StudieDeutsches Handwerk hängt auch im laufenden Jahr hinter allgemeiner Konjunktur zurück

Das deutsche Handwerk hängt einer Studie zufolge wohl auch im laufenden Jahr hinter der allgemeinen Konjunktur zurück. Es dürfte sich zwar leicht erholen, und die nominalen Umsätze dürften um rund fünf Prozent steigen, "es wird sich voraussichtlich aber erneut schwächer als die Gesamtwirtschaft entwickeln", wie das Essener RWI-Institut am Dienstag in einem Bericht zur Branche mitteilte. Inflationsbereinigt (real) werden die Handwerksumsätze wohl auch 2023 wieder sinken. Auch die Erwerbstätigkeit dürfte weiter zurückgehen. "Gestiegene Zinsen, Energie- und Rohstoffpreise haben das Handwerk hart getroffen", sagte RWI-Experte Jochen Dehio. "Die Lage beginnt sich zwar aufzuhellen, der Fachkräftemangel dürfte aber auch in den kommenden Jahren eine große Herausforderung bleiben."
Die nominalen Erlöse des Handwerks waren 2021 und 2022 weniger stark gestiegen als die der Gesamtwirtschaft, wie aus dem RWI-Handwerksbericht hervorgeht. Bereinigt um steigende Preise schnitt das Handwerk sogar um jeweils rund zehn Prozentpunkte schlechter ab. Im ersten Corona-Jahr 2020 hatte das Handwerk seine Umsätze real noch um 2,1 Prozent steigern können, womit es um knapp fünf Prozentpunkte besser lief als in der Gesamtwirtschaft. Im vorigen Jahr konnten laut RWI von den Gewerbegruppen nur das Gesundheitsgewerbe (1,5 Prozent) und die Handwerke für den sonstigen privaten Bedarf ein reales Umsatzplus erwirtschaften (6,3 Prozent). Die Umsätze des gesamten Handwerks fielen hingegen real um 5,3 Prozent. Einem nominalen Umsatzplus um 8,9 Prozent standen dabei gestiegene Verkaufspreise von 14,2 Prozent für Dienstleistungen gegenüber.
"Über 2023 hinaus ist dann mit einer etwas positiveren realen Entwicklung des Handwerks zu rechnen", hieß es. Dann würden aber auch die großen Herausforderungen - Bindung und Gewinnung von Fachkräften, Steigerung der Innovationsfähigkeit der Handwerksbetriebe – wieder stärker in den Fokus rücken.