Wirtschaft

Die Kosten sinken Aktien-ETFs werden immer günstiger

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Seit 2013 sind die Aktien-ETF fast ein Drittel billiger geworden.

(Foto: imago images/McPHOTO)

Aktien-ETF sind mittlerweile billiger zu haben als Anleihe-ETF. Ausgerechnet bei den sicheren Bond-Fonds kommt es sogar zum Ausverkauf. Woran liegt das?

Aktive und passive Fonds werden seit Jahren billiger, was vor allem eine Folge des starken Wettbewerbs in der Branche ist. Während aktive Fonds unter Druck des wachsenden passiven Geschäfts stehen, sinken für die börsengehandelten Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF) selbst auch die Kosten. Im vergangenen Jahr waren Aktien-ETF sogar billiger als solche, die Anleihe-Indizes nachbilden. Das geht aus der Statistik des internationalen Fondsverbandes ICI hervor, dem auch der deutsche BVI angehört.

Der ICI hat die Kosten für Ucits-ETF auf Aktien und Bonds untersucht, also vereinfacht gesagt von in Europa zum Handel zugelassenen börsengehandelten Indexfonds wie beispielsweise auf den deutschen Aktienindex Dax oder den Anleihen-Index "Bloomberg Barclays Euro Aggregate". Komplizierte derivative Produkte oder Rohstoff-Fonds wurden nicht berücksichtigt.

Im Jahr 2013 lagen die durchschnittlichen laufenden Kosten (also ohne Handelskosten bei Kauf und Verkauf) für einen europäischen Aktien-ETF demnach noch bei 0,39 Prozent. Von 1000 Euro Anlagegeld gingen also pro Jahr 3,90 Euro für Verwaltung des Fonds drauf. Bei vielen aktiv verwalteten Aktienfonds betragen die Kosten 1,5 bis 2 Prozent pro Jahr. Sie bieten dafür die Chance, besser als der breite Markt zu laufen, was viele allerdings nicht schaffen.

Seit 2013 sind die Aktien-ETF fast ein Drittel billiger geworden, im vergangenen Jahr lagen ihre laufenden Kosten noch bei durchschnittlich 0,26 Prozent. Damit waren sie in der Datenreihe von ICI erstmals billiger als Anleihe-ETF. Diese kosteten im Schnitt vergangenes Jahr 0,28 Prozent und waren damit sogar etwas teurer als 2013, als es nur 0,25 Prozent waren. Für Anleger ist dies besonders ärgerlich, denn zugleich sind die regelmäßigen Ausschüttungen der Anleihe-ETF (oder die Thesaurierung) wegen immer niedrigerer Zinsen erheblich geschrumpft.

Zentralbanken kaufen Bonds

Über die Gründe für die unterschiedliche Kostenentwicklung bei Aktien- und Bonds-ETF kann nur spekuliert werden. Allerdings sind Anleihen grundsätzlich schwerer zu handeln als Aktien. Das Problem könnte sich durch die Bonds-Kaufprogramme der Notenbanken noch verschärft haben, da viele Bonds dadurch noch illiquider und folglich schwerer zu handeln waren. Shelly Antoniewicz, leitende Direktorin im Bereich Wirtschaftsanalyse beim Investment Company Institute (ICI) in Washington D.C sieht die Kostenentwicklung auch als indirekte Folge der Niedrigzinsen, die Anleger verstärkt auch in Schwellenländer-Bonds investieren lassen. "Der Handel und die Verwahrung von Schwellenländer-Aktien sind teurer als bei US-Staatsanleihen", sagte sie Capital.

Hingegen sind für Aktien die Handelskosten durch die starke Konkurrenz verschiedener Plattformen vermutlich geschrumpft. Denn Dax-Aktien werden längst nicht mehr nur auf der Xetra-Plattform der Deutschen Börse gehandelt. Große Investoren wie es ETF-Anbieter sind, stehen Alternativen zur Verfügung. Möglicherweise ist die Konkurrenz bei Aktien-ETF einfach auch größer. Das breite Angebot sieht jeder, der einen Sparplan auf den Dax oder den S&P500 anlegen will.

Der Boom bei ETF ist jedenfalls ungebrochen. "Wir sehen bei ETF ein enormes Wachstum", sagt Antoniewicz. "Gerade bei Aktien-ETF gab es starke Zuflüsse." In europäische ETF waren dem ICI zufolge im Jahr 2020 rund 927 Milliarden Euro investiert, mehr als doppelt so viel wie 2013. Allerdings sind die Kurse in diesem Zeitraum auch stark gestiegen. Aus 1000 Anfang 2013 in einen Dax-ETF angelegten Euro wären inzwischen rund 2000 Euro geworden.

Doch unabhängig von den Kosten beobachtet Antoniewicz "eine steigende Nachfrage" nach aktiven wie passiven Anleihefonds. "Dieser Trend wird vor allem durch die Demographie angetrieben, es gibt immer mehr Menschen die 65 Jahre und älter sind", sagt sie. "Sie gehen in diese Fonds, weil diese regelmäßige Erträge und weniger Volatilität als Aktien erwarten lassen."

Anleger verkaufen Bonds

Im Corona-Crash an den Kapitalmärkten kam es dennoch zunächst zu Abflüssen aus Aktien- wie aus Anleihefonds, doch waren diese im Vergleich zum Gesamtanlagevolumen sehr moderat. Bemerkenswerterweise gerieten Anleihefonds im März 2020 sogar deutlich stärker unter Verkaufsdruck als Aktienfonds, obwohl Investoren eigentlich in solchen Phasen von Aktien in Anleihen umschichten. Doch aus aktiven europäischen Bonds-Fonds flossen im März 2020 rund 118 Milliarden Euro ab, aus Aktienfonds nur 45 Milliarden. Euro. Antoniewicz erklärt sich das damit, dass viele Investoren wegen der sehr hohen Unsicherheit "Cash wollten und deshalb Assets verkauft haben." Die Kurse von Bonds waren weit weniger stark eingebrochen als die von Aktien. "Was verkauft man, wenn man Cash haben will - natürlich die Assets die ihren Wert eher gehalten haben, anstatt große Verluste zu realisieren", sagt Antoniewicz.

Allerdings haben sich die Anleger nicht sehr lange im Cash gehalten, im April 2020 setzten bereits wieder Zuflüsse in Anleihe- und in Aktienfonds ein. Im November waren bei Anleihen die Abflüsse von März schon wieder ausgeglichen, so dass für 2020 sogar ein Netto-Zufluss zu Buche steht. Bei Aktien ging es sogar noch schneller: Hier waren schon im Juli die März-Abflüsse wieder ausgeglichen, ab November schwollen die Zuflüsse regelrecht an. In den beiden Schlussmonaten 2020 sahen Aktienfonds Netto-Zuflüsse von 41 Milliarden Euro.

Dieser Text erschien zuerst bei Capital.

Quelle: ntv.de

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