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Mastercard, Visa und PayPal Bundesbankpräsident warnt vor zunehmenden Abhängigkeit von US-Zahlungsanbietern

04.05.2026, 20:09 Uhr
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Laptop, Kreditkarte und los - 86 Prozent der 16- bis 75-Jährigen in Rheinland-Pfalz tätigen ihre Einkäufe online. (Symbolbild) (Foto: Sina Schuldt/dpa)

Bundesbankpräsident Joachim Nagel warnt vor einer zunehmenden Abhängigkeit von US-Zahlungsanbietern.

Bundesbankpräsident Joachim Nagel warnt vor einer zunehmenden Abhängigkeit von US-Zahlungsanbietern. "Der Trend zum digitalen Bezahlen stärkt die außereuropäischen Platzhirsche wie Mastercard, Visa und PayPal weiter", sagte das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) laut Redemanuskript am Montagabend beim Lions Club Frankfurt. "Daraus erwächst eine Abhängigkeit, die ähnlich riskant sein kann wie in der Verteidigung oder bei KI." Zu spüren bekommen hätten dies bereits Richterinnen und Richter des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag. Nach US-Sanktionen sperrten Banken und Zahlungsdienstleister ihnen Konten und Karten.

Das unterstreiche die Notwendigkeit zu handeln. "Europa darf im Zahlungsverkehr nicht nur Beifahrer sein", sagte Nagel. "Europa muss mit am Steuer sitzen." Hier setzt der digitale Euro an. Er sei ein Schlüsselprojekt zur Stärkung von Europas Souveränität im Zahlungsverkehr. "Es geht um ein sicheres, allgemein akzeptiertes digitales Zahlungsmittel, basierend auf europäischer Infrastruktur und unter europäischer Kontrolle", betonte Nagel. Die Euro-Zentralbanken arbeiteten gemeinsam daran. Die Bundesbank sei Teil des Konsortiums, das das Vorhaben im Einzelnen umsetze.

Der digitale Euro werde eine europaweit nutzbare digitale Zahlungslösung bieten. Er solle im Geschäft funktionieren, im Online-Handel und bei Zahlungen zwischen Privatleuten. "Und zwar nahtlos im gesamten Euroraum", fügte der Währungshüter hinzu. Aktuell gebe es fast ausschließlich nationale Insellösungen. "Bildhaft gesprochen: Wir haben in Europa einen Flickenteppich – und selbst der hat noch viele Lücken", kritisiere Nagel. Der digitale Euro solle auch offline funktionieren. Im Fall der Fälle könne man damit ohne Strom- oder Internetzugang zahlen.

Der digitale Euro werde von Anfang an mit hohen Standards für den Datenschutz entwickelt. Das Eurosystem werde keinen Einblick in die persönlichen Zahlungsdaten der Nutzerinnen und Nutzer haben. "Der Staat wird also weder sehen, was die Menschen kaufen, noch, wo sie einkaufen", sicherte Nagel zu. Mit der vorgesehenen Offline-Funktion werde ein noch höheres Maß an Privatsphäre erreicht, ähnlich wie Bargeld.

Damit dies alles Realität werde, müsse ein verbindlicher Rechtsrahmen geschaffen werden. Hier sei der EU-Gesetzgeber am Zug. "Ich bin zuversichtlich, dass bis Jahresende rechtlich alles unter Dach und Fach ist", sagte der Bundesbankchef. 2029 könne dann alles bereit sein für eine mögliche Erstausgabe.

Nagel bekräftigte, der digitale Euro richte sich nicht gegen Banken oder private Anbieter. Öffentliche und private Lösungen könnten sich ergänzen: "Der digitale Euro könnte eine gemeinsame europäische Infrastruktur schaffen, auf der private Zahlungsdienstleister eigene Angebote entwickeln."

Quelle: ntv.de, RTS

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