Wirtschaft

Standort Frankfurt springt ein Auch Sanofi produziert Biontech-Impfstoff

Ein Fläschchen mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer wird gezeigt. Foto: Tobias Hase/dpa/Symbolbild

Fläschchen wie dieses sollen künftig auch bei Sanofi in Frankfurt-Höchst entstehen.

(Foto: Tobias Hase/dpa/Symbolbild)

Biontech versucht seine Probleme bei der Impfstoff-Produktion durch eine Kooperation mit anderen Konzernen zu lösen. Ein französischer Pharma-Riese ist nun mit an Bord und wird an einem deutschen Standort in die Produktion einsteigen.

Der französische Pharmakonzern Sanofi will ab Sommer mehr als 125 Millionen Dosen des Pfizer-Biontech-Impfstoffs für die Europäische Union liefern. Sanofi wolle dem Mainzer Unternehmen Biontech Zugang zu seiner Produktionsinfrastruktur gewähren, teilte der Konzern mit. Ziel sei es, "Fertigungsschritte der späten Phase" zu übernehmen, um die Lieferung des Covid-19-Impfstoffs zu unterstützen. Die ersten Lieferungen sollen im Sommer 2021 aus den Produktionsanlagen von Sanofi in Frankfurt geliefert werden. Dafür soll eine Fabrik genutzt werden, in der Sanofi bislang Diabetes-Medikamente herstellte.

Dazu müssen die Anlagen am Standort Frankfurt-Höchst jedoch zunächst umgerüstet werden, wie eine Sprecherin von Sanofi Deutschland sagte. Denn der Impfstoff von Biontech basiere auf der Technologie von mRNA-Botenstoffen - anders als der Impfstoff, an dem Sanofi mit dem britischen Pharmakonzern GSK forscht. Zu finanziellen Details des Deals mit Biontech und Pfizer machte die Sprecherin keine Angaben.

Gesamtumfang der Produktion bleibt

Die Beteiligung des französischen Pharmariesen an der Herstellung des Corona-Impfstoffs von Biontech ändert nach Angaben des Mainzer Unternehmens nichts am Gesamtumfang der Vakzin-Produktion. Es bleibe bei den geplanten zwei Milliarden Impfdosen, teilte eine Biontech-Sprecherin mit.

Sanofi-Generaldirektor Paul Hudson hatte sich bereits am Dienstag zur Kooperation mit Biontech/Pfizer geäußert. Er sprach im Interview mit der französischen Zeitung "Le Figaro" konkret davon, beim Abfüllen des Impfstoffs helfen zu wollen. Dies müsse in einer sterilen Umgebung und bei einer sehr niedrigen Temperatur erfolgen, sagte er. Da die Sanofi-Produktion in Frankfurt nahe des Biontech-Hauptsitzes in Mainz liege, werde das die Sache erleichtern. "Wir sollten in der Lage sein, bis Ende des Jahres mehr als 100 Millionen Dosen zu liefern, die für die Europäische Union und damit teilweise für Frankreich bestimmt sind", hatte er in dem Gespräch erklärt.

Sanofi-Impfstoff lässt auf sich warten

Zugleich will das Unternehmen weiter an seinen beiden Covid-19-Impfstoffen arbeiten. Die Corona-Impfstoffentwicklung von Sanofi und GSK (GlaxoSmithKline) hatte sich zuletzt verzögert. Sollten weitere Studien erfolgreich sein, rechnet Sanofi mit einer Zulassung des rekombinanten Impfstoffs auf Proteinbasis etwa Ende 2021. Gleichzeitig entwickelt Sanofi in Partnerschaft mit der US-Firma Translate Bio einen mRNA-Impfstoff. "An Aufgeben ist nicht zu denken", sagte Hudson "Le Figaro".

Angesichts der massiven Nachfrage nach Covid-19-Impfstoffen arbeitet Biontech mit Hochdruck am Ausbau seiner Produktionskapazitäten. Pfizer und Biontech haben sich verpflichtet, in diesem Jahr bis zu 600 Millionen Dosen an die EU zu liefern. Die Partner mussten aber wie auch Astrazeneca Lieferprobleme eingestehen, da die Produktion im belgischen Pfizer-Werk Puurs wegen der Ausweitung der Kapazitäten zunächst gedrosselt werden müsse. Entlastung soll auch die von Novartis übernommene Anlage im hessischen Marburg bringen, die im Februar die Produktion aufnehmen soll. Das US-Unternehmen Baxter will zudem im westfälischen Halle ab Ende Februar/Anfang März den Impfstoff von Biontech und Pfizer herstellen.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa/rts/AFP