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Audis Krise in der DTMPleiten, Pech und Pannen

07.06.2010, 13:14 Uhr
imageMarkus Mechnich
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Bruno Spengler konnte in der Lausitz den Sieg nach Hause fahren. (Foto: Markus Mechnich)

Audi wird in dieser DTM-Saison nicht gerade vom Glück verfolgt. Die Favoriten der Teams mit den vier Ringen agieren derzeit eher unglücklich. Die Zwischenbilanz nach den ersten drei Rennen ist für die Ingolstädter ernüchternd. In der Meisterschaftswertung liegen drei Mercedes-Fahrer vorne.

"Es ist ein Albtraum für einen Motorsportchef", sagte Wolfgang Ullrich nach dem gestrigen Rennen auf dem Lausitzring und mit dieser Äußerung hat der Verantwortliche für die sportlichen Aktivitäten bei Audi sicher nicht übertrieben. Was Ullrich gestern in Kurve drei des Lausitzrings sehen musste, war fast der schlimmste anzunehmende Unfall, der einem Hersteller in der DTM widerfahren kann.

Alexandre Prémat schubst in der ersten Runde seinen Markenkollegen Mattias Ekström von hinten an, der dreht sich und steht quer auf der Strecke. Das Rennen ist für den Schweden beendet. Ebenfalls angeschlagen wird Audi-Titelverteidiger Timo Scheider, der an das Ende des Feldes zurückfällt. Auch Mercedes-Fahrer David Coulthard wird getroffen. Der Schotte kommt zwar noch zweimal aus der Box, doch am Ende kann auch er nicht weiterfahren. Scheider sichert sich nach furioser Aufholjagd am Ende als Achter noch ein Pünktchen. Prémat muss sein Auto schon in der ersten Runde abstellen.

Renn-Glück aufgebraucht?

Entsprechend düster war die Miene von Audi-Sportchef Ullrich nach dem Rennen. Dass der Lausitzring eine Mercedes-Strecke ist, hatte sich schon beim Qualifying abgezeichnet, wo sich zwei Fahrzeuge mit dem Stern in der ersten Startreihe fanden und mit Ekström nur ein Audi-Pilot die letzte Runde erreichte. Aber die erste Rennrunde setzte dem bisher eher unglücklichen Saisonverlauf die Krone auf. Favorit und Titelverteidiger in einen Unfall verwickelt, freie Fahrt an der Spitze für die Konkurrenz von Mercedes. Einzig Mike Rockenfeller konnte mit seinem vierten Platz im Audi-Jahreswagen die Bilanz etwas aufhübschen. Ein erfolgreiches Rennwochenende sieht anders aus und die Meisterschaftswertung zeigt drei Mercedes-Piloten an der Spitze. Der bestplatzierte Audi-Fahrer Mattias Ekström hat auf dem vierten Platz schon 13 Punkte Rückstand auf den Führenden Bruno Spengler.

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Titelverteidiger Timo Scheider hatte Pech und wurde in der ersten Runde in einen Unfall verwickelt. (Foto: Markus Mechnich)

Irgendwie ist den Ingolstädtern nach drei Meisterschaftstriumphen in Folge das Glück ausgegangen. Die Leistung der Autos stimmt nach wie vor, das hat selbst der ungeliebte Lausitzring gezeigt. Aber derzeit fehlt es an Konstanz und Speed bei den Piloten und das Pech im Rennen tut sein übriges dazu. Titelverteidiger Timo Scheider muss seit dieser Saison mit einem neuen Team zusammenarbeiten, weil sein alter Renningenieur Armin Plietsch zum Projektleiter Technik bei Audi befördert wurde. "Pascal Zurlinden ist sehr motiviert, aber das blinde Verständnis ist noch nicht da. Es kann noch gar nicht da sein", sagt Scheider gegenüber n-tv.de.

Problematische Reifen

Aber auch die neuen Reifen für 2010 von Hersteller Dunlop sind, nicht nur bei Scheider, ein Problem in dieser Saison. Die meisten Audi-Fahrzeuge kommen mit den Pneus für diese Saison nicht gut zurecht. Nur wenige Runden hat man laut Mercedes-Pilot Bruno Spengler, in denen die Reifen gut funktionieren. Bei den Audis scheint die Problematik noch stärker zu sein als bei der Konkurrenz von Mercedes. Auch Spengler, der Sieger vom Lausitzring, sagt: "Die Reifen sind ein schwieriges Thema. Das Fenster für die optimale Leistung ist sehr klein."

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Am Ende konte Mike Rockenfeller im Audi-Jahreswagen auf Rang vier noch die beste Platzierung für die Ingolstädter erzielen. (Foto: Markus Mechnich)

So erklären auch die Reifen nicht die derzeitige Pechsträhne von Audi. Irgendwie hat jedes der drei bisher gefahrenen Rennen seine eigene Geschichte. Martin Tomczyk zum Beispiel fährt zum Auftakt in Hockenheim im Qualifying auf den zweiten Platz. Im Rennen erleidet der Fahrer eines aktuellen A4 in der siebten Runde einen Reifenplatzer am linken Hinterrad, just als er an der Box vorbei gefahren ist. Er schafft es gerade noch so an die Box, scheidet aber später chancenlos in Runde 32 aus. In Valencia sieht es lange nach einem Doppelsieg für Audi aus. Mattias Ekström sichert sich endlich seinen 14. DTM-Sieg, aber Tomczyk wird nach dem Rennen wegen eines zu frühen Boxenstopps disqualifiziert wird. Ekström selbst kommt beim Rennen auf dem Lausitzring am Wochenende, von Position drei startend, ganz schlecht von der Linie weg und wird so "selbstverschuldet", wie Wolfgang Ullrich sagt, in die besagte Kollision mit seinem Teamkollegen verwickelt.

Ablenkung in Le Mans

Nun sollte man sicher nicht zu früh einen Abgesang auf Audi starten. Sieben Rennen hat die Saison noch zu bieten und da kann eine Menge passieren. "Am Ende gewinnt immer der mit den meisten Punkten und nicht der mit den meisten Siegen", sagt Titelverteidiger Scheider zu seinen Aussichten auf die Titelverteidigung. Doch der Rückstand auf die Mercedes-Truppe ist bereits üppig. In der Hersteller-Wertung liegt Salzgitter-Mercedes mit 24 Punkten vor dem zweiten Audi-Team Phoenix. Das favorisierte Team Abt Sportsline konnte erst 16 Punkte sammeln.

Da dürfte eine Aufarbeitung der ersten drei Saisonrennen in der vierwöchigen Pause bis zum nächsten Rennen auf dem Nürnberger Norisring anstehen. "Wir haben jetzt, Gott sei Dank, keine Zeit allzu lange nachzudenken", sagt Ullrich nach dem Rennen am Wochenende. Das Gros der Audi-Truppe hat sich bereits am Sonntagabend auf den Weg nach Le Mans gemacht. Dort steht für den Hersteller das Highlight der Saison, der 24-Stunden-Klassiker an der Sarthe, an. Hoffentlich hat Audi dort ein bisschen mehr Glück als bisher in der DTM. Sie könnten es gebrauchen, denn mit Peugeot hat man mit dem Titelverteidiger des Vorjahres ein weiterer harter Gegner vor der Brust. Auch beim härtesten 24-Stunden-Rennen der Welt wird Audi nichts geschenkt.