Börsianer sind pessimistischerZEW-Index sinkt unerwartet stark

Börsenprofis schauen zu Jahresbeginn pessimistischer auf die deutsche Konjunktur. Das Barometer für die Aussichten in den kommenden sechs Monaten fiel im Januar überraschend kräftig um 5,4 Punkte auf 10,3 Zähler, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zu seiner Umfrage unter 156 Analystinnen und Analysten mitteilte.
Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang auf 15,3 Punkte gerechnet. Das Barometer für die aktuelle Lage legte dagegen um 2,7 Punkte zu, verharrt aber mit minus 90,4 Zählern tief im negativen Bereich.
"Ausbleibende Konsumausgaben der privaten Haushalte sowie eine schwache Baunachfrage belasten weiterhin die deutsche Wirtschaft", sagte ZEW-Chef Achim Wambach. "Sollten sich diese Trends im aktuellen Jahr fortsetzen, wird Deutschland weiter hinter die restlichen Euro-Länder zurückfallen." Hinzu komme eine gestiegene politische Unsicherheit. "Diese wird getrieben durch eine mögliche schwierige Koalitionsbildung in Deutschland sowie Unklarheit über die Wirtschaftspolitik der Trump-Regierung", fügte Wambach hinzu.
Die deutsche Wirtschaft ist im vergangenen Jahr um 0,2 Prozent geschrumpft und damit das zweite Mal in Folge. Zwei Rezessionsjahre hintereinander gab es zuletzt vor mehr als zwei Jahrzehnten. Die gesunkenen Erwartungen der Börsenexperten könnten auch auf die schlechten Konjunkturdaten sowie steigenden Inflationsdruck zurückgehen, sagte Wambach.
Für 2025 sagen Ökonomen nur eine schwache Erholung voraus. "Mit neuem Schwung ist im laufenden Jahr nicht zu rechnen", sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. "Hierfür ist für die exportabhängige deutsche Industrie das außenwirtschaftliche Umfeld zu schwach." Ein Unsicherheitsfaktor ist der neue US-Präsident Donald Trump: Er hatte im Wahlkampf Zölle auf Waren aus der EU ins Spiel gebracht. Das könnte Exporteuropameister Deutschland stark treffen, denn die Vereinigten Staaten sind der größte Abnehmer von Waren "Made in Germany".