Wirtschaft
"Gewaltige, logistische Probleme" erwartet Air-Berlin-Chef Mehdorn durch die Startverschiebung.
"Gewaltige, logistische Probleme" erwartet Air-Berlin-Chef Mehdorn durch die Startverschiebung.(Foto: REUTERS)
Dienstag, 08. Mai 2012

Großflughafen-Start verschoben: Air Berlin bekommt Probleme

Anfang Juni soll Deutschland seinen neuen Großflughafen in Berlin bekommen. Daraus wird nichts. Probleme mit dem Brandschutz sind der Grund. Während die Lufthansa so etwas bereits geahnt hat, trifft die Startverschiebung Air Berlin offenbar härter.

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Die Eröffnung des neuen Flughafens Berlin Brandenburg (BER) kann nicht wie geplant am 3. Juni stattfinden. Die Reaktionen in der Wirtschaft sind geteilt. Vor allem auf die deutschen Fluggesellschaften richtet sich das Augenmerk. Die Anleger schauen bei Air Berlin genauer hin.

Der Kurs von Deutschlands zweitgrößter Airline sackte deutlich ab. Mehr als 7 Prozent verloren die SDax-Titel, der Index selbst lag nur 0,5 Prozent im negativen Terrain. Der Grund: Die Verschiebung kostet. Man müsse nun umplanen, sagte Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn. Dies stelle "alle Beteiligten vor gewaltige logistische Probleme, die außerdem erhebliche noch nicht kalkulierbare Mehrkosten verursachen werden".

Der neue Großflughafen Berlin-Brandenburg soll statt am 3. Juni erst nach der Sommerpause öffnen. Grund für die Verschiebung seien Probleme beim Brandschutz, erklärte die Betreibergesellschaft Flughafen Berlin-Brandenburg GmbH. Man habe deshalb wegen möglicher Sicherheitsdefizite umsteuern müssen.

Lufthansa plant wie gehabt

Ungeachtet der Verschiebung will die Deutsche Lufthansa an der geplanten Ausweitung des Flugplans aus Berlin festhalten. Die geplanten zusätzlichen Flüge sollen in jedem Fall stattfinden, hieß es von Deutschlands größter Airline. Es fänden derzeit Verhandlungen statt, um der Lufthansa die dafür notwendigen Slots in Tegel zu sichern.

"Das ist natürlich nicht in unserem Sinne", sagt Konzernchef Christoph Franz auf der Hauptversammlung der Kranich-Airline. Sonderlich überrascht scheint man bei der Lufthansa dennoch nicht zu sein. "Wir haben in den Testläufen in den vergangenen Tagen und Wochen feststellen müssen, dass noch an vielen Stellen Handlungsbedarf besteht", hieß es weiter. "Für uns ist es wichtig, dass an dem neuen Flughafen ein reibungsloser Flugverkehr gewährleistet wird."

Ab Sommer sollen sechs Flugzeuge in Berlin stationiert und das Streckennetz auf 38 Städte in Europa und dem Nahen Osten erweitert werden. Bisher waren es lediglich acht Destinationen. Erklärtes Ziel der Lufthansa ist es, den Marktanteil im Berlin-Verkehr von zuletzt einem Viertel zu steigern.

Erst nach langem Zögern hatte die Lufthansa sich überhaupt entschlossen, ihr Flugangebot in Berlin massiv aufzustocken. Die Lufthansa macht das nicht, weil auf den Strecken große Gewinne winken, sondern um ihrem Rivalen Air Berlin in der Hauptstadt nicht die Lufthoheit zu überlassen.

Die Anleger vertrauten der Lufthansa. Der Kurs des Dax-Konzerns gab rund 1,5 Prozent nach. Der deutsche Leitindex lag selbst etwa 1 Prozent im Minus.

Der Flughafen Schönefeld wird seit September 2006 zum neuen Flughafen Berlin Brandenburg ausgebaut, um den gesamten Flugverkehr in der Region an einem Airport zu konzentrieren. Der Flughafen Tempelhof hat bereits 2008 seine Pforten geschlossen, auch in Tegel soll demnächst der letzte Flieger abheben.

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Quelle: n-tv.de

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