Wirtschaft

"Termin mit Augenmaß" BER kommt im Oktober 2013

Jetzt aber wirklich: Der Großflughafen Berlin-Brandenburg soll am 27. Oktober 2013 eröffnet werden. Auf diesen Termin legt sich der neue Technikchef Amann fest. Es ist der dritte Starttermin für das Projekt. Ursprünglich sollte der Flughafen im Oktober 2011 eröffnet werden, dann im Juni diesen Jahres. Das Chaos auf der Baustelle überrascht selbst den Experten Amann.

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Neuer Termin, neues Glück für den Hauptstadtflughafen?

(Foto: dpa)

Der Eröffnungstermin des neuen Hauptstadtflughafens wird noch einmal um sieben Monate auf den 27. Oktober 2013 verschoben. Das sagte der neue Flughafen-Technikchef Horst Amann nach einer Sitzung des Aufsichtsrats in Berlin-Schönefeld. Der neue Termin sei das Ergebnis einer kompletten Neuplanung der Schlussphase des Projekts. "Am 27. Oktober geht der BER ans Netz", versprach Amann. "Der Termin ist mit Augenmaß gemacht." Das neue Datum fällt mit dem Beginn des Winterflugplans zusammen.

Berlins Regierender Bürgermeister, Klaus Wowereit und sein Brandenburger Kollege Matthias Platzeck zeigten sich optimistisch, dass dieser Termin gehalten wird. "Ich denke, dass Herr Amann seine Analyse der Situation überzeugend vorgenommen und rein rational die Zeiträume definiert hat", sagte Wowereit nach der Sitzung. "Hier wird jetzt durchgestartet", fügte er hinzu. Der Flughafen solle aus den Negativschlagzeilen herauskommen. Platzeck sagte, alle konsultierten Parteien hätten den Termin als "sinnvoll und gut" bezeichnet. Dazu gehörten laut Amann Fluggesellschaften, einige beteiligte Baufirmen und Planer.

Keine weiteren personelle Konsequenzen

Ein weiterer Beschluss des Gremiums: Flughafenchef Rainer Schwarz bleibt im Amt. Der Aufsichtsrat habe nach der Trennung von Amanns Vorgänger Manfred Körtgen keinen Anlass zu weiteren personellen Konsequenzen gesehen, sagte Platzeck. Doch die Kritik am Krisenmanagement wird wohl nicht so schnell verstummen.

An den Mehrkosten dürfe sich der Bund erst beteiligen, wenn Ursachen und Verantwortung für das Fiasko aufgeklärt seien, forderte Unions-Fraktionsvize Arnold Vaatz (CDU) in der "Berliner Morgenpost". FDP-Generalsekretär Patrick Döring sagte der Zeitung, er könne sich nicht vorstellen, dass die FDP einem Konzept zustimme, ohne dass sich in Aufsichtsrat und Geschäftsführung der Flughafengesellschaft personell etwas ändere.

Lange Liste von Problemen

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Kein leichter Job: Technik-Chef Amann muss sich ein Überblick im Chaos verschaffen.

(Foto: dpa)

Zuletzt war der 17. März 2013 für die Eröffnung im Gespräch. Ursprünglich sollte der Flughafen im Oktober 2011 eröffnet werden, dann im Juni dieses Jahres. Die Probleme auf der Baustelle in Schönefeld rissen jedoch nicht ab, mittlerweile ruhen die Bauarbeiten fast vollständig. Bis sie wieder aufgenommen werden können, müssen laut Amann noch die "restlichen Ausführungspläne" erstellt werden. Im Herbst sollen die Arbeiten wieder aufgenommen werden.

Als größte Probleme nannte Amann weiterhin den Brandschutz, aber auch die Sanierung der Kabeltrassen. Eklatante Schwierigkeiten attestierte Amann auch der technischen Programmierung der 4000 Türen auf der Baustelle. Rund fünf Monate will der neue Technikchef den Flughafen testen, um sicher zu gehen, dass alles funktioniert. Ab Mai 2013 sollen Probeläufe stattfinden.

Zweiter wichtiger Punkt auf der Aufsichtsratsitzung war das Finanzierungskonzept für BER. Laut Flughafenchef Rainer Schwarz bleibt es nach jüngster Kalkulation unterm Strich bei Mehrkosten von rund 1,2 Mrd. Euro. Diese Zahl wurde schon im August genannt. Damit kostet der neue Flughafen rund 4,3 Mrd. Euro. Bürgermeister Wowereit sagte, die Gesellschafter Bund, Berlin und Brandenburg wollten den Mehrbedarf unter sich aufteilen. Die Details dazu müssten noch abgestimmt werden, insbesondere mit Blick auf die Wettbewerbsprüfung der Europäischen Kommission, so der SPD-Politiker.

Hoffen auf Amann

"Die Unternehmen der Luftverkehrswirtschaft können endlich verlässlich planen", erklärte der Präsident des Bundesverbands der deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Klaus-Peter Siegloch. Es sei "richtig", dass Aufsichtsrat und Geschäftsführung Amann "genügend Zeit gegeben haben, sich ein solides Bild über die Bausituation am BER zu verschaffen. "Dadurch ist er nun in der Lage, verlässliche Aussagen über den Bauabschluss zu treffen".

Und das war offensichtlich keine einfache Aufgabe: Medienberichten zufolge fehlten etwa viele Bau-Unterlagen, die der Technikchef sich gerne angesehen hätte. Im Wettlauf gegen die Zeit sei der Blick auf die Qualität und die Kosten etwas in den Hintergrund geraten, formuliert der erst im August verpflichtete Fachmann nach der Sitzung diplomatisch - vor allem beim Sorgenkind Brandschutz. "In der Tat waren wir dabei, uns etwas jenseits der Baugenehmigung zu bewegen", sagt Amann - was offenbar eine freundliche Beschreibung für das Chaos ist, das hinter der schon ganz ansehnlichen BER-Fassade wohl geherrscht haben muss. Danach wurde Amann mit Blick auf die unvollständigen Unterlagen deutlicher: "Es war schlimm, was alles fehlte."

Die Blamage für die Projekt-Betreiber bleibt, die Aufregung über die Verspätung ist mittlerweile Resignation gewichen: Nachdem es jetzt einen "verlässlicheren Termin mit Oktober 2013 geben könnte", sei "diese Hängepartie jetzt planbarer", sagte etwa der Geschäftsführer des Flughafen-Hotels Holiday Inn Schönefeld, Thomas Tarnok, im Vorfeld des neuen Termins. "Es ist bedauerlich, dass wir nach diesem Beschluss noch eine Sommersaison in Tegel verbringen müssen", sagte Air-Berlin -Chef Harmut Mehdorn. Zugleich versicherte er: "Wir freuen uns weiterhin auf unseren neuen Heimatflughafen und setzen auf den BER."

Auch der Oktober-Termin gilt als ambitioniert, weitere Pannen dürfen nicht passieren, denn viele Puffer gibt es nicht. "Der Puffer sollte auch nicht allzu groß sein, weil jeder Monat auch Geld kostet", sagt Wowereit. "Ich glaube, das ist sehr, sehr seriös erarbeitet worden." Vor der Aufsichtsratssitzung machten Gerüchte, dass die Verantwortlichen mit einer Eröffnung auf Raten liebäugeln, die Runde. Selbst ohne laufende Arbeiten verschlingt das Bauprojekt monatlich 20 Millionen Euro.

Quelle: n-tv.de, sla/dpa/rts

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