, mit Garantie und in der Funktion im Grunde wie neu. Anders als rein gebrauchte Ware durchlaufen sie vor dem Verkauf standardisierte Tests, defekte Teile werden je nach Anbieter ersetzt. Doch lohnt sich das auch ökologisch? Wir klären auf.

Warum Refurbished oft klimafreundlicher ist

Die Herstellung dominiert die Umweltbilanz moderner Elektronik. Bei Smartphones und Laptops verursacht laut Umweltbundesamt die Produktion durch Rohstoffabbau, energieintensive Fertigung und globale Lieferketten die größten Umweltauswirkungen. Wer stattdessen ein gebrauchtes und wiederaufbereitetes Gerät kauft, vermeidet genau diese Schritte. Die Europäische Umweltagentur betont: Längere Produktlebensdauern senken die Nachfrage nach Neuprodukten und damit auch die verbundenen Umweltwirkungen.

Refurbished unterscheidet sich dabei klar von gebraucht: Professionelle Aufbereiter prüfen den Akkuzustand, tauschen verschlissene Bauteile und geben Garantie – oft zwölf Monate oder mehr. Wichtig für die Abgrenzung: "B-Ware" bezeichnet bisher ungenutzte Produkte mit Transportschäden oder Retouren aus dem Online-Handel. Auch wenn hier Nutzung statt Entsorgung besser ist: Der ökologische Hebel ist oft kleiner, wenn keine echte Zweitnutzung mit deutlich verlängerter Lebensdauer entsteht.

Geringerer Umwelt-Einfluss und vermiedene Emissionen

Konkret vermeidet Wiederaufbereitung die Neuproduktion von Geräten und damit auch Emissionen, Energie, Wasser und Chemikalien entlang der gesamten Lieferkette. Studien der französischen Umweltagentur ADEME zeigen: Je nach Gerätetyp und Annahmen zur Nutzungsdauer lässt sich beim Kauf eines aufbereiteten Geräts ein großer Teil des gesamten jährlichen Umweltimpacts vermeiden (z. B. Smartphones: 64 bis 87 Prozent, Laptops: 43 bis 97 Prozent).

Bei dieser Berechnung werden alle Umweltfaktoren von Produktion bis Nutzung erfasst und auf einen jährlichen Wert heruntergebrochen. Da die Produktion insgesamt einen hohen Anteil an der Gesamteinwirkung auf die Umwelt hat, kommen gebrauchte Geräte deutlich besser weg. Das Fraunhofer-Institut für Umwelts-, Sicherheits-, und Energietechnik (UMSICHT) beziffert die Einsparung bei Treibhausgasen durch Wiederaufbereitung je nach Gerätetyp außerdem auf bis zu 18 bis 37 Prozent.

Wiederaufbereitung schont Ressourcen

Hinzu kommt die Rohstoffseite. In fast jedem Smartphone stecken seltene Erden, Kobalt oder Lithium. Das sind Materialien, deren Abbau Ökosysteme belastet und hohe soziale Kosten verursachen kann. Refurbishment verzögert nicht nur die Entsorgung, was weniger Elektroschrott im Jahr bedeutet, sondern reduziert auch den Bedarf an Primärrohstoffen. Jedes aufbereitete Gerät bedeutet ein neues, das nicht produziert werden muss.

Smartphones bei Backmarket: Geldbeutel und Umwelt schonen

Ein typisches Beispiel für einen Refurbished-Kauf ist das bei Back Market angebotene iPhone 16 mit 128 Gigabyte (GB) Speicher. Im Zustand hervorragend, also mit sehr geringen Gebrauchsspuren, liegt der Preis derzeit bei 608 Euro und damit immerhin rund 30 Euro unter aktuellen Straßenpreisen von 639 Euro.

Das iPhone 16 ist dabei noch längst kein veraltetes Smartphone – ein schneller Chipsatz, gute Kameras und ein überzeugendes Display sind auch rund anderthalb Jahre nach Erscheinen immer noch überzeugende Argumente für das Apple-Smartphone. Der Kauf eines aufbereiteten Smartphones ermöglicht hier also gleichzeitig das Schonen des Geldbeutels und der Umwelt.

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608,00 € (Zustand: hervorragend)

Was ist Back Market? Back Market ist eine Plattform, die Käuferinnen und Käufer mit professionellen Drittanbietern zusammenbringt. Back Market fungiert dabei als Vermittler und ist nicht der Verkäufer des jeweiligen Geräts – der Kaufvertrag kommt also über die Plattform mit dem jeweiligen Händler zustande. Back Market verspricht zwölf Monate Garantie, das übliche 30-Tage-Rückgaberecht sowie einen standardisierten Gerätecheck mit 25 Punkten, der Verkäufern vorgegeben wird.

Hinweis: Die Preise sind volatil und die Händler passen bisweilen auch die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) an. Sollten sich die Preise von den hier angegebenen unterscheiden, haben die Händler sie nach Veröffentlichung des Artikels geändert

Wann lohnt sich refurbished – und wann nicht?

Entscheidend ist die Zweitnutzung: Wer ein aufbereitetes Gerät nach zwei Jahren wieder ersetzt, verspielt den Umwelt-Vorteil. Die Umweltagentur ADEME mahnt deshalb: Wenn Logistik, Retouren oder unnötige Verpackung die Bilanz belasten, schrumpft der Vorsprung. Und wer refurbished eher zusätzlich kauft, anstatt ein vorhandenes Gerät zu ersetzen, erzeugt sogar eine Mehrbelastung. Es entsteht der sogenannte Rebound-Effekt.

Auch die Qualität der Aufbereitung zählt. Transparente Prüfprozesse, Garantieleistungen, Akkukapazität über 80 Prozent und klare Rückgaberegeln sind Indizien für seriöse Anbieter. Das Umweltbundesamt warnt außerdem: Fehlende Software-Updates oder mangelnder Sicherheits-Support können Geräte vorzeitig unbrauchbar machen – dann war die Aufbereitung umsonst. Bei sehr alten, stromintensiven Geräten wie Kühlschränken kann im Einzelfall sogar der Neukauf klimafreundlicher sein, weil der Betrieb die Bilanz dominiert. Bei IT und Unterhaltungselektronik ist das jedoch selten der Fall.

Refurbished-Kauf bei Media Markt: Google Pixel 9 im Better-Way-Programm

Ein ähnliches Beispiel wie bei Back Market findet sich auch bei Media Markt für das Google Pixel 9 mit 128 GB Speicher. Das Gerät gibt es im Refurbished-Programm des Händlers, der hier ebenfalls als Marktplatz agiert. Im Zustand exzellent liegt der Preis bei 469,53 Euro – Neugeräte starten derzeit bei rund 489 Euro. Auch hier spart man also nicht nur die Umweltauswirkungen ein, sondern behält beim Kauf auch 20 Euro mehr im Geldbeutel.

Genau wie beim iPhone 16 gilt: Nur weil es bereits einen Nachfolger gibt, ist das Pixel 9 noch lange kein altes Smartphone-Eisen. Computer Bild lobte im Test die starke Kamera, das gute Display und den schnellen Chip des Google-Handys. Damit lohnt sich der Kauf auch rund anderthalb Jahre später nach wie vor.

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Google Pixel 9, 128 GB
469,53 € (Zustand: exzellent)

Wichtig: Auch Media Markt verkauft hier nicht selbst! Verkauf und Versand erfolgen an dieser Stelle durch einen klar erkennbaren Drittanbieter. Die Qualitätseinstufungen bei Media Markt sind dabei eindeutig: Der jeweilige Zustand von Gehäuse, Display, Batterie und Co. wird hier übersichtlich aufgelistet und benannt. Auch die gesetzliche Gewährleistungsfrist von zwölf Monaten gilt.

Praxis-Checkliste für den Kauf

Wer refurbished kauft, sollte vor allem auf diese Kriterien achten:

  • Garantie/Gewährleistung: mindestens 12 Monate

  • Zustandsskala: Der Zustand des Geräts wird transparent erklärt

  • Akkukapazität: mindestens 80 Prozent Restkapazität

  • Rückgaberecht: gesetzlicher Rahmen wird eingehalten

  • Update-Perspektive: noch mehrere Jahre OS-Updates zu erwarten

Lokal oder regional aufbereitete Geräte sparen Transportwege. Und wer das Gerät dann wirklich lange nutzt, maximiert den Umweltvorteil – denn die beste Ökobilanz hat das Gerät, das nicht ersetzt werden muss.

Fazit: Refurbished-Elektronik kann die Umweltbilanz deutlich verbessern – wenn die Aufbereitung professionell erfolgt und die Zweitnutzung lang genug dauert. Die Produktion ist der größte Hebel, ihre Vermeidung der größte Gewinn. Doch Qualität, Software-Support und bewusster Konsum entscheiden, ob das zweite Leben wirklich nachhaltig ist.

Quelle: ntv.de