Berichtete über Prozess gegen Imamoglu Weitere Festnahmen: Türkische Polizei nimmt Gerichtsreporter Ayhan fest

Täglich berichtet der Gerichtsreporter Kayhan Ayhan über den Prozess gegen den Erdogan-Rivalen Imamoglu in Istanbul. Nun wurde er kurzzeitig festgenommen. In Ankara tagt derweil der Nato-Gipfel.
Zum Start des Nato-Gipfels in Ankara gehen die Festnahmen im Gastgeberland Türkei weiter. In der Nacht zum Dienstag nahm die Polizei den Gerichtsreporter Kayhan Ayhan der Tageszeitung «Birgün» in Istanbul vorübergehend fest, wie die Zeitung mitteilte. Am Dienstagnachmittag wurde der Journalist wieder freigelassen und mit einem Ausreiseverbot belegt.
Ayhan wurde die Verbreitung irreführender Informationen vorgeworfen. Seine Anwältin bestätigte der Deutschen Presse-Agentur die Festnahme ihres Mandanten. Bei der Vernehmung sei der Journalist zu seiner Berichterstattung zum Prozess gegen den abgesetzten Istanbuler Bürgermeister Ekrem Imamoglu befragt worden.
Der Reporter verfolgt täglich den Hauptprozess gegen Imamoglu, der seit März vor Gericht auf dem Gefängniskomplex Silivri läuft. Imamoglu ist einer der profiliertesten Gegner des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und sitzt seit mehr als einem Jahr unter anderem wegen Korruptionsvorwürfen in Untersuchungshaft. Gegen Imamoglu laufen mehrere Prozesse, die Opposition wertet diese als politisch motiviert. Die Regierung weist das zurück. Nach seiner Freilassung erklärte Ayhan vor dem Gerichtsgebäude: «Wenn wir Journalisten nicht über diese Fälle berichten, würde niemand wissen, was dort vor sich geht.» Er kündigte an, weiterhin journalistisch tätig zu sein.
Die Journalisten-Gewerkschaft Basin-Is hatte die Festnahme in einer Mitteilung auf X verurteilt. Das eigentliche Ziel der Festnahme sei es, Journalisten einzuschüchtern und zum Schweigen zu bringen. Sie forderte die unverzügliche Freilassung Kayhans. Im Vorfeld des Nato-Gipfels, der an diesem Dienstag in Ankara begonnen hat, wurden bereits zahlreiche Menschen festgenommen, darunter Gewerkschaftler, Aktivisten und Journalisten.