Wirtschaft

Planspiele in Berlin Athen hofft auf Umschuldung

Eine Umschuldung des finanziell angeschlagenen Eurolandes Griechenland rückt näher. Technisch könnte diese Aktion über einen Rückkauf bereits ausgegebener Anleihen durch Athen laufen. Einen entsprechenden Plan habe der Chef des EU- Rettungsschirms EFSF, Klaus Regling, vor einigen Wochen den Regierungen der Eurozone vorgeschlagen, heißt es.

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Klaus Regling.

(Foto: REUTERS)

Griechenland kann auf eine Umschuldung hoffen. Der "Spiegel" berichtet von einer entsprechenden Idee des Chefs des Euro-Rettungsschirms, Klaus Regling. Bereits vor einigen Wochen habe er  in den Hauptstädten der Euro-Zone und bei der EU-Kommission einen freiwilligen Forderungsverzicht bei Griechenland-Schulden vorgeschlagen.

Demnach würde die griechische Regierung die Anleihen zu Marktpreisen zurückkaufen. Weil die Papiere derzeit nur bei rund 70 Prozent des Nennwertes gehandelt werden, würde dies einen faktischen Forderungsverzicht von Gläubigern in der Größenordnung von 30 Prozent bedeuten. Finanziert würde der Rückkauf aus Mitteln der "Europäischen Finanzstabilitäts-Fazilität" (EFSF).

Widersprüchliche Signale

Der Regling-Plan habe gute Aussichten, als Bestandteil eines Gesamtpakets zur Stabilisierung der Euro-Zone beim Europäischen Rat im März beschlossen zu werden, hieß es. Bereits in den vergangenen Tagen hatten mehrere Zeitungen von Gedankenspielen in der Euro-Zone über eine freiwillige Umschuldung griechischer Schulden berichtet. Ein Sprecher der EU-Kommission bezeichnete dies allerdings als Unsinn. Auch Regling äußerte sich Ende vergangener Woche zurückhaltend: Eine Umschuldung Griechenlands stehe nicht bevor. Finanzstaatssekretär Steffen Kampeter sprach von Restrukturierungsphantasien, die auf Gerüchten basierten.

Doch der Vorschlag von EFSF-Chef Regling hat zwei bestechende Vorteile: So würde der Plan den griechischen Staatshaushalt entlasten und - wichtiger noch - die Investoren nicht verschrecken, weil niemand zu einem Forderungsverzicht gezwungen werde.

Juncker hält sich bedeckt

Zurzeit kauft bereits die Europäische Zentralbank (EZB) in großem Stil Staatsschulden auf. Der Vorsitzende der Eurogruppe, Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker, sagte, er begrüße, dass die EZB zu dieser unkonventionellen Maßnahme bereit war. "Klar ist aber auch, dass wir diese Maßnahmen nicht unbegrenzt fortsetzen können, ohne die Handlungsfähigkeit der EZB zu gefährden."

Zu Vorschlägen, der Rettungsfonds EFSF solle künftig Schulden notleidender Staaten ankaufen, wollte sich Juncker nicht deutlich äußern. Auf die Frage, wie eine Umstrukturierung der griechischen Schulden aussehen könnte, fügte er hinzu: "Es macht keinen Sinn, diese Frage jetzt öffentlich zu erörtern."

Der Rückkauf von Anleihen wird von Volkswirten als wahrscheinlichstes Szenario für eine Umschuldung Griechenlands angesehen. Für Griechenland war im Mai 2010 ein Rettungspaket im Volumen von 110 Mrd. Euro geschnürt worden, für das vor allem die Euroländer und der IWF geradestehen. Im Gegenzug musste Athen drastische Sparprogramme verabschieden. Nun wird befürchtet, dass dies nicht reichen könnte, um die Athener Finanzen auf Dauer in Ordnung zu bringen, vor allem wegen der drückenden Zinslast, die auf dem griechischen Schuldenberg liegt. Griechische Anleihen rentieren derzeit bei bis zu 12 Prozent.

Quelle: ntv.de, rts/dpa