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Altersmilder KaiserBeckenbauers letzte Amtszeit

16.11.2006, 13:37 Uhr

Bei Bayern München beginnt die fünfte und wohl letzte "Kaiserzeit". Die Mitglieder des deutschen Fußball-Rekordmeisters werden Franz Beckenbauer an diesem Freitag zum fünften Mal in das Präsidentenamt hieven -in drei Jahren ist dann aber vermutlich Schluss.

Bei Bayern München beginnt die fünfte und wohl letzte "Kaiserzeit". Die Mitglieder des deutschen Fußball-Rekordmeisters werden Franz Beckenbauer an diesem Freitag in der Münchner Olympiahalle zum fünften Mal in das Präsidentenamt hieven -in drei Jahren ist dann aber vermutlich Schluss. "Ich habe Uli Hoeneß gesagt, Du musst mir nur den Tag mitteilen, dann bist Du mein Nachfolger. So könnte es meine letzte Periode sein", sagte der 1994 inthronisierte Beckenbauer. Mehrfach hatte Hoeneß bekundet, dass er den Manager-Sessel nach 30 Jahren gegen den Präsidenten-Thron eintauschen will. "Wenn alles normal läuft, wird Franz dann aufhören und ich werde sein Nachfolger. Das würde mir prima passen", verriet Hoeneß.

Bis es in drei Jahren zum Wechsel an der Spitze des deutschen Vorzeige-Clubs kommen soll, will sich der 61-jährige Beckenbauer mehr als zuletzt wieder für seinen FC Bayern engagieren -zu sehr war er bei der Vorbereitung des deutschen Sommermärchens eingebunden. Nun ist die Heim-WM Geschichte und er kann sich wieder im Fußball-Alltag einbringen. "Ich werde mich mit Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß austauschen, was den sportlichen Bereich anbelangt", sagte er dem "kicker".

Nie hätte Beckenbauer gedacht, dass er so lange an der Spitze seines Lieblings-Vereins stehen würde. Nur Wilhelm Neudecker (1962 bis 1979), einst Präsident zu Zeiten des Spielers Beckenbauer, war länger in dem Amt, in dem sich der "Kaiser" als "Übergangslösung" gesehen hatte. Dabei hatte schon die Inthronisierung, bei der 99,45 Prozent der anwesenden 2.928 Mitglieder mit "Ja" votierten, am 14. November 1994 Grenzen gesprengt. Erstmals hatte der FC Bayern für eine Jahreshauptversammlung die riesige Münchner Olympiahalle angemietet, das Bayerische Fernsehen übertrug das Spektakel teilweise live. Damals zählte der FC Bayern 33.333 Mitglieder, seit September 2006 ist Beckenbauer Hirte für 120.000 Vereins-Schäfchen.

15 Titel feierte Beckenbauer in seiner Amtszeit als Präsident -Höhepunkt waren 2001 die Siege in Champions League und Weltpokal. "Es ist alles zum Wohle des FC Bayern bestellt, auch langfristig", sagte Beckenbauer, der sich über magere Darbietungen seiner Bayern nicht mehr so sehr wie früher ärgert. Der Komfort in der während seiner Amtszeit errichteten Allianz Arena verzeihe schon mal eher schlechte Spiele als die "kalte Schüssel Olympiastadion, in der dir der Hintern fast einfror", erklärte er.

Besänftigt durchs Arena-Ambiente hat auch die Wucht seiner Verbal-Attacken nachgelassen. Dennoch bleiben die seltener gewordenen "kaiserlichen Störfeuer" gefürchtet. Ob als "Bild"-Kolumnist, Fernsehexperte oder eben als Vereinspräsident, die Macht seiner Worte bekamen schon viele zu spüren -selbst die Spieler: Unvergessen ist die legendäre Brandrede Beckenbauers nach der 0:3-Niederlage des Rekordmeisters im Frühjahr 2001 gegen Olympique Lyon, als er Effenberg & Co. beim Bankett als "Altherrenfußballer" verhöhnte. Mittlerweile ist der Münchner milde. "Das liegt an der Arena. Und dass ich mit dem Team nicht mehr so direkt zu tun habe. Ich kann mir die Spieler nicht mehr zur Brust nehmen wie 2001 in Lyon."