Branche unter DruckUkraine-Krieg hält deutsche Metall- und Elektroindustrie unter Vorkrisenniveau

Die deutsche Metall- und Elektro-Industrie kommt in der Folge des Ukraine-Kriegs nicht richtig auf Touren und ist noch weit von alter Stärke entfernt. Im vergangenen Jahr produzierten die Betriebe nur 1,8 Prozent mehr als 2021, wie der Branchenverband Gesamtmetall mitteilte.
Die Erholung reiche erneut nicht aus, um die Rückgänge von 2019 mit der Industrierezession und 2020 mit der Corona-Pandemie auszugleichen. Im Jahresschnitt lag das Produktionsniveau um neun Prozent unter dem Stand des Vorkrisenniveaus von 2018. "Der Krieg in der Ukraine und die Energiekrise bremsen die Erholung in der M+E-Industrie weiter aus", erklärte Gesamtmetall-Chefvolkswirt Lars Kroemer.
Demnach musste infolge anhaltender Lieferengpässe und Kostenexplosionen die Produktion zum Teil gedrosselt werden. "Erst im Laufe der zweiten Jahreshälfte 2022 stabilisierte sich die Lage etwas." Kroemer bezeichnete den Ausblick für das laufende Jahr als sehr gemischt. Einerseits seien die Neuaufträge rückläufig: 2022 gingen vier Prozent weniger Bestellungen ein als 2021. Andererseits hätten sich Erwartungen und Produktionspläne der Betriebe zu Jahresbeginn verbessert. Denn der Auftragsbestand sei noch auf hohem Niveau. Zudem hätten sich Lieferketten und Energiepreise etwas stabilisiert. "Für 2023 gehen wir von einer Seitwärtsbewegung aus", sagte Kroemer. "Die Heterogenität in der M+E-Industrie dürfte weiter groß sein."
Die Entwicklung wurde 2022 durch Engpässe und Kostenexplosionen im Einkauf belastet. Im Jahresmittel waren 89 Prozent der M+E-Firmen von Produktionsbehinderungen betroffen. Neben fehlendem Material (77 Prozent) beeinträchtigte auch ein Mangel an Fachkräften (42 Prozent) die Unternehmen. Gleichzeitig stiegen die Kosten oftmals schneller als die Erlöse, was den Angaben zufolge die finanziellen Möglichkeiten für Investitionen und Innovationen weiter einschränkte. So erhöhten sich die Preise für Vorleistungsgüter im Schnitt um 19 Prozent, die Stromkosten stiegen um 94 Prozent und die Gaspreise um 185 Prozent. "Angesichts des beschleunigten Strukturwandels stellt die Kostenexplosion für viele M+E-Firmen eine zusätzliche, massive Herausforderung dar."