LuftverkehrKlein unter Riesenvögeln: «Follow-Me»-Wagen-Fahrer
Düsseldorf (dpa) - Andreas Lettau ist «Follow-Me»-Wagen-Fahrer auf dem Düsseldorfer Flughafen. Er steuert eines dieser schwarzgelben Autos, die man manchmal kurz nach der Landung vom Fenster aus sieht.
Düsseldorf (dpa) - Andreas Lettau ist «Follow-Me»-Wagen-Fahrer auf dem Düsseldorfer Flughafen. Er steuert eines dieser schwarzgelben Autos, die man manchmal kurz nach der Landung vom Fenster aus sieht.
«Follow Me» steht obendrüber, und dann fährt die Riesenmaschine dem kleinen Auto hinterher. Muss ein ziemlich cooles Gefühl für den Fahrer sein. Oder?
«Ja», sagt Andreas Lettau. «Natürlich. Klar doch.» Er ist eher so der ruhige Typ, der einfach seine Arbeit macht und nicht viel drüber redet. Nach kurzem Nachdenken ergänzt er: «Ich weiß noch, als die erste Boeing 747 hinter mir herkam, das war wie ein Riesenhaus auf Rädern.»
Die «Follow-Me»-Anzeige stellt Lettau an, indem er einen ganz kleinen Knopf in Höhe des Innenspiegels drückt. Allerdings finden die meisten Piloten heute auch so den richtigen Weg bis zum Vorfeld. Die «Follow-Me»-Wagen holen sie dann erst am Zurollweg ab. Fürs Foto schwenkt Lettau auch noch mal bereitwillig die orangefarbenen Kellen, mit denen man einen Flieger noch immer von Hand einweisen kann. Oder «einwinken», wie es richtig heißt. Wenn Lettau sie über Kreuz hält, bedeutet das: «Stehenbleiben!»
Natürlich nennt sich der 48 Jahre alte Oberhausener nicht wirklich «Follow-Me»-Wagen-Fahrer. Er ist ein Einweiser. Oder wie's auf seinem Rücken steht: «Marshaller». Davon gibt es in Düsseldorf - immerhin der drittgrößte deutsche Flughafen - gerade mal 20. Sie müssen, so sagt man in der Flughafenverwaltung, «Kerosin im Blut haben». Ihre Aufgabe ist es, im Gewusel von Flug- und Fahrzeugen den Überblick zu behalten. «Man muss rund um die Uhr Bescheid wissen, was gerade wo auf dem Flughafen los ist», sagt Lettau. Denn außer den großen Maschinen sind immer auch noch zig Catering-, Tank- und Gepäckfahrzeuge unterwegs.
Auf den ersten Blick fahren alle, wie sie lustig sind, aber das sieht nur so aus. Sie orientieren sich sehr genau an Linien und Haltepunkten auf dem Boden. Lettau kontrolliert mit einer Radarpistole die Geschwindigkeit. Wer zu schnell fährt, kriegt Strafpunkte und muss sich im Wiederholungsfall nachschulen lassen oder gar seine Fahrerlaubnis für den Sicherheitsbereich abgeben.
Die Wege, auf denen die Flugzeuge zu ihren Halteplätzen fahren, haben Namen wie «Rollweg Whisky» oder «Rollweg Tango». «Man kennt hier quasi jede Betonplatte», sagt Lettau. Tagein, tagaus sucht er den Boden nach liegengebliebenen Gegenständen ab: Müllbeutel, Plastikflaschen, Kofferanhänger und Reiseprospekte hat er schon gefunden. Ein auf der Startbahn liegendes Metallteil gilt als Ursache des Concorde-Unglücks auf dem Flughafen Paris vor zwölf Jahren.
Mit Tempo 110 prescht Lettau zwischen zwei Starts kurz über die Bahn. Fast erwartet man, dass er gleich abhebt. Damit er nicht plötzlich von einem Flieger überrascht wird, steht er in ständigem Funkkontakt mit dem Tower. Hektisch kann es im Winter werden, wenn die Bahnen verschneit oder vereist sind. Dann führt der Einweiser die Räumfahrzeuge an, die unter großem Zeitdruck arbeiten müssen.
«Die Flugzeuge kreisen, müssen aber irgendwann runter, weil der Sprit zu Ende geht. Dann fragt der Tower schon mal: "Können wir die ersten reinlassen?" Wenn wir dann "ja" sagen, haben wir noch fünf, sechs Minuten. Dann sag ich den anderen über Funk an: "Runter von der Bahn!" Und wenn dann einer zunächst nicht darauf reagiert, dann kommt man schon ganz schön ins Schwitzen.»
Lettau ist schon 16 Jahre Einweiser und seit 28 Jahren auf dem Flughafen. «Ich komme aus einer Fliegerfamilie», sagt er. Aber geflogen hat sein Vater nicht, er war Vorarbeiter auf dem Vorfeld. Andreas Lettau war dennoch stolz darauf, dass er dank seines Vaters näher als andere Kinder an die Flugzeuge rankam. «Faszinierend» fand er das. «Dieses Große.» Er weiß noch, wie er das erste Mal ein Flugzeug anfassen durfte. Wie fühlt es sich an? «Naja, wie schon? Wie 'ne Coladose natürlich.»