Miles and More Warum sich ein Vielfliegerstatus für viele kaum noch lohnt

Früher war der Lufthansa-Status mein großes Ziel, heute ist der Weg dorthin oft nur noch ein mühsamer Punkte-Marathon. Warum eine Kreditkarte der smartere Weg zum Lounge-Komfort sein kann.
Ich gebe es zu: Viele Jahre war es für mich Antrieb und Privileg zugleich, einen Vielfliegerstatus bei Lufthansa über Miles & More zu erreichen. Loungezugang, Priority Check-in, Fast Lane, Business- oder First-Class-Schalter – das fühlte sich nach "angekommen" an. Doch heute stelle ich mir immer häufiger die Frage: Welche Vorteile bietet mir ein Status eigentlich noch – und zu welchem Preis?
Das neue Statussystem: Punkte statt Meilen – und der Weg wird steiler
Seit der Umstellung auf das neue Statussystem (Points und Qualifying Points) ist der Weg zum Frequent Traveller (FTL) und Senator deutlich anspruchsvoller geworden. Früher konnte man einen Status auch über Flugsegmente erreichen – heute sind Punkte die ausschließliche Währung.
Für den FTL braucht es 650 Points und zusätzlich 325 Qualifying Points (die es nur auf Flügen mit Airlines der Lufthansa Group gibt). Der Senator beginnt bei 2.000 Points und 1.000 Qualifying Points – pro Kalenderjahr.
Je Segment gibt es bei Star-Alliance-Partnern in der Economy-Class typischerweise:
20 Points auf kontinentalen Strecken
60 Points auf interkontinentalen Strecken
In der Business-Class entsprechend:
40 Points kontinental
200 Points interkontinental
Rechenbeispiel: Wie viele Flüge sind das eigentlich?
Wer den FTL ausschließlich mit kontinentalen Eco-Segmenten erreichen will, braucht rechnerisch mindestens 33 Segmente – also 66 Starts und Landungen. Das ist nicht nur zeitintensiv, sondern auch belastend, wenn man "gezielt" auf Status fliegt.
Beim Senator ist die Hürde noch deutlich höher: Selbst mit Business-Class-Segmenten auf Kontinentalstrecken ist das ein sehr ambitioniertes Ziel – und in vielen Fällen nur für jene realistisch, die ohnehin sehr viel beruflich fliegen.
Hinzu kommt: Der Status ist zeitlich begrenzt. Er gilt ab Erreichen für den Rest des laufenden Jahres und anschließend bis Ende Februar des übernächsten Jahres. Die entscheidende Frage ist deshalb: Lohnt sich der Aufwand – wenn man die Vorteile auch anders bekommen kann?
Statusvorteile im Alltag: Was mir wirklich wichtig ist
Die für mich wichtigsten Status-Annehmlichkeiten auf Geschäftsreisen sind:
Bevorzugter Check-in
Zugang zu Flughafenlounges
Zeitersparnis an der Sicherheitskontrolle (Fast Lane)
Beim Check-in ist der Vorteil klar: FTL-Gäste dürfen in der Regel am Business-Class-Schalter einchecken. Senatoren nutzen teils den First-Class-Schalter. Auch Fast Lane kann wertvoll sein – allerdings hat dieser Vorteil an manchen Flughäfen an Bedeutung verloren. Der Grund: Immer mehr Airports bieten Slot-/Zeitfenster-Modelle an, bei denen Reisende kostenlos ein Zeitfenster für eine schnellere Sicherheitskontrolle buchen können. Das reduziert den "Statusvorsprung" in der Praxis spürbar, zumindest auf bestimmten Strecken und zu bestimmten Zeiten.
Loungezugang ohne Status: Die Kreditkarten-Alternative
Ein weiterer zentraler Statusvorteil – der Zugang zu Lufthansa Lounges – ist heute in bestimmten Konstellationen auch ohne Vielfliegerstatus möglich. Genau hier wird für viele Reisende eine gesonderte Kreditkarte interessant. Sie kann Komfortvorteile bündeln, die Nutzer sonst erst durch Statuslevel bekommen – und das planbar, ohne zusätzliche Flüge "für den Status".
Ein Beispiel ist die American Express Platinum Card, die über eine Sondervereinbarung bei Lufthansa verfügt. Mit einer für denselben Tag gültigen Bordkarte ist je nach Ticketklasse der Zugang zur Business Lounge (Eco-Ticket) oder Senator-Lounge (Business Class) möglich. Am Lounge-Desk reicht in der Regel die Kreditkarte zusammen mit einem Lichtbildausweis.
Zusätzlich enthalten ist eine Priority-Pass-Mitgliedschaft, mit der man Zugang zu über 1.550 Flughafenlounges weltweit erhält. Das ist vor allem dann praktisch, wenn Kreditkartennutzer nicht ausschließlich mit Lufthansa fliegen oder wenn an einem Flughafen keine Lufthansa Lounge verfügbar ist. Vorteil gegenüber der LH-Lounge: Der Priority Pass berechtigt einen weiteren Gast. Dies gilt für den Haupt- und Zusatzkarteninhaber, also in Summe sogar vier Gäste.
Was an der Kreditkarten-Lösung in der Praxis überzeugt (und was nicht)
Was ich an der Kreditkarten-Alternative schätze:
Planbarkeit: Vorteile sind nicht an das Erfliegen eines Status gebunden.
Flexibilität: Lounges sind nicht nur auf eine Airline beschränkt.
Zeitersparnis: Gerade bei vielen Reisen im Jahr können Lounges, Fast-Track-Optionen und Services den Alltag spürbar angenehmer machen.
Was ich fairerweise dazu sagen muss:
Eine Kreditkarte dieser Klasse kostet eine Jahresgebühr (720 Euro für die American Express Platinum) – das muss sich individuell rechnen.
Manche Statusvorteile wie zusätzliches Freigepäck oder bestimmte Upgrades sind kreditkartenseitig nicht 1:1 ersetzbar.
American Express Platinum: Das steckt im Gesamtpaket
Neben dem Lounge-Zugang kommt bei der Platinum ein Bündel an Reise- und Serviceleistungen dazu, die sich – je nach Reiseprofil – gegen die Jahresgebühr gegenrechnen lassen:
Membership Rewards (Punkte sammeln und flexibel einlösen/transferieren)
Bonus für ntv-Leser: bis zu 85.000 Membership Rewards Punkte
200 Euro jährliches Reise-Guthaben (z. B. Online-Reiseguthaben)
150 Euro Restaurant-Guthaben
200 Euro Mobilitäts-Guthaben (z. B. für Ride-/Fahrservices)
90 Euro Shopping-Guthaben
Mehrere Karten möglich (für Partner:in/Familie, je nach Modell)
Umfangreiches Versicherungspaket (v. a. auf Reisen relevant)
Tipp: Für Unternehmer und Selbständige lohnt sich ein Blick auf die Platinum Card Business von American Express. Diese gibt es derzeit mit einem Willkommensbonus von ganzen 200.000 Membership Rewards Punkten. Je nach Transferpartner und Flugdestination geht es damit als Prämienflug direkt in die Business- oder First Class.
Eine Alternative: Priority-Pass-Mitgliedschaft
Die American Express Platinum Card inkludiert einen Priority Pass Prestige für Haupt- und Zusatzkarteninhaber. Ohne American-Express-Kreditkarte kostet eine Priority-Pass-Mitgliedschaft ab 71 Euro pro Jahr für Neukunden. Begleitpersonen dürfen für 30 Euro pro Person mit in die Lounge. Interessierte haben die Wahl zwischen drei Modellen:
Priority Pass Standard: Lounge-Zugang für je 30 Euro pro Besuch
Priority Pass Standard Plus: 10 kostenfreie Lounge-Zugänge pro Jahr, jeder weitere Zugang 30 Euro
Priority Pass Prestige: unbegrenzt kostenfreier Lounge-Zugang
Fazit: Für viele rechnet sich die Karte schneller als der Status
Wer sehr viel beruflich mit Lufthansa und den Tochtergesellschaften fliegt, nimmt den Status natürlich gerne mit – keine Frage. Wenn er "nebenbei" entsteht, ist das ein Bonus. Aber: Wer sich aktiv auf Segment-Runs oder Statusjagden einlässt, zahlt häufig nicht nur mit Geld, sondern auch mit Zeit und Energie. Und genau da hat sich mein Blick verändert.
Auf innerdeutschen und vielen europäischen Strecken bringt mir der Frequent Traveller heute – gemessen am Aufwand – oft weniger Mehrwert, als ich früher erwartet hätte. Gleichzeitig bekomme ich zentrale Komfortvorteile (insbesondere rund um Loungezugang und Reise-Services) in meinem Fall über eine Kreditkarte abgedeckt, ohne, dass ich dafür "extra" fliegen muss. Mein Punkt dabei ist nicht "Status ist schlecht", sondern: Wer vor allem Lounge, entspanntes Reisen und planbare Vorteile sucht, kann mit so einer Karte (Jahresgebühr ab 720 Euro) schneller ans Ziel kommen – ohne das Jahr nach Points und Qualifying Points auszurichten.
Tipp für Meilensammler: Flexibel bleiben statt sich festzulegen
Was für mich ein entscheidender Punkt ist: Mit Membership Rewards sammle ich nicht nur Punkte, sondern halte mir die Option offen, sie später in Meilen bei vielen Vielfliegerprogrammen umzuwandeln – je nachdem, was für die nächste Reise gerade am sinnvollsten ist. Und wer Miles & More weiter nutzen will, kann das trotzdem tun: Über Payback lassen sich weiterhin Prämienmeilen ganz ohne Fliegen sammeln, indem man Punkte im Alltag sammelt und diese anschließend 1:1 ins Miles-&-More-Konto überträgt. So bleibt Lufthansa als Einlöseoption erhalten, ohne, dass man dafür zusätzliche Status- oder Meilenflüge einplanen muss.