Frankreich Jiddische Sprache erlebt Aufschwung

Vielen, die Tacheles reden, abgezockt werden, Zoff machen oder in den Knast kommen, ist vermutlich nicht bewusst, dass diese Wörter aus einer fast ausgestorbenen Sprache stammen: dem Jiddischen. Die Sprache der europäischen Juden, die als Folge des Holocausts beinahe ausgestorben war, erlebt derzeit in Frankreich einen Aufschwung. Viele nichtreligiöse Juden interessieren sich heute für die Sprache ihrer Vorfahren.
"Ich wollte die Sprache meines Großvaters lernen", sagt Gilles Rozier, der einen Verlag gegründet hat, der unter anderem aus dem Jiddischen übersetzte Werke herausgibt. Er habe oft Verwunderung ausgelöst, wenn er gesagt habe, dass er Jiddisch lerne. "Die jiddische Literatur und die Lieder sind unheimlich interessant", findet er.
Vor dem Zweiten Weltkrieg war Jiddisch eine wichtige Sprache in Europa, die unter anderem in Amsterdam, London, Paris und Prag gesprochen wurde. Es ist eine germanische Sprache mit slawischen und hebräischen Einflüssen, die mit hebräischen Schriftzeichen geschrieben wird.
Die Nazis haben mit ihrem Völkermord an den Juden die Sprache jedoch beinahe ausgerottet. "Von sechs Millionen Juden, die während der Shoah ermordet wurden, sprachen fünf Millionen Jiddisch", erklärt Tal Hever-Chybowski, Direktor des Jiddischen Kulturhauses in Paris.